Noch ist es nicht zu spät. Doch wer noch immer keine Weihnachtsgeschenke besorgt hat, der muss sich ranhalten. Für den Kunden bedeutet dieser Last-Minute-­Run auf die passenden Geschenke oft Stress. Viele kaufen statt beim Fachgeschäft vor Ort daher per Mausklick im Internet. Die Leidtragenden sind die Einzelhändler: Für sie ist das Geschäft rund um die Präsente unterm Christbaum Jahr für Jahr eine wichtige und umsatzrelevante Zeit.

Kunden halten sich zurück

„Bei uns ist es ganz unterschiedlich, ein Tag ist besser, einer schlechter“, so Erika Schreier, Angestellte beim Schuhhaus Diem, über das aktuelle Weihnachtsgeschäft. Die Einkaufssamstage seien nicht so gut besucht. Das könnte an den kostenlosen Bussen nach Hall liegen, vermutet sie. Positiv spürbar sei die Abomax-Aktion, eine Kooperation mit unserer Zeitung, bei der die Kunden verschiedene Rabatte erhalten. Sie schätzt das Weihnachtsgeschäft insgesamt verhalten, aber ähnlich wie im vergangenen Jahr ein. Was diesen Winter bislang besonders nachgefragt wird? „Warme Winterschuhe wie Stiefel“, antwortet sie lachend.

Erika Schreiers Einschätzung zur Situation der Fachhändler in der Stadt: „Wir haben viele Einzelhändler verloren in Gaildorf, da fehlt’s am Angebot wie bei der Herrenmode.“ Zudem ist der Stadtmarketingverein aufgelöst. Sie hoffe dennoch, dass im kommenden Jahr mehr Leben in die Stadt kommt. Den Online-Handel bezeichnet sie als Konkurrenz, merkt aber für den Schuhbereich an: „Online-Ware ist nicht günstiger.“ Auch Kunden, die sich vor Ort beraten lassen und dann im Internet kaufen, begegnen ihr.

Vom Weihnachtsgeschäft unberührt ist das City-Reisebüro Herb am Marktplatz. Das Hauptgeschäft beginne im Januar oder Februar, wenn die neue Saison anstehe, so Geschäftsführer Uwe Herb. „Einen Schlag nach oben“ beobachte er auch Ende Oktober, wenn das neue Sommerprogramm veröffentlicht wird. Die Verkaufszahlen würden nicht durch Weihnachten beeinflusst, sondern vielmehr durch Faktoren wie die Häufung von Geburtstagen. Dann sei ein deutlicher Zuwachs an Gutscheinkäufen spürbar. Klar hält Herb fest: „Das Weihnachtsgeschäft ist für uns nur zweite Garde.“

Das genaue Gegenteil ist bei den Spielwarenhändlern der Fall. Die Renner im Weihnachtsgeschäft? Lisa Schmidt nennt das Spiel Azul, die Fahrzeuge der Kinderserie Paw Patrol und die Neuheiten von Schleich. Teile dieser Waren seien immer wieder ausverkauft. Für die Verkäuferin bei Spielwaren Wiedmann verläuft das bisherige Weihnachtsgeschäft „im Durchschnitt echt gut“. Trotzdem stelle sie fest, dass „es durch das Online-Geschäft weniger wird“. Das sei schade. „Die Konkurrenz ist durch extreme Sale-Angebote im Internet sehr groß.“ Was man dagegen tun kann? „Der Einzelhandel recht wenig“, meint Lisa Schmidt. Die Überzeugung müsse von den Leuten kommen, durch Einkaufen die Läden vor Ort am Leben zu erhalten.

Enttäuscht vom bisherigen Geschäft rund um das Fest der Liebe sind die Betreiber des Sport-Shops Roth. Silvia Roth spricht von weniger Kundschaft und Nachfrage als in den Vorjahren. Auch spezielle Aktionen wie das Angebot der Woche, aktuell sind das Schlitten, seien wenig nachgefragt. Ski-Klamotten stießen auf deutlich weniger Interesse als in den vergangenen Jahren. Woran das liegt? „Wenn ich es wüsste, würde ich es sofort umsetzen“, so Silvia Roth. Sie blickt in die Zukunft: „Wir wissen nicht, wohin der Weg geht. Es sieht danach aus, als ob der Internet-Handel gegen die Vernunft siegt.“

Online-Kauf nicht nur vorteilhaft

Beliebt seien in der Vorweihnachtszeit die Autobiografie „Becoming“ von Michelle Obama und der Kriminalroman „Die Suche“ von Charlotte Link, wie Gabi Schagemann, Inhaberin der Buchhandlung Schagemann, erzählt. Trotzdem stellt sie einen klaren Rückgang im Weihnachtsgeschäft fest. Die Online-Konkurrenz und große Kaufhäuser machen ihrer Buchhandlung zu schaffen, räumt sie ein. „Vielleicht ist es die Bequemlichkeit.“ Die Vorteile des Vor-Ort-Kaufs? „Hier gibt es gute Beratung und guten Service, das schätzen viele Kunden.“ Den Preisvorteil gebe es im Internet nicht – wegen der Preisbindung kosten Bücher überall in Deutschland gleich viel. Schneller sei das Internet auch nicht: „Wir können bis 17 Uhr ein Buch bestellen und haben es fast immer am nächsten Morgen im Laden“, so Gabi Schagemann. Vielen seien Angebote wie ihre Internetbestellfunktion außerdem nicht bekannt.

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