Den Kopf noch nicht unterm Arm

SWP 07.07.2014
Ein SPD-Urgestein feierte Geburtstag: Hermann Bachmaier wurde am Samstag 75. Mathias Bartels sprach mit dem Crailsheimer Sozialdemokraten.

Erst mit 30 sind Sie in die SPD eingetreten, haben dann aber schnell die Kommunalpolitik geprägt. Vermissen Sie die stürmischen Zeiten?

BACHMAIER: Obwohl ich nie in die Politik wollte, hat mich ein Crailsheimer Schlüsselerlebnis elektrisiert: die Auseinandersetzung mit dem damaligen OB Zundel. Das war eine spannende Phase. Auch in der Partei war damals viel Bewegung mit widerstreitenden Strömungen.

Jetzt sind Sie so was wie ein "Elder Statesman". Werden Sie im Rückblick womöglich altersmilde?

BACHMAIER: In der Politik kenne ich nach 22 Jahren Bundestag die Praxis. Ich war der klassische Parlamentarier, war federführend in Untersuchungsausschüssen tätig, Geheimdienst-Experte und SPD-Justiziar und als solcher in so ziemlich alle Rechtsfragen der Fraktion eingebunden. Ich war nie ein Postenjäger, sondern habe vielmehr die parlamentarische Seite des Mandats in vollen Zügen genossen. Nach meinem Abschied aus dem Bundestag habe ich fünf Jahre im Normenkontrollrat der Bundesregierung gearbeitet. All das prägt. Man muss aber auch jederzeit sagen können, ich mache dies oder jenes eben nicht. Die politischen Freunde müssen das ertragen können.

Als Sie 1983 in den Bundestag kamen, haben Sie die kompletten Kohl-Jahre miterlebt: für einen Oppositions-Politiker frustrierend?

BACHMAIER: Überhaupt nicht. Opposition ist was anderes als Regierung, aber als Kontrollorgan enorm wichtig. Man bekommt es immer mit fertigen Gesetzespaketen zu tun, aber man kann sich daran nach Kräften abarbeiten. Letzten Endes entscheiden Mehrheiten. Also muss man manchmal auch mit der Gegenseite kooperieren. Glauben Sie mir: Da kann man nicht nur den Krawallbruder geben. Man kann in der Opposition schon viel machen - animieren, Schwachstellen benennen und der Regierung Feuer geben.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

BACHMAIER: Mit 75 muss man vorsichtig sein mit Plänen. Behutsam weitermachen wie bisher, gern noch einiges unternehmen, denn noch trage ich meinen Kopf nicht unterm Arm. Ich gehe auch immer noch gern ins Büro. Aber man wird im Alter schon gelassener, auch weil einen niemand kommandiert.