Asyl Bereits morgen müssen 60 Flüchtlinge in ehemalige Fabrikhalle einziehen

Eine Notunterkunft irgendwo in Baden-Württemberg - wie viele andere im Land eingerichtet, damit Flüchtlinge zunächst ein Dach über dem Kopf haben. Ein solches Quartier, eine reine Übergangslösung, wird derzeit auch in Unterrot geschaffen und ab Freitag mit 60 Menschen belegt sein. Archivfoto: Markus Sontheimer
Eine Notunterkunft irgendwo in Baden-Württemberg - wie viele andere im Land eingerichtet, damit Flüchtlinge zunächst ein Dach über dem Kopf haben. Ein solches Quartier, eine reine Übergangslösung, wird derzeit auch in Unterrot geschaffen und ab Freitag mit 60 Menschen belegt sein. Archivfoto: Markus Sontheimer © Foto:  
Gaildorf / KLAUS MICHAEL OSSWALD 22.10.2015
Der Umbau einer Fabrikhalle in Unterrot zu einer Notunterkunft für Flüchtlinge läuft. Weil der Kreis keine andere Wahl hat, sollen dort bereits morgen 60 Menschen vorübergehend eine Bleibe bekommen.

Eher durch Zufall ist das Haller Landratsamt auf die ehemalige Produktionshalle im Gaildorfer Stadtteil Unterrot gestoßen. Die wird derzeit als Notunterkunft für Flüchtlinge umgebaut, um in zwei Sälen insgesamt mehr als 140 Menschen beherbergen zu können. Die für die Nutzungsänderung notwendige Baugenehmigung war kürzlich Gegenstand einer Beratung im Technischen Ausschuss des Gemeinderats (wir haben berichtet).

Angedacht war, diese Einrichtung - eine Übergangslösung - erst zu einem späteren Zeitpunkt zu belegen. Doch die Kapazitäten im Kreisgebiet sind fast erschöpft. Bürgermeister Frank Zimmermann wurde am Dienstagnachmittag vom Amt für Migration im Haller Landratsamt darüber informiert, dass man einen Teil der Halle bereits am Freitag belegen müsse.

Männer aus Afghanistan, Syrien und dem Irak

Konkret: Morgen werden 60 Flüchtlinge in Unterrot erwartet. Es handelt sich um Männer, die aus Afghanistan, Syrien und dem Irak stammen. Wobei deren Aufenthalt - wie in Notunterkünften üblich - begrenzt sein wird: Sie sollen so bald wie möglich auf andere Unterkünfte verteilt werden. Bis es soweit ist, werden Hausmeister und Sozialberatung vor Ort sein. Verpflegt werden die Flüchtlinge durch das Catering im "Centrum Mensch".

Hintergrund dieser vorzeitigen Belegung der Unterroter Fabrik ist der anhaltende Flüchtlingsstrom in den Kreis Schwäbisch Hall mit durchschnittlich 94 Menschen pro Woche. "Eine gewaltige Herausforderung für den Landkreis", sagt der Leiter der Stabsstelle des Landrats, Steffen Baumgartner. Und die sei nur "im gemeinsamen Schulterschluss mit den Städten und Gemeinden" zu meistern.

Dabei geht es - Stand 20. Oktober - um derzeit insgesamt 1229 Flüchtlinge im gesamten Kreisgebiet. In Gaildorf kann gegenwärtig 172 Menschen Asyl gewährt werden, die Kapazitäten in Unterrot sind nicht mitgerechnet.

"Verdoppelung der Flüchtlingszahl in nur drei Monaten"

In diesem Zusammenhang verweist Baumgartner auf die Ankündigung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann Ende September, dass der Haller Landkreis dieses Jahr noch mit mehr als 360 Flüchtlingen pro Monat rechnen müsse. Das wären etwa 1000 Menschen im vierten Quartal - und damit "eine Verdoppelung der Flüchtlingszahl in nur drei Monaten", rechnet Baumgartner vor.

Das bringt den Kreis erheblich in Zugzwang, auch in personeller Hinsicht. Das Team des Amts für Migration hat alle Hände voll zu tun - oft "weit über die Belastungsgrenze", beobachtet Baumgartner. Um das wachsende Arbeitspensum schultern zu können, seien Mitarbeiter anderer Ämter zur Unterstützung abgeordnet worden. Permanent eingebunden in die Arbeit ist auch Landrat Gerhard Bauer, der die Flüchtlingsbetreuung zur Chefsache erklärt hat. Steffen Baumgartner: "Wir sind im Notfallmodus!"

Behörde muss schnell reagieren, wenn sich Lösungen anbahnen

Kommunikation Auf dem Landratsamt in Schwäbisch Hall lastet ein enormer Druck, was die Beherbergung von Flüchtlingen anbelangt. Dabei sind die Mitarbeiter der Behörde ständig auf der Suche nach Unterkünften und müssen daher, wenn sich Teillösungen anbahnen, auch schnell reagieren. Steffen Baumgartner vom Stab des Landrats wirbt deshalb auch um Verständnis, wenn nicht in jedem Fall sofort eine umfangreiche Informationsveranstaltung für Bürger anberaumt werde. "Wir können das machen, sobald wir verlässliche Informationen haben, die sachlich einwandfrei sind." Dann werde man sich unverzüglich an die betroffenen Kommunen wenden. Oft werde die Behörde selber erst spät darüber informiert, wann genau die nächsten Flüchtlinge gebracht werden.

Zwischenbilanz Landrat Gerhard Bauer wird laut Steffen Baumgartner in der nächsten öffentlichen Sitzung des Kreistags am kommenden Dienstag über die Entwicklung der Flüchtlingszahlen, die aktuelle Situation und die Planungen für das Jahr 2016 berichten.

KMO