Als Reaktion auf die Corona-Pandemie hat Gaildorfs Bürgermeister Frank Zimmermann vor mehr als drei Wochen einen Krisenstab eingerichtet. Neben dem 37-Jährigen gehören ihm die Erste Beigeordnete Tanja Ritter, Ordnungsamtsleiterin Nadine Fischer, die pädagogische Leiterin Johanna Magg, Verwaltungsmitarbeiterin Larissa Lugner und Stadtbrandmeister Florian Schürl an. Im Interview spricht Zimmermann darüber, wie die Bürger mit der Situation umgehen, wie die Verwaltung handlungsfähig bleibt und wie es nach der Krise weitergeht.

Herr Zimmermann, wie lang ist ein Arbeitstag derzeit für Sie?

Frank Zimmermann: Mein Arbeitstag gestaltet sich in der aktuellen Situation komplett anders als gewohnt. Normalerweise ist mein Terminkalender die komplette Woche hinweg von morgens bis spät abends belegt – selbst am Wochenende. Aktuell ist er leer. Das Gebot der Stunde heißt: Abstand halten. Das gilt auch für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und mich. Das ist richtig so und wichtig. Es gilt nun für uns alle, die weitere Ausbreitung der Covid-19-Pandemie auch in Gaildorf bestmöglich einzudämmen und zu verlangsamen.

Und wie sehen Ihre Arbeitstage dann momentan aus?

Derzeit stürzt auch auf mich jeden Tag auf digitalem Weg eine unglaubliche Informationsflut herein. Ich arbeite viel von zu Hause aus im digitalen Homeoffice, bin aber auch regelmäßig im Rathaus ansprechbar. Aktuell stehe ich mit sehr vielen Menschen im täglichen telefonischen Kontakt. Mir als Bürgermeister ist es wichtig, für die Mitglieder des Gemeinderats und alle meine Bürger auch in dieser schwierigen Zeit da zu sein.

Coronavirus in Schwäbisch Hall Die Maßnahmen greifen

Schwäbisch Hall

Derzeit gelten Anordnungen mit dem Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Dazu sollen soziale Kontakte auf ein Mindestmaß reduziert werden. Wie reagieren die Gaildorfer Bürger auf diese Situation?

Mein Eindruck ist, dass sie insgesamt Ruhe bewahren. Allgemein ist es in unserem Städtle aktuell sehr ruhig. Man sieht nur sehr wenige Menschen in der Stadt, in den Straßen und auf den Plätzen. Und das ist auch gut so. Die Menschen in unserer Stadt bleiben so gut es geht zu Hause. Und dafür möchte ich ihnen von Herzen danken. Sie machen das Bestmögliche aus der schwierigen Situation und erhalten mit Umsicht das tägliche Leben aufrecht. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Es verlangt von uns allen viel ab. Aber es ist heute umso ­wichtiger, die Gebote strengste Hygiene und räumlicher Abstand zwischen den Menschen zu befolgen.

Viele Menschen sind dieser Tage im übertragenen Sinn in vorderster Linie für uns im Einsatz …

… stimmt. Ich weiß, dass viele Menschen in diesen schwierigen Tagen ihren Teil dazu beitragen müssen, dass der Laden weiterläuft. Danken möchte ich besonders denen, die auch bei uns in Gaildorf weiterhin eine hervorragende ärztliche Versorgung gewährleisten. Denen, die uns mit Medikamenten und Sanitätsmaterial versorgen. Außerdem den Mitarbeitern in der ambulanten wie auch in der stationären Pflege, in unseren Blaulichtorganisationen, in den Lebensmittelläden, und denen, die die Logistik für das alles sicherstellen. Und natürlich allen, die an ihrem Arbeitsplatz Tag für Tag dafür arbeiten, dass es für uns alle weitergeht – auch bei uns in unseren Betrieben in Gaildorf.

Beobachten Sie besondere Hilfsaktionen in der Stadt?

Ja, zum Beispiel leisten viele Bürger in ihrer Straße, in ihrem Bekanntenkreis und in der gesamten Stadt wertvolle Nachbarschaftshilfe. Sie unterstützen und behüten Menschen, die krank oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Auch ihnen möchte ich danken.

Werfen wir noch einmal einen Blick zurück: Wie haben Sie denn die vergangenen drei Wochen aus beruflicher Sicht erlebt?

Das war auch für mich als Bürgermeister eine sehr einschneidende Zeit. Begonnen hat es damit, dass der Krisenstab der Stadtverwaltung unter meiner Führung am 13. März entschieden hat, dass alle Gaildorfer Schulen und Kindertageseinrichtungen bereits einen Tag früher als von unserer Landesregierung verordnet geschlossen bleiben …

… war das im Nachhinein die richtige Entscheidung?

Ja, diese Entscheidung war richtig und gut für die Gesundheit der Bevölkerung unseres Limpurger Landes. Die genießt für mich als Bürgermeister und als Vorsitzender des Gemeindeverwaltungsverbands oberste Priorität.

Welche weiteren Maßnahmen hat der Krisenstab getroffen?

Der Krisenstab hat sich sehr schnell digital zusammengesetzt und Themen besprochen. Wir haben die Empfehlungen und Anordnungen übergeordneter Behörden sofort bei uns umgesetzt. Informationen haben wir über die Homepage veröffentlicht. Ansonsten haben wir vor allem interne Abläufe in der Stadtverwaltung angepasst und Mitarbeiter räumlich getrennt. Auch die Mitarbeiter im Wasserwerk und der Kläranlage haben wir in räumlich getrennte Teams aufgeteilt, um Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sicherzustellen.

