Soziales Bullinger soll Integration von 111 Flüchtlingen managen

Gaildorf / Von Cornelia Kaufhold 13.09.2017
Bislang haben sich Ehrenamtliche des Freundeskreises Asyl um Schutzsuchende gekümmert. Jetzt sorgt die Stadtverwaltung für Verstärkung.

Er leitet die Geschäftsstelle des Stadtmarketings, springt vertretungsweise im Standesamt ein und organisiert Veranstaltungen wie die Kirbe und den Gaildorfer Samstag und zusammen mit Raimund Horbas den Pferdemarkt. Jetzt hat Patrick Bullinger eine neue Aufgabe dazubekommen: Er ist Integrationsmanager der Stadt Gaildorf. Der 35-Jährige ist damit Ansprechpartner jener 111 Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel, die in der Schenkenstadt eine Bleibe gefunden haben. Sie leben nicht mehr in Sammelunterkünften, sondern in sogenannter Anschlussunterbringung.

Der Großteil sind Syrer, 43 Menschen, 26 Iraker sowie Schutzsuchende aus Afghanistan, vom Balkan, aus Indien und von Sri Lanka. „Die meisten sind anerkannt. Circa ein Drittel hat eine Duldung. Diese Personen dürfen nicht abgeschoben werden“, sagt Bullinger und schließt seinen Aktenordner. 14 Flüchtlinge habe die Stadt untergebracht. „Sie müssen Deutsch lernen, eine Wohnung und eine Arbeit finden, damit sie sich hier integrieren können. Das gelingt zwar nicht immer, aber wir helfen ihnen dabei“, erklärt Bürgermeister Frank Zimmermann. Optimal sei, wenn die Kinder den Kindergarten besuchen, denn im Kontakt lernten sie schnell Deutsch. „Das läuft alles recht gut“, berichtet der Bürgermeister. Er stehe regelmäßig mit den Kindergartenleiterinnen in Kontakt. Auch von den Rektorinnen der Gaildorfer Schulen erhalte er positive Rückmeldungen.

Patrick Bullinger sei „hervorragend vernetzt“, kenne die Geschäftsleute der Stadt, die Vereine und die Mitarbeiter des Freundeskreises Asyl. Das seien optimale Voraussetzungen für seine neue Tätigkeit. Die  aktuell zehn Ehrenamtlichen des Freundeskreises betreuen die Flüchtlinge von Anfang an, als die ersten im August 2015 im „Löwen“ in Ottendorf einzogen. Sie vermitteln ihnen Wohnungen und Arbeit, geben Sprachkurse. „Der Integrationsbeauftragte“, sagt Zimmermann, „ist als Signal an die Ehrenamtlichen zu verstehen: Wir lassen euch nicht allein.“ Die Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis sei „sehr gut“. Der Integrationsbeauftragte sei ein zusätzlicher Ansprechpartner, der Kontakte herstellen könne. Bis jetzt hat Bullinger weder Wohnung noch Arbeit, aber einen Schwimmkurs für Erwachsene vermittelt.

Kein Kurs für neue Aufgabe

Die Stadt stehe in der Pflicht, ihren Teil zur Integration der Flüchtlinge beizutragen, sagt Zimmermann. Als Ortspolizeibehörde sei sie zudem dazu verpflichtet, wohnungslose Menschen ein Obdach zu beschaffen.  Bullinger plant zwei Sprechtage in der Woche im Rathaus. Für seine neue Aufgabe wurde er nicht speziell vorbereitet oder ausgebildet. „Das ist ja alles noch Neuland“, erklärt Bürgermeister Zimmermann. 116 Millionen Euro hat das Land für 1000 Integrationsmanager bereitgestellt. Die Stadt hat Bullingers Stelle um 25 auf 100 Prozent aufgestockt und ihn damit zum 1. Juli zum Integrationsmanager gemacht. Er hat in Ludwigsburg Pädagogik studiert.