Aus einer spontanen Idee wurde ein Riesenerfolg. Anja Bohn hat sich überlegt, wie sie die Destille ihres Mannes Rainer in Zeiten der Corona-Pandemie für einen guten Zweck nutzen kann. Denn Alkohol für Reinigungszwecke ist knapp geworden und mit der hauseigenen Technik lässt sich durchaus ein für Desinfektionsjobs taugliches Stöffchen herstellen.

Den Grundstoff dazu lieferten in den vergangenen Tagen und Wochen unzählige Menschen aus der Region und auch darüber hi­naus. Sogar aus Ulm hat jemand nicht mehr erwünschten Alkohol gebracht, weiß Seniorchef Erwin Bohn zu berichten. Weil Schwiegertochter und Sohn verhindert sind, werkelt er am Samstag an der Destille und sorgt mit Brennholz für eine gut dosierte Wärmezufuhr.
Konstant sprudelt aus der Anlage ein glasklarer Strahl einer aromatisch duftenden Flüssigkeit. Das ist Reinigungs- oder Feinbrand, erklärt Erwin Bohn. Durch das erneute Brennen ist aus Likören mit einem Alkoholgehalt zwischen 20 und 25 Prozent ein Produkt mit jetzt 90 Prozent Alkohol entstanden. Die Bohns haben an diesem Wochenende bereits zum dritten Mal für einen guten Zweck gebrannt. Denn das gewonnene Material wird nicht verkauft, sondern gespendet. Profitieren werden davon Senioreneinrichtungen, Schulen, Kindergärten – eben alle Bereiche, in denen man hochprozentigen Alkohol in Zeiten der Corona-Pandemie beispielsweise für die Flächendesinfektion gebrauchen kann.
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Stuttgart

Raritäten im Angebot

Es ist erstaunlich, was auf dem Hof der Bohns bisher angeliefert wurde. So gab’s für Erwin Bohn ein Wiedersehen mit einem Sahne-Whisky-Likör, den er vermutlich in den 1980er-Jahren produziert hat. Die Flasche ist noch verschlossen. Das gilt auch für mehrere Riesenpullen mit Wodka und Gin. Die jeweils eine halbe Gallone fassenden Gebilde waren einmal für den Export bestimmt. Die je Flasche knapp 2,3 Liter umfassende Spirituose wollte wohl niemand trinken. Erwin Bohn geht davon aus, dass der Inhalt der Gebinde durchaus noch in Ordnung ist. Anders sei das hingegen bei Likören. Die seien im Vergleich zu den Klaren nicht so lange haltbar. Viele seien gewiss nicht schlecht, aber geschmacklich nicht mehr ansprechend. Sehr kurios und vermutlich äußerst selten ist ein Dreigespann von Flaschen mit einem für die Lufthansa kreierten Cocktail. Dieses Getränk dürfte sicher einmal exklusiv in der ersten Klasse der Kranich-Airline serviert worden sein – „eisgekühlt“, wird auf dem Etikett empfohlen.

Es wird weiter gebrannt

Die Bohns freuen sich über die Resonanz auf ihre Aktion. „Mit dem Erfolg haben wir nicht gerechnet“, sagt Erwin Bohn und versichert, man werde weiter brennen, „solange der Nachschub läuft“. Das heißt, in Kürze wird ein weiteres Mal die Brennblase mit 120 bis 130 Liter Rohware gefüllt und das Feuer geschürt. Dann laufen schon bald wieder zwischen 30 und 40 Liter Endprodukt aus dem Edelstahlrohr in einen Eimer. Nach und nach füllt Erwin Bohn den Alkohol dann in größere Behältnisse um. Das macht er mit großer Routine. Schon als Bub hat er seinem Vater bei der Tätigkeit geholfen und viel gelernt. „Mein Vater hat das Brennrecht damals in Plüderhausen für 5000 Mark gekauft“, erinnert sich Erwin Bohn und weiß, dass das damals viel Geld war. Für 5000 Mark hat man damals auch ein Auto kaufen können.

Sensibles Thema Alkoholsteuer


Für die Benefiz-Aktion der Bohns in Eichenkirnberg wird bereits versteuerter Alkohol weiterverarbeitet. Das heißt, es fällt keine weitere Steuer an. Natürlich sei alles beim Zoll angemeldet, versichert Erwin Bohn. Wer bei der Familie Alkohol anliefert, sollte aber seine Adresse angeben. Dafür liegen Formulare bereit.

Weitere Informationen über das Projekt gibt es unter www.bohn-
brennerei.de oder telefonisch unter 0 79 72 / 9 11 01 11.