An Spekulationen hat es nicht gemangelt. Mal hieß es, Russen würden sich für die Klenk Holz AG interessieren, dann sollten es Chinesen sein, die das Sägeunternehmen mit Stammsitz in Oberrot kaufen wollten. Nun ist es ein österreichischer Wettbewerber, der mit Hilfe von Klenk kräftig wachsen möchte.

Die globale Beteiligungsgesellschaft „The Carlyle Group“ teilte gestern mit, dass der entsprechende Kaufvertrag mit der Binderholz GmbH aus Fügen unterzeichnet wurde. Den Vollzug der Transaktion knüpfen Carlyle und Binder an die Zustimmung der Kartellbehörde. Man geht davon aus, dass der Handel spätestens bis zum Jahresende von staatlicher Stelle abgesegnet sein wird. Über den genauen Kaufpreis und vertragliche Details schweigen Carlyle und Binder.

Der neue Hausherr möchte sowohl die Marke Klenk als auch die drei Standorte Oberrot, Baruth in Brandenburg sowie Wolfegg im Schwarzwald beibehalten und sogar noch ausbauen. Zu den 2530 Mitarbeitern von Binder kommen jetzt nochmals rund 1000 Beschäftigte von Klenk hinzu. Wie der Branchendienst „Euwid Holz und Holzwerkstoffe“ gestern meldete, erzielte Binder im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro. Klenk habe im Geschäftsjahr 2015 rund 350 Millionen Euro umgesetzt und ein Betriebs- und Finanzergebnis von 8,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Laut Binder verfüge das Unternehmen nach der Übernahme der traditionsreichen Oberroter Holzverarbeiter über zwölf Standorte. Dazu zählen die österreichischen Sägewerke in Fügen, Jenbach, Sankt Georgen, Hallein und Unternberg sowie die deutschen Standorte Kösching, Burgbernheim, Oberrot, Baruth, Wolfegg und die finnischen Werke in Lieksa und Nurmes.

Mehr als 5 Millionen Festmeter

Wie Binder gegenüber Partnern und Kunden in einer E-Mail mitteilte, werde man im Jahr 2017 „bereits über fünf Millionen Festmeter Rundholz“ einschneiden. Aus der Schnittholzproduktion von mehr als drei Millionen Kubikmeter würden über zwei Millionen Kubikmeter Massivholzprodukte hergestellt. Die von Klenk übernommene TTW Waldpflege garantiere dafür „die zuverlässige Basisversorgung der zentraleuropäischen Sägewerke“.

Bei Binder freut man sich über den Deal. Reinhard Binder sagt: „Klenk Holz passt perfekt zu Binderholz. Gemeinsam mit dem Management von Klenk Holz werden wir unseren erfolgreichen Weg als integrierter Massivholzproduzent und DIY-Zulieferer gestärkt weitergehen. Gemeinsam mit den engagierten Mitarbeitern von Klenk Holz werden wir das erfolgreiche Geschäftsmodell weiter entwickeln.“ Ferner teilt die Familie Binder mit, dass mit der getätigten Akquisition ein Umsatz von „deutlich mehr als 900 Millionen Euro“ erzielt werde. Nach der Übernahme der Klenk Holz AG durch Carlyle im Jahr 2013 sind einige umfassende und dringend notwendige Investitionspakete angekündigt worden. Diese werden aber von Seiten der Belegschaft noch immer vermisst.

Carlyle hat nach eigenem Bekunden „Produktivität und Wachstum bei Klenk Holz deutlich gesteigert“. Dazu gehörte allerdings auch ein Personalabbau. Wer das Unternehmen freiwillig verließ, wurde finanziell belohnt. Angesichts des relativ geringen wirtschaftlichen Ertrags hat sich dann im Laufe der Zeit die Frage gestellt, wann sich Carlyle wieder von Klenk trennen wird. Die Antwort darauf gab es dann diese Woche mit Binder.

Klenk Holz AG


In Oberrot sind 520 Mitarbeiter beschäftigt. Sie schneiden jährlich etwa 750 000 Festmeter Holz ein. Verarbeitet werden Fichte, Tanne, Douglasie und Kiefer. Das Produktspektrum umfasst Schnittholz, Hobelware, Profilholz, Massivholzplatten, Schalungsplatten, Pressspanplatten und -Klötze, WPC.

In Baruth beschäftigt das Unternehmen 330 Menschen. In diesem Werk in Brandenburg werden jährlich rund 1,1 Millionen Festmeter Holz, davon überwiegend Märkische Kiefer, gesägt. Daraus werden Schnittholz, Hobelware, Profilholz, Gartenholz und Konstruktionsvollholz.

In Wolfegg im Schwarzwald arbeiten 110 Mitarbeiter für Klenk. Sie verarbeiten etwa 240 000 Festmeter Fichte und Tanne pro Jahr. Zum Produktprogramm gehören Schnitt­holz, Hobelware und Profilholz.

Die TTW Waldpflege gehört seit 2001 zur Klenk Holz. Mit einem Einschlags- und Handelsvolumen von etwa 2,5 Millionen Festmetern Stamm- und Industrieholz ist TTW der größte deutsche Forstdienstleister sowie führend bei der Entwicklung und im Einsatz mechanisierter Holzerntesysteme.