Gaildorf / Martin Bohn  Uhr
Auf Initiative der Dorfgemeinschaft Münster erwacht der alte Ziehbrunnen aus dem Dornröschenschlaf. Traditionelle Techniken kommen zum Einsatz. Ende April soll die Inbetriebnahme gefeiert werden.

Die Nebelschwaden verziehen sich langsam über den Limpurger Bergen und geben den Blick frei zu den riesigen Windrädern oberhalb des kleinen Gaildorfer Teilorts Münster. Im Schatten dieser Windräder wird derzeit ein Kleinod vor dem Vergessen bewahrt und wieder „zum Leben“ erweckt.

Steinerne Überreste des alten Brunnens

Jahrzehntelang hatte niemand den alten Steinhaufen am Straßenrand beachtet. Erst mit dem Wunsch nach einem Brunnen sind einige Bürger wieder darauf aufmerksam geworden: Es handelt sich hier um Überreste des alten Ziehbrunnens in Münster. Die Mitglieder der Dorfgemeinschaft haben es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, unter fachlicher Anleitung dieses Zeugnis der Geschichte der dörflichen Wasserversorgung zu restaurieren und der Nachwelt zu erhalten. Dazu konnten Karl Lindauer vom Stadtmuseum Welzheim und seine beiden Söhne gewonnen werden.

Die gemeinsame Wahlliste der „SPD/Aktive Bürger“ steht. Sieben Frauen und neun Männer sind nominiert.

Zunächst war von den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs oberhalb von Münster eine Douglasie gefällt und entrindet worden. Der schwere Stamm wurde anschließend von der Firma Bailänder zum Dorfgemeinschaftshaus transportiert, wo mit der Arbeit begonnen werden konnte. In einer gemeinsamen Aktion der Dorfgemeinschaft wurde mit altem Werkzeug und viel Muskelkraft der sogenannte Deichel in den fünf Meter langen Stamm gebohrt. Deichel sind Holzröhren, die vor Jahrhunderten zu Wasserleitungen zusammengefügt wurden, deren Herstellung viel handwerkliches Geschick erfordert.

Die schwere und kräftezehrende Arbeit lässt die beteiligten Helfer erahnen, mit welchem hohen Aufwand einst die Vorfahren der Münsteraner den Ziehbrunnen hergestellt und das kostbare Wasser aus dem Boden gefördert haben.

Pfarrerin Simone Haas tritt am 1. März in der Kirchengemeinde Münster am Kocher eine 50-Prozent-Stelle an. Der Alltag hat sie jetzt schon fest im Griff.

Vor Kurzem wurde nun in einem weiteren Schritt im unteren Bereich des Holzstamms die alte Technik zur Wasserschöpfung eingebaut und abgedichtet. Dieser Stamm ist nun bereit, in die Zisterne eingesetzt zu werden. In einem weiteren Schritt wird Steinmetzmeister Markus Wolf die Sandsteinkuppel über der Zisterne erneuern und somit dem alten Ziehbrunnen wieder zu neuem Glanz verhelfen.

Fest zur Einweihung

Wenn alle Arbeiten planmäßig verlaufen, soll der historische Brunnen Ende April fertig sein. Dann kann das Kleinod in Betrieb genommen werden. Dazu plant die Dorfgemeinschaft die Einweihung, um dieses bürgerschaftliche Engagement, das durch Mittel der Leader-Förderung unterstützt wird, gemeinsam zu feiern.

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