Gaildorf Darf ich bitten, meine Dame?

Gaildorf / ALINE SPANTIG 26.04.2012
Eine Mode aus dem 19. Jahrhundert lebt in Gaildorf wieder neu auf. Beim Tanztee in der Limpurghalle werden zu Kaffee und selbst gebackenem Kuchen Standart- und lateinamerikanische Tänze getanzt.

Tanzmusik, die aus der Limpurghalle schallt, lässt erahnen, dass heute wieder zum Tanztee eingeladen wird. Um die zehn Paare haben ihre Straßenschuhe gegen Tanzschuhe getauscht und tanzen zu der Musik auf dem Parkett. Einige der Tänze sind jedoch ziemlich anstrengend, denn ganz einfach ist es nicht immer, den Körper zum Takt zu bewegen. Deshalb sieht man in der Pause schon bald die ersten Tänzer am Kuchen-Büfett, die sich selbst gebackene Kuchen zusammen mit einer Tasse Kaffee mit zum Tisch nehmen, wie bei einem richtigen Tanztee aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Eigentlich schon etwas veraltet, doch der Tanztee ist in Gaildorf ein willkommenes Angebot. Denn oftmals fehlte bis dahin den Paaren einfach die Möglichkeit zu tanzen. Auf Vereinsfesten gibt es, falls Musik gespielt wird, kaum Platz zum Tanzen. Die Ehepaare Dorn und Zahn hatten die Idee, in Gaildorf einen Tanztee anzubieten, auch mit einer großen Fläche zum Tanzen. Der TSV Gaildorf war sofort bereit, die Trägerschaft dafür zu übernehmen, und seitdem finanziert sich der Tanztee über freiwillige Spenden für Unkosten wie Saalmiete oder GEMA-Gebühren. Und das funktioniert, denn seit vier Jahren werden monatlich Standart- und lateinamerikanische Tänze im Kernersaal getanzt. Trotz ihres Könnens besuchen viele Paare weiterhin eine Tanzschule. Wie Rainer Stich und Ingrid Geiger.

Der Tanztee bietet ihnen die Möglichkeit, die gelernten Schritte zu trainieren. Wie eine kleine Hausaufgabe sozusagen. Zudem besuchen sie auch noch den Tanztee in Öhringen oder Abschlussbälle. Ein zeitaufwendiges und ziemlich anstrengendes Hobby also. Doch auch wenn man nach einigen Tänzen aus der Pusten gerät, der Spaß steht eindeutig im Vordergrund. Mit Show-Tanz wie beispielsweise "Lets Dance" können Rudi und Renate Reimer daher nicht so viel anfangen. Zwar schauen sie es sich hin und wieder im Fernsehen an, doch es werden teilweise Tanzfiguren gezeigt, die auf dem Parkett des Kernersaals kaum möglich wären.

Rudi und Renate Reimer tanzen schon immer gerne, und als die Kinder aus dem Haus waren, beschlossen die Gaildorfer, sich endlich bei einer Tanzschule anzumelden. Über die Rundschau erfuhren sie vom Tanztee und sind seitdem immer wieder gern dabei. Somit wurde das Tanzen für sie zum Hobby. Sie besuchen mit befreundeten Paaren, die sie in ihrem Tanzkurs kennengelernt haben, gerne auch noch andere Tanzveranstaltungen.

"Das einzigste Problem ist eigentlich, dass man wirklich nur als Paar tanzen kann", sagt Michael Dorn - und gerade als der Wiener Walzer anfängt, den er unbedingt noch tanzen wollte, ist seine Frau auf einmal weg. Pech gehabt.

Info Der Tanztee findet jeweils sonntags statt und zwar am 20. Mai, 24. Juni,16. September, 11. November und am 9. Dezember von 15 bis 18 Uhr im Kernersaal der Limpurghalle.