Gaildorf / HANS BUCHHOFER  Uhr
Wer von Gaildorf in Richtung Kleinaltdorf spaziert, sieht seit geraumer Zeit, dass an der Kläranlage fleißig gearbeitet wird. Die Anlage muss dringend saniert und - wegen einiger Schwachstellen - auf den neuesten Stand gebracht werden.

Wer von Gaildorf in Richtung Kleinaltdorf spaziert, sieht seit geraumer Zeit, dass an der Kläranlage fleißig gearbeitet wird. Die Anlage muss dringend saniert und - wegen einiger Schwachstellen - auf den neuesten Stand gebracht werden.

Die mechanisch-biologische Kläranlage der Stadt Gaildorf, seit 1977 in Betrieb, entspricht nicht mehr den technischen Standards. Das hat eine umfangreiche Untersuchung ergeben. Das Ingenieurbüro LK&P aus Mutlangen nahm das Klärwerk im Auftrag der Stadt 2010 unter die Lupe und erstellte ein Handlungskonzept. Als zentrale Schwachstellen wurden diagnostiziert: Die Anlage kann derzeit maximal 110 Liter pro Sekunde an Mischwasserzufluss behandeln, die Nachklärung ist viel zu gering, und der Wirkungsgrad der Schlammeindickung und Schlammentwässerung, vereinfacht ausgedrückt, sehr schlecht. Durch die fehlende Puffermöglichkeit für Filtrat- und Trübwasser kann diese nicht dosiert der Kläranlage zugeführt werden.

Gesamtkosten mehr als 3 Millionen Euro

Der Gemeinderat entschied sich im Juli 2010 für eine Lösung mit einer Kapazität von 150 Litern pro Sekunde Mischwasserzufluss. Die Gesamtkosten für den Umbau und die Sanierung belaufen sich auf mehr als 3 Millionen Euro. Gaildorfs Beigeordneter Frank Zimmermann hofft dabei auf einen Landeszuschuss von 40 bis 45 Prozent. Nach Abschluss der Maßnahme verfügt die Stadt über eine Kläranlage, die sich technisch auf dem neuesten Stand befindet.

In den vergangenen Tagen wurden die heikelsten Arbeiten der Sanierung erfolgreich bewältigt, wie die beiden LK&P-Ingenieure Ricky Winter (Bauleitung) und Matthias Strobel (Planung) sowie Manfred Sonner, Leiter des Verbandsbauamts, erfreut feststellten. Um den gewünschten Zufluss zu erreichen, musste der Wasserstand des Nachklärbeckens um etwa 60 Zentimeter angehoben werden. Da der alte Räumer deshalb nicht mehr zu verwenden und zudem teilweise korrodiert war, musste ein neuer Räumer installiert werden; auch ein neues Ablaufsystem war notwendig geworden. Dazu musste die Anlage in einer Art Notbetrieb gefahren werden, um die notwendigen Sanierungen und Einbauten zu ermöglichen. Zum Glück regnete es in dieser Phase nicht, sodass kein zusätzliches Wasser die Anlage belastete. Im "Sequenz-Batch-Reaktor-Betrieb" lief die Kläranlage als Notbetrieb. Dazu übernahmen die beiden Belebungsbecken vorübergehend auch die Funktion des Nachklärbeckens. Die beiden Becken wurden abwechselnd gefüllt, belüftet, dann folgte eine Absetzphase, und danach pumpten zwei Dekanter das klare Wasser in den Kocher.

Diese Arbeiten klappten optimal, auch dank des guten Wetters und der optimalen Zusammenarbeit der beteiligten Firmen, der Bauleitung und des Klärwärters Felix Jochum. Teilweise waren sieben bis acht Firmen gleichzeitig am Werk, um diese "kitzlige Geschichte" erfolgreich zu lösen. Das Nachklärbecken ist nun voll funktionsfähig, der Räumer mit seinem Funktionsteilen aus Edelstahl verspricht eine lange Lebensdauer, und auch eine Spritzanlage wurde installiert, um den Schlamm besser absaugen zu können.

Saniert auf das Niveau eines Neubaus wurden ferner das Regenüberlaufbecken, wobei das Volumen um 495 Kubikmeter auf 1845 erweitert wurde. Auch Einbauten bei den Schlammeindickern waren nötig. Beim Voreindicker wurde ein neues Krählwerk eingebaut, eine neue Zentrifuge muss noch installiert werden, um den Schlamm zu entwässern. Das Filtratwasser wird dann dosiert in die Anlage abgegeben. Bis dahin wird der Schlamm in mobilen Containern entsorgt.

Eine neue Schaltanlage, die alle Abläufe elektronisch regelt, gehört ebenfalls zum Herzstück der Anlage. Was neben der Zentrifuge noch fehlt, ist ein Zufahrtstor; auch die Außenanlagen müssen noch gerichtet werden. Dann hat Gaildorf wieder eine moderne Kläranlage, die - von den üblichen kleineren Reparaturen abgesehen - auf Jahre hinaus große Mengen an Schmutz- und Regenwasser klären kann.