Während am Sonntagabend die deutsche Fußballnationalmannschaft im Dortmunder Stadion auflief, trafen einige Dutzend am Thema Milch interessierte Besucher auf dem Völkleswaldhof ein. Gast war der niederländische Wissenschaftler Dr. Anthonie Baars. Der Experte hat, neben anderen Tätigkeiten, eine Professur für biologisch-dynamischen Landbau an der Universität Kassel inne.

Allergien oft auch in Ernährung begründet

Seine Teilnahme am Jubiläum "40 Jahre Demeter in der Molkerei Schrozberg" kombinierte er mit einem Besuch bei Pius und Anja Frey, die ihre Landwirtschaft ganz in seinem Sinne betreiben. Sein wissenschaftlicher Vortrag unter freiem Himmel drehte sich um die Themen Rohmilch, Ernährung und Gesundheit.

Vorab durften sich die Besucher von Abfüllanlage, Melkstand oder Ställen des Völkleswaldhofs selbst ein Bild machen. 50 Milchkühe stehen im Laufstall. Liege- und Fressplätze dürfen sie selbst aussuchen oder sich im Außenbereich bewegen. Die Betriebsgemeinschaft des Völkleswaldhofs bewirtschaftet 76 Hektar, wobei 66 Hektar Grünland sind. Eine artgerechte Tierhaltung liegt Anja und Pius Frey sehr am Herzen. Beispielsweise dürfen die Kälber drei Monate lang bei ihren Müttern bleiben.

Vor dreieinhalb Jahren hat der Betrieb damit begonnen, nicht die gesamte Milch an die Schrozberger Molkerei zu liefern, sondern einen Teil als Vorzugsmilch selbst zu vermarkten. Ein eigener Lieferservice versorgt die Kunden im Umkreis von 20 Kilometern mit dem melkfrischen Produkt. Die Standards an Sauberkeit bei Melken, Stall-, Futter-Hygiene und Kühlung sind hoch. Alle zwei bis drei Wochen erfolgt eine Kontrolle. Die Vorzugsmilch, die hier den Hof verlässt, darf roh verzehrt werden.

Professor Baars selbst ist Verfechter der Rohmilch. Er sieht darin einen wichtigen Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit. Dazu führte er diverse Studien unter Naturvölkern und in einem schweizerischen Bergbauerndorf mit seinen gesunden Kindern an. Wo die industriell verarbeitete Nahrung fehlt, hätten die Menschen nachweislich gute Zahnbögen und kaum Löcher in den Zähnen. Auch die Fruchtbarkeit der Frauen könnte damit zusammenhängen.

Den rasanten Anstieg von allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder auch von Asthma sieht Dr. Baars nicht nur in der Umwelt, sondern auch in der Ernährung begründet. Er verwies auch auf den Wert der Muttermilch, die ebenfalls unbehandelte Rohmilch ist und für den Aufbau einer guten Darmflora sorgt. Die Bewertung von Rohmilch habe sich komplett gedreht. Eine Zeit lang der Keime wegen als gefährlich eingestuft, käme sie jetzt unter besonderen Voraussetzungen als wertvolle Vorzugsmilch in den Direktverbrauch. Der Experte plädierte für regionale Produkte und ein gutes Verhältnis zur Landwirtschaft.