Friedrich der Große hätte seine helle Freude gehabt, wenn er das noch erlebt hätte. Seit mehr als 150 Jahren feiern viele Fritzen und Friedas ihm zu Ehren an ihrem Namenstag ein teilweise „liederliches Fest“, wie das der Adjutantenfritz (Friedrich Kircher) am Samstag im Ottendorfer Bürgersaal ankündigte.

Die „Fritzengesellschaft Gaildorf 1866 Limpurger Land/Oberes Kochertal und Frickenhofer Höhe“ fand sich zum 153. Mal zu diesem spektakulären Ereignis zusammen. Generalfritz Frieder Sanwald war ganz in seinem Element, ließ die Landfrauen wegen der Bewirtung hochleben, erinnerte an die vier verstorbenen Fritzen und an die Ereignisse, vor allem an den tollen Abend beim Kohlwaldtreffen und an den Ausflug ins Jagsttal. Den unbekannten Gesichtern im Saal versprach er eine baldige Namensänderung. Sein Adjutantenfritz unterstützte ihn bei der Moderation des Abends und blätterte ein wenig im Protokollbuch, das seit 1866 geführt wird.

Lange Geschichte

Der erste Teil des Treffens gestalte sich immer etwas trocken, doch nach der Pause steigere sich die Stimmung, wenn es „liederlich“ zugehe. Zwar ruhte der Betrieb während des Krieges, doch 1949 versammelten sich bereits wieder 24 echte und 12 neue Fritzen zum traditionellen Fritzenfest. Mit dem Lied „Im Märzen der Fritze sein Rösslein einspannt“ und mit einem Gedicht des verstorbenen Finanzfritzes (Fritz Feil) beendete der Adjutantenfritz seine Ausführungen.

Agentenfritz (Fritz Moßhammer) aus Laufen musste betrüblich feststellen, dass im vergangenen Jahr ein kleines Minus erwirtschaftet wurde, doch „a bissle sei noch in der Kasse“, beruhigte er die Gemüter.

Ehrungen gab es noch vor der Pause. Fritz Peter Blind aus Laufen erhielt eine Flasche Wein und fünf Fritzen/Friedas erhielten den Leistungsorden getreu dem Motto „Wer hat noch keinen Orden bekommen?“. Nach der Pause wurde es tatsächlich liederlich. Eine alte Sauwaage wurde in den Saal geschleppt, und zwölf neue Mitglieder wurden zunächst gewogen. Insgesamt kamen 2136 Kilogramm Fritzenfleisch zusammen, wobei der Knackwurstfritz (Helmut Seiss) aus Kupferzell 201 Kilogramm auf die Waage brachte. Mit 143 Kilo war dagegen der Bullenfritz (Jens Veinauer) aus Unterrot ein Leichtgewicht. Der Zeltfritz (Friedrich Dürr) aus Untergröningen lächelte dabei beim Hantieren mit den Gewichten ganz unschuldig und kommentierte: „Leichtgewichte gibt es bei uns nicht!“ Der Generalfritz wies darauf hin, dass die Waage von 1899 geeicht wurde und stellte ganz unbemerkt ständig seinen Fuß auf die Waage.

Nicht alle müssen Fritz oder Frieda heißen

Getauft wurde an diesem Abend natürlich auch. Geschwenkt von zwei starken Fritzenarmen wurde mit frischem Kocherwasser mit einer Klobürste das Gesicht ordentlich benetzt und manchmal auch das Hinterteil. Danach folgte das Hochlebenlassen und der Generalfritz besiegelte die Taufe mit einer innigen Umarmung. Übrigens, nicht alle müssen Fritz oder Frieda oder so ähnlich heißen, da ist die Fritzengesellschaft sehr locker. „Den Willigen verpassen wir schon einen passenden Namen.“

Mit ein Höhepunkt des Spektakels ist der Bärentanz, der dafür sorgt, dass etwas Geld in die Kasse kommt. Traditionell endet das Fest um Mitternacht. Bis dahin wurde unter der Regie von Goldsängerfritz Friedrich Frenz mit seiner Ziehharmonika fleißig gesungen, es wurden Witze erzählt oder Sketche aufgeführt. Diese humorvollen Beiträge werden in der Fritzensprache als „Dotengeschenke“ bezeichnet. Was bleibt noch zu sagen? Die Ottendorfer Sitzung reihte sich würdig in die ruhmreiche Geschichte der Fritzen ein.

Das könnte dich auch interessieren:

Ordensträger, Täuflinge und neue Fritzen


Orden: Glockenkarlesfritz (Karlheinz Vogelmann), Busfahrersfriedel (Brigitte Wieszt), Meniskusfritz (Dieter Fritz), Allroundfritz (Walter Bernhard Fritz) Motorsportfritz (40 Jahre, Fritz Wohlfahrt aus Göggingen)

Täuflinge: Fritz Steinbach aus Michelbach/Wald als Wengerterfritz, Kurt Friedrich aus Rosengarten als Rosengartenfritz, Friedrich Frenz aus Ilshofen als Goldsängerfritz, Gisela Kaiser aus Uttenhofen als Mähdrescherfriedl

 

Unechte Fritzen: Helmut Kaiser aus Uttenhofen als Joggerfritz, Gerda Engelhard aus Ilshofen als Jungbrunnenfriedel, Walter Engelhard aus Ilshofen als Putenfritz, Joachim Münch aus Ilshofen als Poetenfritz, Hans Buchhofer aus Gaildorf als Kocherbotenfritz, Helmut Seiss aus Kupferzell als Knackwurstfritz, Klaus Wahl aus Mögglingen als Reblausfritz, Jens Veinauer aus Unterrot als Bullenfritz