In Deutschland bangt eine ganze Branche um ihre Existenz. Reisebüros sind Vermittler und leben von der Provision, die ihnen Fluglinien oder die Anbieter von Pauschaltouren für den Verkauf ihrer Produkte zahlen. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie bleiben die Jets am Boden und die Hotels sind geschlossen. Das ist vernichtend für die Dienstleister. Alexandra Scheurmann vom Gaildorfer „Reiseparadies“ fordert eine finanzielle Soforthilfe aus der Staatskasse: „Uns rettet es das Leben, wenn wir von der Regierung Geld bekommen.“ Ansonsten befürchtet sie, dass viele ihrer Kolleginnen und Kollegen in die Insolvenz schlittern.

Die Bilanz der Gaildorferin fällt in diesen Tagen nüchtern aus. Das vergangene halbe Jahr habe sie quasi umsonst gearbeitet. Die bereits für Buchungen ausgezahlten Provisionen seien zurückgenommen worden. Die Folgen sind gravierend. Keine Einkünfte bedeuten, dass keine Löhne gezahlt werden können. Alexandra Scheurmann sagt, sie habe bereits einer Mitarbeiterin kündigen müssen. Ein weiterer Beschäftigter sei in Kurzarbeit. Ihr Reisebüro schmeißt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern derzeit alleine. Sie hofft nun auf eine schnelle Reaktion der Politik.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten kennt die Sorgen und Nöte der Gaildorferin. Alexandra Scheurmann hat bereits Kontakt zu ihm aufgenommen. Christian von Stetten wollte sich auch zur Situation der Reisebüros äußern und kündigte eine Stellungnahme an. FDP-Landtagsabgeordneter Stephen Brauer äußerte sich.
Reisebüros und Coronakrise in Ulm Urlauben in Meck-Pomm statt auf Malle

Ulm

Er hat Alexandra Scheurmann vergangenen Montag in ihrem Reisebüro am Gaildorfer Marktplatz besucht. Brauer sagt: „Die Reisebüros sind in besonderer Weise von Corona und den damit verbundenen Reisewarnungen betroffen. Die bereits ausgebrachten Soforthilfen waren notwendig, aber lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein, denn Reisebüros machen nicht nur null Umsatz, sondern müssen auch noch aufgrund der Stornierungen bereits vereinnahmte Provisionen zurückerstatten. Jetzt wären branchenspezifische Hilfen dringend notwendig gewesen. Leider hat Ministerpräsident Kretschmann diesen eine Absage erteilt und agiert lieber weiter mit der Gießkanne. Bei Frau Scheurmann kommt es auf jeden Tag an. Das Wichtigste ist für sie eine Perspektive für den Neustart der Reisebranche und kurzfristig eine finanzielle Hilfe.“

Soli für die Branche

Alexandra Scheurmann begrüßt einen Vorschlag aus den Reihen ihrer Branche: Wer künftig eine Reise bucht, soll fünf Euro für einen Fonds beisteuern, der in Situationen wie der Corona-Pandemie einspringt. So könnte eine Serie von Insolvenzen vermieden werden. Bei ihren Kunden, so Alexandra Scheurmann, würde dieser Solidaritätsbeitrag auf eine hohe Akzeptanz stoßen.