Fichtenberg / Richard Färber In Fichtenberg wird ein neues Bürgerbegehren vorbereitet. Vorab kommen bei einem Vorort-Termin und in der Gemeindehalle die Bürgerinnen und Bürger zu Wort.

Es windet und regnet, als sich am Donnerstagabend zahlreiche gut beschirmte Fichtenberger an der Auchthalde östlich des Friedhofs einfinden. Auch Jens Fuhrmann vom Kreisplanungsamt und Steffen Baumgartner von der Kommunalaufsicht sind gekommen. Der Bauhof hat Absperrbänder gespannt, um die Dimension des dort geplanten Baugebietes zu verdeutlichen. Bürgermeister Roland Miola beantwortet erste Fragen, drängt dann aber doch in die Gemeindehalle, wo sich an diesem Abend rund 150 Menschen einfinden, um drei Stunden lang zu diskutieren.

Seit 20 Jahren in der Diskussion

Dass die etwa vier Hektar große Fläche bebaut werden soll, finden viele Fichtenberger fatal. Sie fürchten die Entstehung einer Trabantensiedlung für Betuchte und ohne Bezug zum Dorf, Konflikte zwischen den künftigen Bewohnern und Trauernden auf dem nahen Friedhof und den Verlust wertvoller, natürlicher Lebensräume. Die Diskussion um die Auchthalde, die letzte große Baufläche der Gemeinde, läuft seit mehr als 20 Jahren und hat jetzt, wo die Erschließung näher rückt, neuen Auftrieb erhalten.

Es gibt Fundamentalkritik bei der Bürgerversammlung, aber keine Fundamentalopposition. Birgit Bayer, Initiatorin eines ersten, allerdings formal gescheiterten Bürgerbegehrens gegen die Auchthalde, erklärt, sie strebe weiterhin einen Bürgerentscheid an. Die Auflösung des Baugebietes aber, die unter Berücksichtigung aller notwendigen Formalien durchaus „begehrt“ werden könnte, steht nicht mehr zur Debatte. Das Baugebiet soll ruhen, wünscht sich Bayer, die sich mittlerweile von dem Verein „Mehr Demokratie“ beraten lässt, für mindestens fünf Jahre. Danach könne man dann erneut überlegen, ob es Bedarf gibt.

Etwa 70 000 Euro wurden zwischenzeitlich in die Auchthalde investiert, der südliche Mischgebietsrand wurde beim Bau der „kleinen Umgehungsstraße“ bereits erschlossen. Ansonsten wurden alle Aktivitäten eingestellt: „Es gibt derzeit keine Planung, die die Bebauung forciert“, sagt der Bürgermeister.

Die gibt’s aber auch sonst nicht mehr. Nachdem sich das Baugebiet Waldeck seit 2015 zügig gefüllt hat, wurde ein Verkaufsstopp verfügt. Wie mit der Auchthalde und den gemeindeeigenen Lücken im Ortskern und in den Baugebieten verfahren werden soll, ist deshalb eine der zentralen Fragen, über die bei der Bürgerversammlung diskutiert wird.

Erschreckende Geschwindigkeit

Es ist eine offene Debatte, in der auch sehr deutlich wird, was die Fichtenberger umtreibt und welche Entwicklungen sie beunruhigen. Der Architekt Volker Diederich etwa findet die Geschwindigkeit „erschreckend“, in der in den letzten drei Jahren die Bauplätze im Waldeck „rausgehauen“ wurden: „Ich dachte, das wird für eine Weile reichen.“

Dass sich der Markt dermaßen erhitzen würde, hatte allerdings auch niemand erwartet. Im Gegenteil: Als Waldeck erschlossen war und sich keine Interessenten meldeten, entschied der Gemeinderat, in  Werbung zu investieren. Und erst dann, und nachdem die Vorgaben des Bebauungsplanes, die vielen als zu starr erschienen, aufgelockert wurden, ging die Nachfrage durch die Decke.

Wie sie künftig kanalisiert und sozialverträglich und gerecht geregelt werden kann, sodass auch die vorhandene Bausubstanz im Dorf nicht verkümmert, wird an diesem Abend nicht entschieden. Aber es gibt Impulse und Ideen, und auch widerstrebende Interessen werden deutlich. Für den Vorschlag, Bauplätze nur an Familien mit Kindern zu verkaufen, gibt’s Beifall, es regt sich aber auch Widerspruch: Sollen ältere Fichtenberger, deren Kinder schon „aus dem Haus“ sind,  nicht neu bauen dürfen?

Zu einem gesunden Angebotsmix gehören auch Mietwohnungen. Die gibt es, viele stehen aber leer. Sie habe sich umgehört, berichtet Bayer: Die Besitzer hätten Angst, an „die Falschen“ zu vermieten. Den Mietwohnungskomplex, den die Firma Adaptivbau in die Tälestraße pflanzen möchte und der an diesem Abend auch vorgestellt wird, findet sie allerdings „schauderhaft“.

Grundlage für den Ausschuss

Heinrich Breuckmann hingegen gefällt’s. Der Neu-Fichtenberger (er lebt seit siebeneinhalb Jahren im Rupphof) kandidiert für den Gemeinderat und findet, dass solche Häuser auch ins Waldeck gehören, wenn denn dort einmal gebaut werden sollte.

Die Frage, welche Kriterien für den Verkauf von gemeindeeigenen Bauflächen in Fichtenberg künftig zur Anwendung kommen sollen, werde nun zunächst den Bauausschuss beschäftigen, erklärte Miola gestern auf Anfrage. Danach werde der Gemeinderat noch einmal darüber diskutieren und dann entscheiden.

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