Sie kamen mehrmals zwischen den Mauern der Geyersburg bei Obermünkheim zusammen, nahmen dort Ende Dezember 2001 einen Polizisten aus einer Diensteinheit aus Böblingen in ihren Kreis auf. Sie gaben sich Code-Namen. Bei der sogenannten „Einbürgerung“ flossen als Ritual Blutstropfen in der Ruine.

Beate Bube vom Verfassungsschutz hat gestern bei einer Pressekonferenz in Stuttgart Details zu den Aktivitäten des Ku-Klux-Klans genannt. Demnach lebte jahrelang in Schwäbisch Hall der Anführer der Gruppe, die von Innenminister Reinhold Gall als „rassistisch, fremdenfeindlich und antisemitisch“ eingestuft wird.

Brisant: Ein Polizist, der in Hall an Ku-Klux-Klan-Riten teilnahm, war später Vorgesetzter von Michèle Kiesewetter. Die Polizistin wurde 2007 in Heilbronn erschossen. Der Fall ist bis heute nicht gelöst worden. Gab es dabei einen rechtsterroristischen Hintergrund?

KuNach Informationen der Verfassungsschützer bestand der Haller Ku-Klux-Klan aus rund 20 Mitgliedern deutschlandweit. Eine Handvoll Teilnehmer des Geheimbundes kam aus Baden-Württemberg selbst. „Wir haben keine Erkenntnisse darüber, ob die Mitglieder in Kutten aufgetreten sind“, sagt Bube. Ein Kreuz wurde nicht – wie sonst üblich – in Flammen gesetzt. Die Aktivitäten fanden vor allem im privaten Bereich statt. Es wurde in der Wohnung des Anführers in Hall und in Gaststätten über die Ideologie der Bewegung diskutiert, die aus den USA kommt.

Bube: „Es gibt keine Erkenntnisse, dass daraus Straftaten ergangen sind.“ Dennoch wurde der Verfassungsschutz aktiv. Er ging auf die Gruppenmitglieder zu und machte ihnen klar, dass ihr Bund alles andere als geheim sei. Nachdem den Mitgliedern klar wurde, dass sie unter Beobachtung standen, löste sich die Gruppe auf. So stellt es zumindest die oberste Verfassungsschützerin im Land dar. Bei einer Razzia in der Wohnung des Anführers in Hall am 22. Dezember 2003 wurden fünf Fotos auf der Computerfestplatte gefunden. Sie zeigen Polizisten und Geheimbund-Zeichen.

Bube bestätigt noch, dass der Anführer der Gruppe die Skinhead-Bands „Celtic Moon“ als Nachfolgegruppe der „Höllenhunde“ aus Hall und „Wolfsrudel“ leitete. Mehr dürfe sie aus Datenschutzgründen nicht sagen. Achim S., Anführer des Klans, hat Hall in Richtung Norddeutschland verlassen – gegen ihn wurde ermittelt, belangt wurde er wohl nicht. Ein weiteres Mitglied des damaligen Ku-Klux-Klans lebt nach bisherigen Informationen auch heute noch in der Region.

Zumindest einer der beiden Polizisten, die über elf Monate Mitglied im „European White Knights of the Ku Klux Klan“ waren, wohnte damals in der Region. „Die betreffenden Polizisten waren nie Bedienstete der Schwäbisch Haller Direktion“, betont der Haller Polizeisprecher Hans Ulrich Stuiber.