Gaildorf Bis jetzt alle Hindernisse genommen

Jungzüchter präsentieren beim Jubiläumsabend zwei Reitponys.
Jungzüchter präsentieren beim Jubiläumsabend zwei Reitponys. © Foto: kr
Gaildorf / Karl-Heinz Rückert 10.07.2018
Sprunghindernisse, Strohballen, Blumenschmuck und viel Grün verrät neben Kutschen den Anlass des Festes: Der Pferdezuchtverein Schwäbischer Wald feiert sein 50-jähriges Bestehen.

Pferdezucht gehört seit unvordenklichen Zeiten zu allen Weltkulturen. Pferde waren als Arbeits- und Reittiere zu Transportzwecken, aber auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen im Einsatz. Im Schwäbischen Wald begann die organisierte Pferdezucht 1921 mit der Gründung des Pferdezuchtvereins Gaildorf. Dessen praktische Vereinsaufgaben wurden durch die Gründung des Pferdezuchtvereins Schwäbischer Wald am 6. Dezember 1968 in Gaildorf fortgesetzt. Vorsitzender Horst Klunzinger streifte bei der Jubiläumsfeier am Samstagabend in der Limpurghalle die Vereinsentwicklung in den vergangenen 50 Jahren. Die anfängliche Mitgliederzahl wuchs von 58 auf aktuell 260 Mitglieder. Trotz des Wandels in der Pferdehaltung durch die Motorisierung in der Landwirtschaft verfolgte der Verein sein Ziel mit der Zucht von Kaltblutpferden weiter.

Mit immer neuen Ideen setzten die sehr aktiven Vereinsmitglieder aus Gebieten des Ostalb-, Rems-Murr-Kreises und des Landkreises Schwäbisch Hall einen neuen Schwerpunkt, der sich heute auf die Pferdezucht für das sportliche Reiten und Fahren im Freizeitbereich konzentriert. Neben Warmblutpferden widmen sich die Züchter der Züchtung weiterer Pferderassen. Fohlenschauen und Zuchtstutenprüfungen seien für die Öffentlichkeit neben sportlichen Erfolgen ein Schaufenster der Vereinsarbeit, stellte Klunzinger fest. Unterstützung erhalten die Vereinsmitglieder bei der Vermarktung. Sie veranstalten Züchterrundfahrten und Stammtische. Besonderes Augenmerk legen sie auf die Jugendarbeit.

Ohne den Pferdezuchtverein wäre es um die Pferdezucht im Schwäbischen Wald schlecht bestellt, resümierte Bürgermeister Frank Zimmermann. Er unterstrich den hohen Stellenwert des Pferdes und lobte die gute Zusammenarbeit des Vereins mit der Stadt beim Gaildorfer Pferdemarkt. Mit zwei Hengsten aus den Rheinland habe der Zuchterfolg in der Region 1921 seinen Anfang genommen. Ein Grund für den damaligen Pferdezuchtverein Gaildorf, 1928 den Pferdemarkt ins Leben zu rufen. Wenn er eingeladen werde, komme er gerne einmal zum Gaildorfer Pferdemarkt, lautete die Selbsteinladung von Karl-Heinz Eckerlin vom Pferdezuchtverband Baden-Württemberg. Bemerkenswerte Aktivitäten der Züchter im Schwäbischen Wald trügen zur Belebung der Pferdezucht im Land bei. Eckerlin unterstrich damit die überragende Arbeit und flächendeckende Vertretung der Züchter im Land. Bei einem Jubiläum gelte es auch, über den Tellerrand hinauszuschauen und den Blick auf die künftige Züchterarbeit zu lenken. Längst sind künstliche Besamung, Embryotransfer, Geschlechtsbestimmung oder Cloning in die Pferdezucht eingekehrt. „Mir ist nicht bange, dass wir das hinkriegen“, gab sich Eckerlin zuversichtlich.

Dr. Carolin Eiberger, stellvertretende Leiterin des Haupt- und Landgestüts Marbach, befasste sich im Festvortrag mit der wechselvollen Geschichte der Pferdezucht in Baden-Württemberg und des Landgestüts Marbach. Diese beginnt um das Jahr 1514, aus dem der erste schriftliche Beleg stammt. Darauf begründete das Gestüt 2014 seinen 500. Geburtstag. Kriege, Hungersnöte und Pestepidemien bescherten der Pferdezucht einen Niedergang. Erst ab 1648 wurde mit einer systematischen Landespferdezucht begonnen, die je nach den Wünschen der Herrschenden in bestimmte Richtungen gelenkt wurde. Die eine strebte der französischen Hofkultur nach, während die andere aufgrund bestehender Bündnisse Pferde für den Kriegseinsatz heranzüchtete.

Erst mit König Wilhelm I wurden neben Rassepferden besonders auch Pferde herangezüchtet, die für die Landwirtschaft brauchbar waren und sich den klimatischen Bedingungen des Landes anpassen konnten. Der Erfolg tritt gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit der Zucht des Württembergischen Warmblutpferdes ein. Nach zwei Weltkriegen wurde die Zucht in Marbach mit vielseitigen Pferden neu ausgerichtet. Gestütsbetrieb, Wissenstransfer und Tourismus sind heute die Hauptsäulen des Gestüts. Man sei es den Pferden schuldig, die Herausforderungen in der Zucht anzunehmen und für den jungen Züchternachwuchs stets ein offenes Ohr zu bewahren. Mit diesem Appell schloss Dr. Eiberger, die in Gaildorf auch als Jurorin durch die Stutenprämierungen am Pferdemarkt bekannt ist, ihren Vortrag.

Eine Videopräsentation der Jungzüchter, zu der sie sich mit zwei Reitponys in der Limpurghalle aufstellten, und deren Erfolge Sabine Wagner vorstellte, beendete die Jubiläumsfeier. Zwei Musikschüler der Musikschule Schwäbischer Wald umrahmten das Fest stimmungsvoll. Beim anschließenden kalten Büfett gab es für Züchter und Gäste reichlich Gelegenheit für Fachsimpelei und Gespräche.

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