Musik Bluesrock, Funk und Orgelorgien

Ruhepol im hitzigen Treiben. Der Gitarrist Ole Frimer formuliert mitreißend bedächtige Solopassagen auf der Gitarre.
Ruhepol im hitzigen Treiben. Der Gitarrist Ole Frimer formuliert mitreißend bedächtige Solopassagen auf der Gitarre. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 22.03.2017
Bei der letztjährigen Blues-Challenge in Eutin aufgegabelt: Die Ole Frimer Band aus Dänemark gibt im Gaildorfer Häberlen ein kontrastreiches Konzert.

Bluesmusiker sind gerne auch sentimentale Rocker: Wie ein aus der Zeit gefallener Klon der Steve Miller Band treten Ole Frimer und seine Jungs aus Kopenhagen im Gaildorfer Häberlen an. Der schwellende Hammond-Akkord erinnert stark an die Kifferhymne  „Fly like an eagle“, es fehlen eigentlich nur noch diese nach oben tröpfelnden Synthesizer-Arpeggien. „Genau, Steve Miller“ – ein Zuhörer, der zum Konzert aus Hall nach Gaildorf gekommen ist, reckt den Daumen.

Die Ole Frimer Band wurde bei der Blues-Challenge in Eutin aufgegabelt. Sie spielte bei der Verleihung der German Blues Awards, bei der im letzten Jahr auch die Gaildorfer Kulturschmiede beziehungsweise ihr Bluesfest als bestes Festival ausgezeichnet wurde. Die Bandmitglieder seien zufällig in einer Kneipe am Nebentisch gesessen. Man habe sie dann halt angequatscht, berichtet ein Mitglied der Delegation, die zur Preisverleihung in den hohen Norden gefahren war.

Mächtige Rockballaden

Am vergangenen Samstag steht die Band aus Dänemark im nicht ganz ausverkauften Häberlen auf der Bühne und bringt die Leute zum Wippen. Texas-Bluesrock mit einem sehr eigenwilligen Swing ist angekündigt, diese Beschreibung aber scheint ein wenig eng. Zwar erklingen Klassiker  beispielsweise von Peter Green oder Johnny Winter, dazwischen aber gibt’s Nummern, die man eher dem Funkrock zuordnen möchte, und immer wieder mächtige Rockballaden.

Der Blues aber bleibt die Quelle, aus der Frimer und seine Musiker schöpfen, er ist die Klammer, die das Konzert zusammenhält. Das wird in den bluesgetränkten Soli deutlich, vor allem in den sehr perkussiven, mitunter auch etwas übertrieben dahergekasperten, kreischenden und gurgelnden Orgelorgien von Palle Hjorth, den Schlagzeuger Claus Daugaar und Bassist Jasper Bylling aber trotz aller gewagter Tempiwechsel locker im Zaum halten. Letzterer ist übrigens ein bemerkenswert lyrischer Musiker: Seine Bass-Soli sind ausgesprochen liedhaft, gerne singt er die zweite Stimme dazu.

Auch Frimer, der mit seiner vormaligen Band „Blues Junc­tion“ mehrfach ausgezeichnet wurde, erscheint eher als Ruhepol. Und er mag offensichtlich diese hoffnungslos-larmoyanten Mann-Frau-Geschichten, die dem Blues seine Kraft geben. Sie habe gesagt, es sei Zeitverschwendung, bei ihm zu bleiben, jammert er, und dann sucht er bedächtig die Töne zusammen, zerlegt Phrasen, lässt Fragmente leuchten und Stakkati klirren und nimmt sich immer wieder die Zeit, kurze Melodien an der Grenze zum Hörbaren dazwischenzusäuseln. Eine letzte Strophe gibt’s nicht – sie ist ja schon weg und hat das Beste verpasst.

Info

Der nächste Blueser ist schon angekündigt. James Armstrong & Band spielen am Samstag, 1. April, um 20 Uhr im Häberlen. Der Gitarrist und Sänger aus Kalifornien musste vor 20 Jahren einen Bluesfest-Auftritt absagen, nachdem er von einem Einbrecher lebensgefährlich verletzt worden war. Sein Bluesfest-Auftritt zwei Jahre später gilt heute als legendär. Karten können bei Anne Kauer unter der Telefonnummer 0 79 44 / 5 31 98 96 reserviert werden.

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