Norditalien ist von der Corona-Krise besonders stark betroffen. Aufgrund des schon seit Wochen anhaltenden Lockdowns gibt es viele Bedürftige, die dringend finanzielle Unterstützung benötigen, um sich Lebensmittel und andere Grundbedarfsgüter kaufen zu können. Die soziale Absicherung der Bevölkerung ist nicht so ausgeprägt wie in Deutschland. Die Stadt Castel Bolognese hat daher für ihre bedürftigen Bürger ein Spendenkonto eingerichtet. Fast 13.000 Euro sind dort schon zusammengekommen.

Durch die Corona-Krise kann der Abtsgmünder Partnerschaftsverein nicht zum Fest „Pentecoste“ über Pfingsten nach Italien fahren. In mehreren Telefonaten und Gesprächen haben beide Seiten erörtert, wie man sich unterstützen kann.

Der Partnerschaftsverein und die Gemeinde Abtsgmünd haben sich nun dazu entschieden, nicht nur die eingesparten Reisekosten, sondern zusätzlich noch einen Obolus an die Stadt Castel Bolognese zu spenden. Der Partnerschaftsverein steuert einen Betrag von 1000 Euro bei, die Gemeinde fügt 4000 Euro hinzu. Die Spende von insgesamt 500 Euro wollen der italienische Partnerschaftsverein und die Stadt Castel Bolognese an Bedürftige in der Kommune verteilen. Darüber hinaus hat Gertrud Ocker vom Abtsgmünder Verein 50 Mundschutzmasken genäht.

Die Corona-Situation in der Partnerstadt hat sich etwas gebessert: Aktuell sind 22 Infizierte, zwei Tote, 16 Genesene, drei ins Krankenhaus eingelieferte Personen und eine Person in Isolation zu verzeichnen. Zudem befinden sich weitere Personen in häuslicher Quarantäne. Bürgermeister Luca Della Godenza hält seine Bürger täglich über seine Facebook-Seite über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden. Erfreulicherweise konnte er zuletzt eine Woche lang keine Neuinfektionen melden.

Die dramatischen wirtschaftlichen Auswirkungen kommen aber erst jetzt zum Vorschein. Seit Montag befindet sich Italien nun in „Phase 2“, welche erste Lockerungen der Ausgangssperre beinhaltet. Unter anderem wurden Parks und Friedhöfe geöffnet, Einzelsport ist wieder erlaubt und Verwandte dürfen besucht werden. Dennoch müssen die italienischen Bürger Masken tragen, wenn sie ihre Häuser verlassen.

Keine Feier zum Gedenktag

Vor wenigen Tagen, am 25. April, feierte Castel Bolognese den Tag der Befreiung, an dem die Partisanen vor 75 Jahren Italien von der deutschen Besatzung und somit auch vom Faschismus befreien konnten. Normalerweise kommen an diesem Tag viele Menschen zusammen, um an diese schwere Zeit zu gedenken. Stattdessen blieben die Straßen leer und die Italiener mussten diesen geschichtsträchtigen Tag zu Hause verbringen. Die Innenstadt wurde, im Gegensatz zu Abtsgmünd, im 2. Weltkrieg größtenteils zerstört, da die Front über einen längeren Zeitraum in unmittelbarer Nähe verlief.