Es sind ganz ordentliche Kalkmengen, die da ab Sommer nächsten Jahres über die Wälder bei Bühlerzell und Bühlertann, Gaildorf, Sulzbach-Laufen, Fichtenberg und Mainhardt regnen werden. Pro Hektar Waldfläche werden etwa drei Tonnen Kalk per Hubschrauber ausgestreut. Was in den Wipfeln hängenbleibt, wird, spätestens wenns regnet, in den Waldboden hinab gewaschen.

Dem soll das gut tun - auch wenn manche Forstwirte und Waldbesitzer mittlerweile kritisch hinschauen. Vor Jahrzehnten wurde die Waldkalkung als sozusagen therapeutische Maßnahme gegen Umweltschäden eingeführt. Saurer Regen hatte Nährstoffe wie Calcium und Magnesium aus dem Waldboden gewaschen, die nun durch großflächige Kalkungen zurückgewonnen werden sollten - der dolomitische Kalk, der dabei verwendet wird, setzt sich aus Calcium und Magnesium zusammen.

Zwischenzeitlich wurden die Umweltbestimmung massiv verschärft, die Luft wurde sauberer und die Situation hat sich entspannt. Gekalkt wird allerdings weiterhin - vor allem, damit sich bereits geschädigte Böden wieder erholen können. Die Frage, ob dieser Aufwand noch sinnvoll ist, wurde am vergangenen Freitag auf einer gemeinsamen Tagung des Landesnaturschutzverbandes LNV und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA Baden-Württemberg diskutiert.

Dabei ging es unter anderem um die Auswirkungen von Bodenschutzkalkungen auf die Biodiversität, also die Artenvielfalt und die Vielfalt der Lebensräume, zu denen eben auch von Natur aus "saure" Standorte zählen, denen eine Bodenschutzkalkung eher schaden würde. Auf der Tagung gabs freilich Entwarnung: Die Mengen, die ausgestreut werden, seien zu gering, um einen von Natur aus sauren Boden zu neutralisieren, erklärte der stellvertretende LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner gestern auf Anfrage. Größere, ökologisch bedeutsame Flächen würden ohnehin nicht überflogen. Allerdings seien Unterschiede in den Verfahrensweisen deutlich geworden. Während in Bayern erst gekalkt werde, wenn Mängelerscheinungen sichtbar werden, gehe man in Baden-Württemberg eher präventiv vor.

Die Kalkungsbedürftigkeit werde nach den Vorgaben des Ministeriums Ländlicher Raum anhand von Karten der FVA festgestellt und durch Proben verifiziert, teilt das Haller Landratsamt mit. Im Landkreis Hall handle es sich um bis zu 4000 Hektar, die 2014 und 2015 gekalkt werden. Begonnen werde voraussichtlich im Juli/August 2014. Dieser Zeitplan gilt auch im Ostalbkreis. Hier wurden bei Unterkochen und Ellwangen etwa 1000 Hektar ausgewählt, wobei es sich überwiegend um Staatswald handelt.

Im Landkreis Hall sind alle Waldbesitzarten betroffen, der Staatsforst ebenso wie der kommunale und der Privatwald. Privatwaldbesitzer können sich über ihre Forstbetriebsgemeinschaften anschließen. Bezahlen müssen sie nichts: Die Kosten von 230 bis 260 Euro pro Hektar werden zu bis zu 100 Prozent gefördert.

Eine Teilnahmepflicht gibt es nicht. Waldbesitzer, die der Meinung sind, dem Wald sei durch eine nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung eher geholfen und die Waldkalkung diene vor allem den Interessen der Düngekalk-Hauptgemeinschaft DHG, können auch einfach "Nein!" sagen.