Uns ist es wichtig, dass unsere Antriebsformen umweltschonend sind“, bringt Gaildorfs Bürgermeister Frank Zimmermann die Grundidee des neuen Projekts auf den Punkt. Um diesem Ziel näher zu kommen, gibt es in Gaildorf nun ein Carsharing-Angebot. Es läuft über den Verein Teilauto Schwäbisch Hall, der in Hall bereits sieben Fahrzeuge anbietet. Am Freitag trafen sich Vereinsvorsitzende Silke Sadi und Vorstandsmitglied Jan Tzschaschel zur offiziellen Auto-Übergabe mit Gemeindevertretern.

Verbrenner und E-Auto

Ab sofort kann in Gaildorf ein roter Opel Astra Kombi mit Benzin­antrieb gebucht werden, im Februar nächsten Jahres folgt ein Renault Zoe mit Elektroantrieb. Dauerhafter Stellplatz und Abholort für den Opel-Neuwagen ist der Parkplatz oberhalb der Kocherwiesen – erkennbar an einem blauen Hinweisschild. Ab Februar wird neben ihm der E-Renault stehen, für ihn wird eine Wandladestation eingerichtet. Außerdem sollen am Standort noch zwei Parkplätze mit Schnellladesäulen für den öffentlichen Gebrauch geschaffen werden.

Sadi lobt bei der offiziellen Auto-Übergabe die „gute Kooperation“ mit der Stadt. Ihr Dank gilt außerdem Christian Kuppler, der die Wartung der beiden Fahrzeuge übernimmt. Der Gaildorfer ist Initiator des Carsharings. Vor etwa einem Jahr kam er auf die Idee. Die Stadt war schnell angetan und kontaktierte den Teilauto-Verein. Der Gaildorfer Gemeinderat hat in einer nicht öffentlichen Sitzung beschlossen, gemeinsam mit dem Verein ein Carsharing-Angebot zu entwickeln. Das gab Zimmermann in der öffentlichen Sitzung vergangene Woche bekannt. Weitere Treffen und Planungsrunden folgten. Ergebnis ist ein zunächst auf zwei Jahre befristeter Vertrag. Die Stadt Gaildorf und der Gemeindeverwaltungsverband Limpurger Land werden zudem Mitglied im Teilauto-Verein.

„Die Frage war schon früh die wirtschaftliche Machbarkeit. Es ist nicht planbar, wie das neue Angebot bei uns angenommen wird“, erklärt Zimmermann. Entscheidend für die Umsetzung: Die Stadt Gaildorf hat die Deckung aller Fixkosten für das Projekt garantiert. Konkret: Die Stadt übernehme laut Verbandsbaumeister Manfred Sonner den Differenzbetrag, sollten die Autos nicht 500 bis 600 Euro monatlich einspielen. Sollte sich das Projekt in zwei Jahren nicht selbst tragen, sei eine erneute Beratung geplant, so Sonner. „Außerdem werden die Mitarbeiter des Gemeindeverwaltungsverbands die Fahrzeuge nutzen. So schaffen wir eine gewisse Grundauslastung“, führt der Bürgermeister aus. Beides verschaffe dem Haller Verein finanzielle Sicherheit. Zimmermann: „Wir hoffen natürlich, dass das erste Auto gut angenommen wird und sind darauf angewiesen, dass sich das neue Angebot rumspricht. Die Gemeinde wird die Werbetrommel kräftig rühren und auch das Thema E-Mobilität bis Februar pushen. Die Leute sollen die Vorzüge eines Leihautos erkennen. Unser Ziel ist es, das Angebot irgendwann auf Teilorte und Kommunen auszuweiten.“

Anmelden und losfahren

Wer das Gaildorfer Fahrzeug nutzen möchte, muss Mitglied beim Teilauto-Verein werden. Im Gaildorfer Rathaus kann man sich anmelden und erhält eine Kolibri-Card – sofern man noch keine hat. Zur Anmeldung werden eine einmalige Gebühr und eine Kaution fällig. Vom Verein gibt’s dann die Zugangsdaten per Mail. Auf der Internetseite, per App oder telefonisch lässt sich einsehen, ob das Auto verfügbar ist. Ist das der Fall, kann über dieselben Kanäle der gewünschte Nutzungszeitraum gebucht werden. Das Auto selbst öffnet seine Tür, wenn an der Frontscheibe die Kolibri-Card aufgelegt wird. Der Zündschlüssel liegt im Handschuhfach bereit. Am Ende jeder Fahrt muss der Opel zurück an den Parkplatz oberhalb der Kocherwiesen gebracht werden, anschließend wird ein Fahrtenbuch ausgefüllt.

Die Kosten für eine Fahrt setzen sich aus gefahrenen Kilometern, gebuchter Zeit und einer Buchungsgebühr zusammen. So bezahlt man für eine dreistündige Fahrt nach Schwäbisch Hall und zurück rund zwölf Euro. Außerdem gibt es einen jährlichen Mitgliedsbeitrag, der sich für Familien und Einzelpersonen unterscheidet. Willkommensangebot: Im Jahr 2018 entfallen Anmeldegebühr und Jahresbeitrag.

Auch die Gaildorfer Mitglieder können mit den sieben Haller Autos fahren. Das Carsharing-Angebot lohne sich laut Sadi für jeden, der jährlich weniger als 12.000 Kilometer mit dem Auto zurücklegt.

Fichtenau/Kreßberg

Verein existiert seit 22 Jahren

Fuhrpark Der ehrenamtliche Verein „teilAuto Schwäbisch Hall“ existiert seit 1996 und hat etwa 120 Mitglieder – darunter rund 100 aktive Nutzer. Mittlerweile stehen in Hall sieben Fahrzeuge an verschiedenen Orten zur Verfügung – Kleinwagen, Transporter und Kombis. „Unsere Autos werden gut angenommen“, sagt Sadi. lst