Die Lage scheint auch für die umliegenden Stadtverwaltungen nicht einfach, schließlich müssen Geschäfte weiterlaufen. Halten Sie in Gaildorf in der nahen Zukunft noch Gemeinderatssitzungen ab?

Wie gesagt: Die Gesundheit unserer Bevölkerung genießt oberste Priorität. Bis auf Weiteres können in der gewohnten Form deshalb keine Gemeinderatssitzungen stattfinden. Auch Sitzungen der beschließenden und beratenden Ausschüsse finden nicht statt.

Bleibt die Verwaltung weiter handlungsfähig, wenn keine Gemeinderatssitzungen stattfinden?

Wichtige und unaufschiebbare Entscheidungen kann ich als Bürgermeister per Eilentscheidung treffen. Mir ist aber auch in dieser schwierigen Extremsituation sehr viel an einem hohen Maß an Demokratie und Transparenz gelegen. Deshalb habe ich zu den Fraktionsvorsitzenden engen telefonischen Kontakt. Wichtige Themen und Entscheidungen, wie aktuell die Verschiebung der Freibaderöffnung, kommunizieren wir gegenüber den Mandatsträgern per E-Mail-Verteiler.

Die Gemeinderatssitzung am 25. März wurde abgesagt. Wie geht es mit den vorgesehenen Tagesordnungspunkten weiter?

Die Themen, die vonseiten der Stadtverwaltung vorgesehen waren, habe ich digital und telefonisch mit den Fraktionsvorsitzenden geklärt.

Welche Themen waren das?

Im Wesentlichen ging es um die Vergabe von Gewerken für Baumaßnahmen. Zum einen für die Sanierung und Erweiterung der zentralen Feuerwache in der Bahnhofstraße. Zum anderen für den Anbau an den städtischen Kindergarten Ottendorf und die Sanierung. Die Ergebnisse der Ausschreibungen lagen im Rahmen der Kostenberechnung.

Gibt es im Moment dringend anstehende Entscheidungen, die der Gemeinderat treffen muss und müssen deshalb Projekte ruhen?

Aktuell noch nicht. Unser Gemeinderat hat mit den Haushaltsberatungen und -beschlüssen für das Jahr 2020 und die mittelfristige Investitionsplanung für die folgenden Jahre bereits wichtige und weitreichende Beschlüsse für unsere Stadt getroffen. Die sind nun Richtschnur für das Handeln der Stadtverwaltung. Insofern haben wir Handlungssicherheit, was die Umsetzung investiver Maßnahmen anbelangt.

Unterstützt die Stadt Gewerbetreibende, die wegen der Corona-Krise vor finanziellen Problemen stehen?

Für mich als Bürgermeister wird das Thema Wirtschaftsförderung auch weiterhin ganz oben auf der Agenda stehen. Zunächst müssen wir abwarten, welche Folgen die Covid-19-Pandemie für Gewerbetreibende in unserer Stadt haben wird. Dann können wir individuelle Entscheidungen treffen, wie wir helfen. Die Stadt Gaildorf ist eine gewerbefreundliche Stadt. Wir wissen: Arbeits- und Ausbildungsplätze hier bei uns sind essenziell für unsere Stadt, Bürger und Familien.

Auch wenn diese Zeit momentan noch nicht absehbar ist: Haben Sie bereits Pläne für die Stadt Gaildorf nach der Corona-Krise?

Mit den Haushaltsbeschlüssen hat unser Gemeinderat einen weiteren Grundstein dafür gelegt, dass sich unsere Stadt weiter positiv entwickeln wird. Wenn es zu einer Rezession kommen sollte, die auch unsere Gaildorfer Handwerkerschaft, Einzelhändler und Betriebe treffen könnte, wird eine antizyklische und auf investive Maßnahmen in unsere städtische Infrastruktur ausgerichtete Politik auch vonseiten der Stadt Gaildorf helfen, die Krise zu überwinden und Arbeitsplätze hier bei uns in Gaildorf und im Limpurger Land zu sichern.

Herr Zimmermann, zum Abschluss: Wie gehen Sie privat als Familienvater mit der aktuellen Situation um?

Meiner Familie und mir geht es gesundheitlich gut. Aber auch meine Kinder spüren, dass derzeit etwas nicht stimmt. Viele Dinge gewinnen wieder viel mehr an Wert – sei es ein Eichhörnchen im Garten oder die Vögel beim Körnerpicken. Das ist schön zu beobachten. Ich als Vater freue mich darauf, meinen Kindern bald wieder unsere schöne Stadt und unser Limpurger Land unter normalen Umständen zu zeigen.

Gemeindemitarbeiter sind räumlich getrennt


Das Gaildorfer Rathaus ist seit dem 16. März wegen der Corona-Pandemie für Besucher geschlossen. Die Mitarbeiter vermeiden persönlichen Kontakt, arbeiten in separaten Büros oder von zu Hause. Sie sind weiterhin per Mail oder Telefon erreichbar. Geschlossen sind auch die Stadtbücherei, die Tourist-Info und das Schülerhaus. Die Mitarbeiter des städtischen Wasserwerks, der Kläranlage und des Bauhofs arbeiten in Teams, die untereinander keinen Kontakt haben. Zimmermann dankt allen Mitarbeitern der Stadt: „Sie tragen mit größtmöglichem Einsatz, viel Umsicht und Fingerspitzengefühl dazu bei, dass wir gemeinsam diese Krise überwinden.“