Es sind ungewöhnliche Zeiten und daher auch ungewöhnliche Orte, an denen die Gemeinderäte landauf, landab derzeit tagen müssen. Die gewohnten Räume sind meist zu klein, um den geforderten Mindestabstand einzuhalten. Also weicht man in Turn- und Festhallen aus, so auch in Fichtenberg, wo in der Gemeindehalle dank einer bestens funktionierenden Audio-Technik auch in den hinteren Zuschauerreihen jedes gesprochene Wort ankommt.

Das neuartige Coronavirus hat vieles verändert. Fichtenbergs Bürgermeister Roland Miola widmet sich im ersten Teil der Ratssitzung am Freitagabend direkt diesem Thema. „Alle hier in der Gemeinde haben mit angepackt, sich eingesetzt bei der Notbetreuung und in vielen vielen anderen Bereichen. Daher konnten wir die Pandemie bislang gut managen“, findet er lobende Worte. Die Menschen hätten sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, will er beobachtet haben, daher gebe es nur wenige Verstöße gegen die Auflagen und Verbote zur Eindämmung der Pandemie. Mit insgesamt 14 nachweislich Infizierten und auch Todesfällen im Zusammenhang mit Covid-19 sei Fichtenberg von dem Erreger direkt betroffen, gibt der Rathauschef nachdenklich zu Protokoll.
Nebenbahn Gaildorf-Untergröningen Reaktivierung: eine Option für die Zukunft

Gaildorf

Nun beginnt eine Phase weiterer Lockerungen und Öffnungen, die auch in der Rottalgemeinde auf vielen Ebenen spürbar sind. „Einige Vereine haben bereits Anträge gestellt, das Vereinsleben wieder hochfahren zu können“, berichtet Miola. Und auch in der Kinderbetreuung werde man nun „mit halber Kapazität und ganzer Kraft“ die nächsten Schritte angehen – eine Anspielung auf die Maßgabe, dass die Einrichtungen nur zu 50 Prozent ausgelastet werden dürfen.
An diesem Punkt kritisiert Miola die Kommunikation der zuständigen Ministerien, in denen die Pressearbeit mitunter schneller vonstatten gehe als das Übersenden der entsprechenden Rechtsverordnungen an die Gemeinden. Das habe zur Folge, dass viele Bürger mit Fragen aufs Rathaus zugingen, die dort noch gar nicht beantwortet werden können. Auch auf die Entschädigungsleistungen für nicht erhobene Kindergartenbeiträge warte man noch immer. Davon unbenommen sollen auch im Juni keine Gebühren anfallen, soweit die Betreuung nicht genutzt wird.
„Was uns natürlich leid tut“, so der Schultes weiter, „ist die Tatsache, dass viele Veranstaltungen in der Gemeinde ausgefallen sind“. Dies wird sich auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, wie in der Ratssitzung deutlich wurde (siehe Inforubrik).
„Wir rechnen derzeit alle Kosten zusammen, die die Pandemie bei uns verursacht“, erklärt Miola. Illusionen, dass die Krise bald überstanden ist, macht er sich keine. „Das alles wird uns garantiert noch länger beschäftigen. Ich drücke uns allen die Daumen, dass wir die Pandemie schnell in den Griff bekommen. Aber letztlich wird nur eine Impfung helfen.“

Weitere Veranstaltungen fallen aus oder wackeln


Der Gemeinderat hat sich am Freitag mit Veranstaltungen in Fichtenberg befasst, die in den kommenden Monaten anstehen – vor dem Hintergrund, dass eine verlässliche Planung wegen der Corona-Krise derzeit kaum möglich scheint. Ergebnis: Der für den 13. Dezember geplante Weihnachtsmarkt soll planerisch angegangen werden, wobei die Möglichkeit einer kurzfristigen Absage in Betracht gezogen wird. Das Musical „Die kleine Mundharmonika“ und das Kabarett auf dem Marktplatz werden hingegen ins kommende Jahr verschoben. Intensiv diskutiert wurde das Fichtenberger Ferienprogramm. Bürgermeister Miola stellte klar, dass das Risiko und die Verantwortung für den Einzelnen aus seiner Sicht zu groß seien, um ein solches Programm über die Gemeindestiftung anbieten zu können. Letztlich verständigte man sich darauf, dass das Ferienprogramm in diesem Jahr eine direkte Aufgabe des Gemeinderats wird. Man sammle als Nächstes Anregungen, was im Sommer umgesetzt werden könne. johö