Sie ist marode und muss ersetzt werden. Doch wie ein Neubau der Kocherbrücke am Kirchenweg zwischen Münster und Unterrot beschaffen sein soll, darüber gab es unlängst eine teilweise heftige Debatte im Gaildorfer Gemeinderat. Dabei ging es vor allem um die künftige Dimension und Belastbarkeit des Bauwerks.

Bereits Ende März vergangenen Jahres hatte das Gremium einen Förderantrag beschlossen, um Mittel aus dem kommunalen Sanierungsfonds für Brücken zu bekommen. Aus dem Regierungspräsidium Stuttgart hatte die Stadtverwaltung inzwischen erfahren, dass das Vorhaben berücksichtigt werden könnte.

Die Planung überdenken

Geplant hatte das Ingenieurbüro MS-Ingenieure als Grundlage für den Antrag eine Konstruktion aus Beton auf Stahlträgern mit einer Traglast von 60 Tonnen und einer Fahrbahnbreite von 3,50 Metern. Die alte Brücke ist nur für ein Zehntel dieser Last ausgelegt – derzeit sogar noch weniger – und misst zwischen den Geländern 3,28 Meter. Der Neubau sollte auf beiden Seiten mit 75 Zentimeter breiten „Brückenkappen“ versehen sein und eine lichte Breite von 5 Metern aufweisen.

Die Planung, später als Vari­ante 2 bezeichnet, konzentrierte sich auf diese Vorgaben und würde etwas mehr als 750.000 Euro kosten. Dazu könnte die Stadt rund 300.000 Euro an Fördermitteln erwarten. Ein an der bestehenden Brücke orientierter Neubau mit einer Tragfähigkeit von 6 Tonnen und einer Fahrbahnbreite von 3 Metern (lichte Breite: 3,28 Meter), kurz Variante 1, würde mit rund 230.000 Euro zu Buche schlagen, wobei mit einem Zuschuss von etwa 90.000 Euro gerechnet werden dürfte.

Bevor es nun im Gemeinderat zur neuerlichen Debatte kam, hatten bereits einzelne Stadträte, der Unterroter Bezirksbeirat und auch Bürger dafür plädiert, Ausbaugröße und Bauweise zu überdenken. Dies würde sich, wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage beim Regierungspräsidium erfahren hat, nicht negativ auf eine Förderung auswirken.

Für zu groß befunden

Allerdings müsse im Falle einer Planänderung nachgewiesen werden, dass Ziel und Zweck des Förderprogramms „nach wie vor erreicht“ werden, heißt es dazu in einer Sitzungsvorlage zur Ratssitzung. Genannt werden Stichworte wie Mobilität (Leistungsfähigkeit), zunehmende Verkehrsbelastung und Tragfähigkeit.

Gaildorf

Bei der Auswertung der Liste aller Anregungen hat sich herausgestellt, dass Variante 2 für zu groß befunden wird und nicht umgesetzt werden soll. Auf der anderen Seite erscheint den Nutzern der Brücke eine Tragfähigkeit von 6 Tonnen zu gering. Landwirte, deren Fahrzeuge heute deutlich schwerer sind, könnten nichts damit anfangen, erläuterte Verbandsbaumeister Manfred Sonner den Stadträten.

Eine Verstärkung auf 12 Tonnen erscheint FWV-Fraktionschef Heinrich Reh für angemessen. Allerdings wolle man mit dem neuen Bauwerk keine Anreize schaffen: Der Kirchenweg dürfe nicht als Abkürzung für schwerere Fahrzeuge genutzt werden. Sein Vorschlag: wie bisher eine Brücke aus Holz, damit die Straßenführung nicht geändert werden müsse, mindestens auf 12 Tonnen ausgelegt und ohne Gehweg. Dem, so CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Rebel, könne er sich anschließen, wobei die Brücke dann für noch größere landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht nutzbar wäre. Werner Hofmann (CDU) indes kann der 12-Tonnen-­Lösung nichts abgewinnen. Das sei „absoluter Quatsch“. Die Brücke werde sicher auch von schwereren Fahrzeugen genutzt – und halte das dann nicht aus. Rainer Baumann (CDU) äußerte Verständnis für die Äußerungen seines Fraktionskollegen: „Ich denke dabei an die Landwirte.“

Gegen eine „sehr große Brücke“ sprach sich SPD-Fraktionschefin Margarete John aus. Der Charakter des Bauwerks solle auf Radler und Fußgänger zugeschnitten sein. Sicher bedeute dies dann ein gewisses Handicap für die Landwirtschaft. Aber zwei Kilometer Umweg seien durchaus zumutbar. Ähnlich argumentierte Ulrich Stahl (FWV). Würde eine große Brücke gebaut, „müssten wir die ganze Straße ausbauen, denn dann wird mehr Verkehr angezogen“. Er votierte für eine „überschaubare Lösung“.

Große Mehrheit für Kompromiss

Einen Kompromissvorschlag formulierte Heinrich Reh – und erhob diesen zum Antrag: eine Holzbrücke, auf 12 bis 15 Tonnen ausgelegt (sofern das die Widerlager verkraften), breit wie bisher, links und rechts mit 50 Zentimeter breiten Fahrbahnrändern, kein Gehweg. So wird nun auch geplant: Die überwältigende Mehrheit sprach sich dafür aus, zwei Räte (Baumann und Hofmann) dagegen, einer (Bürgermeister Zimmermann) enthielt sich der Stimme.

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