Der Shutdown infolge der Corona-Pandemie stürzt viele Vereine in finanzielle Sorgen und bringt – vor Kurzem noch nicht vorstellbare – Herausforderungen mit sich.

Herr Hirth, seit Januar sind Sie Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Gaildorf. Im Februar gab es zum Pferdemarkt einige Turbulenzen wegen des Orkantiefs „Sabine“. Im März folgten die Beschränkungen des Shutdown. Im April mussten die Abläufe im Verein neu organisiert werden. Ihre ersten 100 Tage im Amt hatten Sie sich wohl kaum so vorgestellt.

Thomas Hirth: Auf keinen Fall (lacht). Keinesfalls. Ich hatte mir erhofft, dass es mit dem Verein aufwärtsgeht, sich die Mitglieder im Verein wieder mehr engagieren. Wir wollten nach vielen Jahren, die unter der Überschrift „Sparen“ standen, in die technische Ausstattung investieren.

Was ist unter „technische Ausstattung“ zu verstehen?

Wir planen einen sogenannten Offenstall. Hier können die Pferde nach Belieben zwischen Stall und Weide unter freiem Himmel wählen – ein neuer Platz für die Vereinspferde. So wären Boxen für weitere private Einsteller frei geworden. Die Vermietung dieser Boxen sollte uns finanzielle Möglichkeiten für weitere Investitionen eröffnen.

Da geht jetzt nichts?

Alle geplanten Investitionen in diese Richtung, wie zum Beispiel in ein dringend benötigtes Schulpferd, liegen auf Eis.

Wie hat der Shutdown den Reit- und Fahrverein getroffen?

Wir mussten von jetzt auf gleich alles beenden. Der Verein bot Reitkurse an. Derzeit gibt es keine. Auch die von Privatpersonen angebotenen Reitkurse sind gestrichen. Dann fallen die Trail-Kurse weg. In diesem Bereich haben wir einen guten Ruf. Hier geben Privatlehrer Unterricht in einer Form des Westernreitens. Dazu mieten sie die Halle an. Das gibt es derzeit auch nicht. So haben wir keine Einnahmen mehr aus diesem Bereich.

Gibt es Hilfe vom Verband?

Von den Verbänden soll ein Zuschuss kommen. Aber da ist bislang bei uns noch nichts angekommen.

Durch den Ausfall der Reitstunden entstehen dem Verein aber keine Kosten für die Reitlehrer?

Nein. Nur wenn Reitstunden gegeben werden, fließt Geld.

So hat der Verein zwar keine Einnahmen, es entstehen aber auch keine Ausgaben für den Verein ...

... das ist nur teilweise richtig. Die Unterhaltung der Reithalle kostet – auch wenn sie geschlossen ist – Geld. Die Vereinspferde brauchen ihr Futter. Strom und Wasser kommen dazu. Und so geht das weiter.

Die letzte Veranstaltung des Vereins war die Bewirtschaftung beim Pferdemarkt auf der Kocherwiese und in der Reithalle. Es waren doch weitere Veranstaltungen geplant?

Wir hatten noch eine Reihe von Veranstaltungen geplant. Einen Tag der offenen Tür, das Western-D-Turnier, ein Helferfest und einiges mehr. Alles ist abgesagt.

Doch jetzt soll es eine Lockerung der Einschränkungen geben. Was bringt dies für den Reit- und Fahrverein Gaildorf?

Nichts!

Nichts?

Die Lockerungen bringen uns nichts. Das hat verschiedene Gründe. Wir haben eine rundhe­rum geschlossene Halle. Die bleibt weiterhin für den Betrieb geschlossen. Wir haben auch einen Außenreitplatz, den müssten wir aber erst aufrüsten.

Das wäre doch eine Lösung für die Reitkurse?

In den Kursen werden mehrere Kinder in Gruppen zusammengefasst. Durch die Abstandsregelung wird so nur Einzelunterricht ermöglicht. Das ist für die Reitschüler dann finanziell nicht mehr darstellbar. Das würde für die Kinder zu teuer. Ein weiterer Punkt ist das Wetter. Um vor Regen oder Hitze geschützt zu sein, hat man doch die Halle.

Hätte der Verein denn die Vorgaben aus der Hygieneverordnung erfüllen können?

In diesem Bereich sind wir schon seit einigen Monaten sehr gut aufgestellt ...

... was in dieser Situation jetzt aber nur wenig hilft ...

... leider: Unsere Reithalle ist weiterhin gesperrt. Wir können keine Kurse anbieten. So tut sich derzeit bei uns nichts – außer den Kosten, die laufen weiter ...

Auf der anderen Seite entfallen außer den Mitgliedsbeiträgen alle Einnahmen. Wie lange kann der Verein dies finanziell durchhalten?

Wir haben eine eiserne Reserve für Notfälle – derzeit noch. Wenn jetzt nichts außer der Reihe dazwischenkommt, könnte der Reit- und Fahrverein Gaildorf diese Situation etwa ein Jahr durchstehen. Aber wie gesagt, da darf dann nichts Unerwartetes passieren.

Noch mal zurück zum Anfang unseres Gesprächs: Versetzen wir uns nochmals zurück in den Januar, in die Zeit kurz vor der Hauptversammlung des Vereins, in der Sie zum Vorsitzenden gewählt wurden. Hand aufs Herz: Mit dem Wissen von heute, würden Sie nochmals antreten?

Ja. Ganz bestimmt. Wenn es in einem Verein gut läuft, dann kann es jeder (lacht).

Sie sehen das Amt in dieser Zeit als eine besondere Herausforderung?

Es ist eine Herausforderung. Wir – dazu gehören mein Vorstandsteam sowie alle Helfer und Mitglieder – können zeigen, dass wir auch sehr schwierige Lagen meistern können.

Steckbrief Thomas Hirth


Jahrgang: 1962
Geburtsort: Gaildorf
Wohnort: Gaildorf
Familienstand: verheiratet
Beruf: Schreiner
Hobbys: Pferde, Eisenbahn