Konzert Cantiamo macht Altbekanntes zum neuen Hörerlebnis

Die Sängerinnen und Sänger des Projektchors Cantiamo bei ihrem Adventskonzert in der evangelischen Kirche von Gschwend. Die Stuhlreihen im Gotteshaus waren voll besetzt.
Die Sängerinnen und Sänger des Projektchors Cantiamo bei ihrem Adventskonzert in der evangelischen Kirche von Gschwend. Die Stuhlreihen im Gotteshaus waren voll besetzt. © Foto: Rainer Kollmer
Gschwend / Rainer Kollmer 06.12.2018
Der Adventsauftritt des gemischten Chores unter Leitung von Stefanie Geiger in der evangelischen Kirche Gschwend zeigte seine große Beliebtheit. Susanne Mangold, Leiterin der VHS-Außenstelle, hat ihn vor acht Jahren initiiert.

Chorsänger Manfred Wiedemann brachte es in seiner Rundum-Laudatio am Schluss des Abends auf den Punkt. Wenn Dirigentin Stefanie Geiger im Sommer mit Noten anrückt, dann können es nur weihnachtliche Chorsätze sein. In sommerlicher Kleidung ist bei den Proben dann viel Einfühlungsvermögen nötig. Der Chor will erst in rechte Stimmung gebracht werden. Die sommerliche Sonnenbräune der Dirigentin hilft dann auch nicht über Irritationen hinweg.

Immerhin scheint die Dirigentin den Chor gut auf die schwierige Aufgabe vorbereitet zu haben. Das Publikum ließ sich von Stefanie Geiger durch ein stattliches Programm mit zehn Chorsätzen und einer Zugabe führen. Als Ergänzung waren zwei instrumentale Zwischenspiele und viele Begleitsätze von Mitgliedern des Gschwender Musikvereins zu hören. Martin Thorwart unterstützte mit dem Elektro-Piano souverän die notwendige Klangstabilität.

Die Auswahl und Reihenfolge der Musikstücke orientierte sich an der Durchmischung von harmonisch gefälligen Chorsätzen mit anspruchsvollen, zeitgenössischen Kompositionen.

Die einfachen Harmoniefolgen des einfühlsam vorgetragenen „Advent ist ein Leuchten“ standen im aufreizenden Kontrast zu „Es kommt ein Schiff, geladen“. Der melodramatisch komponierte Chorsatz mit der modern anmutenden Instrumental-Einleitung war ein Musterbeispiel dafür, welche beeindruckenden Gestaltungsmöglichkeiten moderne Vokalkompositionen heute vorzuweisen haben. Große dynamische Gesten, Einsatz unterschiedlicher Stimmregister und ein ausgezeichneter Abgleich zwischen Textaussage und Musikgestaltung sind Elemente, die dem alten Adventslied von etwa 1450 auch heute noch überzeugend gerecht wird.

Der Chor machte gerade das Altbekannte zu einem neuen Hör­erlebnis. „Hört der Engel helle Lieder“ überraschte mit einem pointierten und durchgängig synkopierten Rhythmus. Die Synkope ist ein musikalisches Gestaltungsmittel, welches das Betonungsschema eines Taktes aufbricht, indem es eigentlich unbetonte Schläge betont und somit rhythmische Spannung erzeugt. Auch die ungewöhnliche Harmonieführung ließ bei dem modernen Chorsatz aufhorchen. Dabei zeigte sich die hohe Disziplin des Chores, dessen Textartikulation im Synkopengewirr vorbildlich war.

Der Wechsel zwischen Altbekanntem und Modernem im Pop-Stil stellte den Chor vor bemerkenswerte Herausforderungen. Vielseitigkeit und Stilsicherheit waren gefragt. So zeichnete sich „There’s a star in heaven“ – hier waren die Bläser kontrastierend mit dem Vorspiel „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ zu hören – nach dem flotten „In dulci jubilo“ durch einen unerwartet breit angelegten, eindrucksvollen Chorsatz aus.

A-cappella-Qualitäten

Die Nagelprobe zum Niveau der Sängerinnen und Sänger waren die beiden Chorsätze der getrennten Stimmregister. Sowohl „A nativity Carol“ der Frauen als auch der „Adventsjodler“ der Männer erforderten A-cappella-Qualitäten und die Fähigkeit, chorisch zu atmen und die von der Dirigentin geforderten Überbindungen bei zusammenhängenden Passagen konsequent herzustellen.

Die Kirche war voll besetzt. Selbst Pfarrer Jochen Baumann, der anfangs kurz begrüßte, hatte Mühe, in „seiner“ Kirche noch einen Sitzplatz zu finden. Die dichte Belegung der Kirche machte die Akustik leider recht „trocken“, sodass manches Musikstück nicht in seiner vollen Qualität zur Geltung gebracht werden konnte. Aber dieser janusköpfige Umstand schmälert die Leistungen der Ausführenden in keiner Weise.

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