Ludwig ist schon weiter als Romney Crailsheimer Wirtschaftsförderer will Landrat werden

Bis zum Wahltag am 11. März will Dr. Jürgen Ludwig (41) etwa 130 Wahlkampftermine absolviert haben. Am Samstag war er zu Gast beim Neujahrsempfang der CSU in Schnelldorf und empfahl sich als Landrat. Foto: Andreas Harthan
Bis zum Wahltag am 11. März will Dr. Jürgen Ludwig (41) etwa 130 Wahlkampftermine absolviert haben. Am Samstag war er zu Gast beim Neujahrsempfang der CSU in Schnelldorf und empfahl sich als Landrat. Foto: Andreas Harthan
Schnelldorf/Crailsheim / ANDREAS HARTHAN 08.02.2012
Nein, Dr. Jürgen Ludwig, der Wirtschaftsförderer der Stadt Crailsheim, will nicht amerikanischer Präsident werden, sondern "nur" Landrat im größten Flächenlandkreis Bayerns, in Ansbach.

Er ist schon weiter als Mitt Romney, einer der Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Während der amerikanische Multimillionär sich erst noch in seiner Partei, den Republikanern, durchsetzen muss, hat das Jürgen Ludwig (41) schon geschafft: Er ist Landratskandidat der CSU.

Aber damit noch lange nicht Landrat im Landkreis Ansbach. War früher, als die CSU noch so etwas wie die Staatspartei im Freistaat war, die Nominierung durch die Partei gleichbedeutend mit der Wahl, ist das heute auch in Bayern nicht mehr so.

In München braucht die CSU die FDP zum Regieren, und in Ansbach machen sich auch andere Parteien Hoffnung - sogar die Grünen. Die schicken mit Claudia Stamm eine Landtagsabgeordnete ins Rennen, die Gewicht hat. Ihre Mutter Barbara ist ebenfalls im Landtag, und die kennt so gut wie jeder, ist sie doch Präsidentin des Landesparlamentes. Sie ist allerdings bei der CSU. Aber auch SPD, Freie Wähler und ÖDP haben Ansprüche angemeldet, wollen mit ihren Kandidaten den langjährigen Landrat Rudolf Schwemmbauer (CSU) beerben.

Der gebürtige Dinkelsbühler Jürgen Ludwig hat die größten Chancen aller fünf Kandidaten. Wird er darauf angesprochen, gibt er sich jedoch zurückhaltend. "Die Wählerinnen und Wähler entscheiden am 11. März", mehr ist ihm nicht zu entlocken. Eine klarere Aussage in eigener Sache könnte als arrogant empfunden werden, und so will er nicht wahrgenommen werden.

Kritiker in der eigenen Partei werfen ihm fehlende Ausstrahlungskraft vor. Dass er keiner ist, der die Massen von den Sitzen reißt, weiß der Mann, der seit 2008 Wirtschaftsförderer in Crailsheim ist. Aber er ist ein routinierter Redner, das bewies auch sein Auftritt beim Neujahrsempfang der Schnelldorfer CSU.

Kompetenz und Seriosität - das will der 41-Jährige ausstrahlen. "Ich weiß, wie das Geschäft läuft", betont er und verweist auf seine große Berufserfahrung, die er unter anderem in der baden-württembergischen Landeshauptstadt als Bundesgeschäftsführer der elf deutschen Metropolregionen gesammelt hat. Seine Botschaft ist aber auch: Ich habe meine Heimat nicht vergessen, ich bin noch immer einer von euch. Ludwig wohnt in seiner Geburtsstadt, er ist Vorsitzender des Historischen Vereins Alt-Dinkelsbühl und des CSU-Ortsverbandes.

In Schnelldorf verweist er immer wieder auf seine Wirtschaftskompetenz. Sachlich listet er Fakten auf. Den Zuhörern gefällts. Der Ludwig war in der weiten Welt, aber er ist einer von ihnen geblieben. Den kann man wählen, sagt einer. Dass er bei der CSU ist, ist in Bayern (noch) kein Nachteil.