Bei der Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks berieten die Delegierten der Gemeinden auch über die zukünftige Struktur der Sozialstation Gaildorf. Derzeit ist der Kirchenbezirk Träger der Sozialstation. Das verantwortliche Gremium ist der Diakoniestationsausschuss. Alle Pflegekräfte sind seit jeher beim Diak angestellt, werden aber über einen Gestellungsvertrag der Sozialstation überlassen. Derzeit sind dies 52 Pflegekräfte.

Die drei Verwaltungskräfte sowie die 61 Haus- und Nachbarschaftshilfen sind jedoch beim Kirchenbezirk angestellt. Außerdem sind 55 Ehrenamtliche in Hospiz- und Betreuungsgruppen tätig. Mit den Pflegeteams in Gaildorf, Mittelfischach, Gschwend und Fichtenberg ist die Teamstruktur dezentral angelegt, um möglichst nahe an den Gemeinden zu sein.

Für eine Neustrukturierung gibt es mehrere Gründe. Zum einen hat die Station eine Größe erreicht, die das Personal wegen der zunehmenden gesetzlichen Anforderungen etwa bei der Arbeitssicherheit, beim Datenschutz, bei Dokumentation und Pflege vor wachsende Herausforderungen stellt. Zum anderen ist die Leitung derzeit unbesetzt und schwer adäquat zu besetzen.

Und schließlich könnte der bestehende Gestellungsvertrag mit dem Diak in Zukunft möglicherweise rechtliche Probleme mit sich bringen. Die Verantwortlichen befürchten Konflikte mit dem Arbeitnehmer-Überlassungs-Gesetz und Probleme mit der Umsatzsteuer. Zuschnitt und Struktur der ambulanten Pflege im Kirchenbezirk haben sich nach Einschätzung der Leitungsgremien bewährt, weshalb sich auch in Zukunft möglichst wenig daran ändern soll.

In den letzten Monaten fanden zahlreiche Gespräche mit dem Diak, mit anderen Hohenloher Dekanaten, mit der Rechtsberatung des evangelischen Landesverbandes, Diakonie- und Sozialstationen sowie mit dem Oberkirchenrat in Stuttgart statt, um eine rechtssichere und für alle zufriedenstellende Lösung zu finden.

Limpurger Wunden

Zwischenzeitlich hat man die Anstellung der Pflegekräfte beim Kirchenbezirk als mögliche Lösung ausgeschlossen, da dies zu einem Konflikt mit dem Diak führen würde. „Ich habe in den vielen Gesprächen gelernt, dass die ambulante Krankenpflege das Herzstück des Diaks ist“, sagte Dekan Altenmüller.

Auch die Übernahme der Sozialstation durch das Diak, wie in Schwäbisch Hall und Crailsheim geschehen, wird von den Bezirksverantwortlichen als nicht sinnvoller Weg betrachtet. Hierzu seien die Wunden, die durch die Schließung des Gaildorfer Krankenhauses verursacht wurden, zu groß. Zudem würde der Bezug des Kirchenbezirks zur Diakonie aufgeben. Man hätte dann keinen Einfluss mehr auf die ambulante Krankenpflege.

Bezirk soll erkennbar bleiben

Aus den Verhandlungen zwischen Kirchenbezirk und Diak hat sich ein dritter Lösungsweg ergeben, der den Synodalen vorgeschlagen wurde. Die Sozialstation soll in eine gemeinnützige GmbH (gGmbH) umgewandelt werden. Dabei wären Diak und Kirchenbezirk Gesellschafter, wobei das Diak mit mindestens 51 Prozent beteiligt sein muss, um Probleme wegen der Arbeitnehmerüberlassung und der Umsatzsteuer zu vermeiden.

Dekan Altenmüller zeigte sich überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, um als Kirchenbezirk weiterhin in der ambulanten Pflege erkennbar sein zu können. Er beteuerte: „Wir wollen uns nicht von der Diakonie zurückziehen“.

Bezirksrechner Karl-Heinz Stooß sah sich allerdings veranlasst, etwas Wasser in den Wein zu gießen: Man müsse es zuerst einmal schaffen, den Oberkirchenrat von dieser Lösung überzeugen, sagte er. Und für Pfarrer Achim Ehring sind noch viele Fragen ungelöst. Man solle sich  nicht jetzt schon auf diesen Ansatz festlegen, fordert er.

Nach einer durchaus kontroversen Diskussion sprach sich eine deutliche Mehrheit dafür aus, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Bei der Frühjahrssynode des Kirchenbezirks im kommenden Jahr soll möglichst ein konkreter Vertragstext vorliegen, der dann verabschiedet werden könnte.

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