Gschwend-Horlachen Das arme Dorfschulmeisterlein

Gschwend-Horlachen / SOPHIE HONEKER 08.05.2012
Ganz in seinem Metier war das Ehepaar Holzwarth am vergangenen Sonntag im Heimatmuseum, als es um die Geschichte der Schule in Horlachen ging.

Sigrid Holzwarth stimmte im Heimatmuseum in Horlachen die stattliche Zahl an Zuhörern mit dem altbekannten Spottlied "Das arme Dorfschulmeisterlein" auf das Thema des Nachmittags ein, bevor Erwin Holzwarth die Zuhörer auf eine Zeitreise bis zurück in den Dreißigjährigen Krieg mitnahm. Am Beispiel des Dorflehrers Johannes Lämmerer vom Lämmerhof entstand eine typische Biografie eines "Dorfschulmeisterleins". Oft ohne besondere Ausbildung - Lesen und Schreiben genügte - und mit sehr geringem Gehalt rangierte ein solcher Lehrer ganz unten in der Hierarchie im Dorf. Da er dem Pfarrer unterstellt war, wurde er häufig mit Gemeindediensten überschüttet, sodass neben dem Unterricht und diesen Verpflichtungen oft kaum noch Zeit blieb, den ursprünglichen Beruf auszuüben, um Geld zu verdienen.

Auch mit Einführung der Schulpflicht wuchs das Ansehen des Dorflehrers nicht. Eher machte er sich noch Feinde, wenn er bei den Bauern nach den Kindern fragte. Die waren nämlich Arbeitskräfte, oft früh bei reicheren Bauern im Dienst und nicht abkömmlich für "Nebensächlichkeiten" wie Unterricht.

Was für heutige Kinder wie ein Paradies klingen könnte, hatte ernst zu nehmende Folgen: Wer nicht lesen konnte, konnte auch keine Bibel und keinen Katechismus lesen, also auch nicht konfirmiert werden und in weiterer Folge keinen Beruf erlernen. Obwohl diese Zwänge längst nicht mehr bestehen, merkt man auch in der heutigen Bildungsdebatte, dass mit der Zeit im Ansehen der Lehrer und der Schulen ein deutlicher Wandel stattgefunden hat. Jeder Ort, der etwas auf sich hält, möchte seine Schule erhalten. In einem Punkt aber hat sich bis heute nichts geändert: Immer noch kostet Bildung Geld, das von Kommunen und Land aufgebracht werden muss.