Energie Das Interesse der USA am Naturstromspeicher wächst

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 10.12.2016
Der künftige US-Präsident Donald Trump hält nicht viel von solchen Konzepten, doch die Fachpresse ist vom Gaildorfer Pilotprojekt begeistert.

In den USA ist die Fachwelt begeistert von dem, was sich derzeit im Rahmen der Energiewende in Gaildorf entwickelt. „Clean Technica“, das international führende Online-Magazin für erneuerbare Energien, das über den Naturstromspeicher und die vereinbarte Zusammenarbeit mit General Electric (GE) und der Max Bögl Wind AG berichtet, ist angetan von der  „weltweit ersten Windenergieanlage mit integriertem Pumpspeicher“, der ersten ihrer Art überhaupt.

Alexander Schechner, Projektentwickler und Geschäftsführer der Naturspeicher GmbH, hatte unlängst im Gemeinderat auf das positive internationale Echo hingewiesen. Und nicht ohne Stolz festgestellt, dass die Aufmerksamkeit, die dem Projekt seit geraumer Zeit widerfährt, Ansporn sei, um das im Bau befindliche Kraftwerk wie angekündigt zu einem weiteren „Aushängeschild“ für die Stadt Gaildorf zu machen. Schechner: „Ich darf Ihnen versichern, das Ergebnis wird ein herausragendes sein!“

Davon ist man auch und gerade in den USA überzeugt. Auch wenn dort in diesen Tagen befürchtet wird, mit Amtsantritt des designierten Präsidenten Donald Trump könnten die unter Barack Obama forcierten Bemühungen, verstärkt regenerative Energiequellen zu nutzen, einen herben Rückschlag erleiden. Trump hatte bekanntlich angekündigt, im Falle seiner Wahl die US-Umweltschutzbehörde EPA auflösen zu wollen. Er wird dies nach Lage der Dinge zwar nicht tun. Aber mit der Berufung des  Juristen Scott Pruitt zum neuen EPA-Direktor dürften eher die Öl- und Gasindustrie jubeln als die Pro­tagonisten des alternativen Szenarios. Pruitt nämlich zweifelt an dem Phänomen des Klimawandels (wir haben berichtet).

Und doch: „Trump oder nicht Trump: Der weitweite Zug der sauberen Energie hat den Bahnhof bereits verlassen“, schreibt „Clean Technica“ voller Pathos. Diese Metapher wird wenige Tage später von EPA-Direktorin Gina McCarthy – die am 20. Januar mit dem Ende der Ära Obama ihren Stuhl räumen muss – vor dem Nationalen Presse-Club der Vereinigten Staaten zitiert. Konkret: Der genannte Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Davon gehen auch die Verfechter der Energiewende in den USA aus, die sehr aufmerksam Tina Caseys „Clean Technica“-Reportage über die „Gaildorf Wind Farm“ mit ihren vier riesigen Windkrafttürmen studierten.

Ebenso die Fachpresse in Deutschland wie zum Beispiel die in Hannover erscheinende „Technology Review“, das „Magazin für Innovation“: In Süddeutschland, schreibt Autor Daniel Hautmann in seinem Beitrag „Die Wasserbatterie“, gingen „Windkraft und Pumpspeicher eine zukunfts­trächtige Symbiose ein“. Und die Online-Plattform „Ingenieur.de“ der VDI-Nachrichten, herausgegeben vom Verein Deutscher Ingenieure, zollt den Pionieren und der Stadt Respekt: „Die baden-württembergische Kleinstadt Gaildorf bei Stuttgart traut sich was!“

General Electric mit im Boot

Anne McEntee, Präsidentin des Bereichs „Onshore Wind“ von General Electric, meint: „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Bögl in diesem Pilotprojekt – eine Premiere für die Windindustrie. Wir wollen innovative Technologien im Bereich der erneuerbaren Energien erforschen, die das Potenzial haben, die Netzflexibilität in Europa und auf der
ganzen Welt zu verbessern.“

Sebastien Duchamp, Pressesprecher General Electric: „Das Projekt in Gaildorf ist ein entscheidender Schritt hin zu einem Ausgleich der Schwankungen zwischen Stromangebot und -nachfrage durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Das kombinierte Wind- und Wasserkraftwerk wird eine Regelleistung für eine schnelle Stabilisierung des Netzes zur Verfügung stellen und dabei die Stromkosten (. . .) niedrig halten.“