Echte Helden haben sich am Donnerstag in der Ideenschmiede der Paulinenpflege Winnenden versammelt – allesamt Kollegen der diakonischen Einrichtung. Was sie alle eint: ein etwas anderer Arbeitsalltag seit März. Denn damals hat das Coronavirus die Paulinenpflege durcheinandergewirbelt. Während außerhalb vieles zum Stillstand kam, weil der Lockdown angeordnet wurde, ging es hier größtenteils weiter.
„Wir sind froh und dankbar, dass es bei uns keine Kurzarbeit geben musste. Das haben wir auch Ihnen, einer ganz tollen Mitarbeiterschaft, zu verdanken“, sagt Vorstand Andreas Maurer. „Sie haben vieles scheinbar Unmögliche möglich gemacht und waren krea­tiv und motiviert.“ Dass die Paulinenpflege so glimpflich durch die Corona-Krise kommt, war im März noch nicht abzusehen. Zunächst wurden die Schulen und das Berufsbildungswerk geschlossen – auch die dazugehörigen Internate –, dann die Werkstatt für behinderte Menschen.
Trotzdem ging es weiter – eben etwas anders, wie Sozialdienst-Mitarbeiterin Annette zu Jeddeloh aus der Werkstatt Murrhardt berichtet. Sie und Werkstattchef Joachim Exner waren froh, dass viele Helferinnen aus den vorübergehend geschlossenen Bereichen der Paulinenpflege unterstützt und die Produktion größtenteils am Laufen gehalten haben. „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Laserarbeiten gemacht. Jeder hat bei uns mal alles gemacht“, berichtet zu Jeddeloh.
Ähnlich ging es Rosemarie Walz aus der Textilabteilung der Backnanger Werkstätten: „Ich hatte ein super zusammengewürfeltes Team. Unsere Masken waren nicht besonders schön, aber sehr wichtig. Ihr seid wunderbare Menschen und Kollegen.“ Damit meint sie ihre Schafferinnen, die aus dem Gebärdensprachendolmetscher-Bereich, vom psychologischen Dienst, aus der Verwaltung oder den Internaten ausgeholfen haben.
Auch Arbeitserzieher Thomas Kastner aus der Reha-Werkstatt Backnang hat positive Erfahrungen gemacht. Er war plötzlich in einer ganz neuen Rolle: Vom Werkstatt-Gruppenleiter wurde er zum Außendienstmitarbeiter und hat die Beschäftigten zu Hause und auf ihren Wohngruppen im „Homeoffice“ mit Arbeit versorgt: „Ich habe in dieser Krisenzeit gemerkt: Wir sitzen alle im selben Boot.“ Geliefert hat auch der Bildungspark Winnenden – und zwar Bauteile, Anleitungen und Werkzeuge für verschiedene Projekte an ihre Bildungsbereich-Teilnehmer nach Hause. „Irgendwann sind wir auf die Idee gekommen, kleine Youtube-Tutorials zu drehen. Von Film zu Film sind wir professioneller geworden und unsere Teilnehmer hatten Anleitungen für ihre Aufgaben per Youtube“, berichtet Tabea König.
Weiterhin nah dran war Kerstin Gillich aus dem ambulant betreuten Wohnen: „Ich war froh und dankbar, dass ich unter Einhaltung der Abstandsregeln face-to-face mit unseren Klienten weiterarbeiten durfte. Sie haben es gebraucht und waren so dankbar, dass wir sie weiter vor Ort begleiten konnten.“
Auch in den Wohnangeboten Behindertenhilfe ging der Betrieb weiter – durch die Schließung der Werkstätten sogar rund um die Uhr. Heilerziehungspfleger Sebastian Seibt bewundert die Gelassenheit seiner Bewohner: „Das Maskentragen war gar kein Diskussionsthema – es wurde einfach umgesetzt. Wir sind dann kreativ geworden und haben zum Beispiel ein Fotoshooting mit Mutmach-Statements unserer Bewohner aus dem Boden gestampft.“
Paulinenpflege in Murrhardt Helden der Krise in den Wohngruppen

Murrhardt

Anrufe von Müttern

Von tragischen Schicksalen berichtet Sonja Boiger aus der Kita Schloss Winnenden: „Die Notbetreuung war ganz schnell proppenvoll und dann rufen Mütter an, die erzählen, dass sie ihren Job verlieren, wenn sie nicht sofort eine Kita-Betreuung bekommen. Und dann musst du ‚nein‘ sagen, weil wir nicht mehr Betreuungsplätze zur Verfügung haben.“
Viele der Corona-­Helden haben immer wieder betont, dass sie dankbar sind, die Paulinenpflege als zuverlässigen Arbeitgeber zu haben. Einige konnten stolz zu ihren Partnern, die in der Industrie arbeiten, sagen: „Hättest du doch was Gscheit’s gelernt. Plötzlich war unser Berufszweig systemrelevant.“
Festgehalten wurden die Statements auf O-Ton-Skizzen-Plakaten von Mareike Bornschein aus der Unternehmensentwicklung. Am Ende des Abends waren auch die Moderatorinnen des Abends, Monika Deyle und Petra Frisch, sprachlos: „Vielleicht sagt man nach so vielen berührenden und spannenden Geschichten einfach mal gar nix und lässt das Gesagte wirken.“