Günther Felßner ist bayerischer Milchpräsident und Martin Boschert geschäftsführender Vorstand der Hohenloher Molkerei. Beide versuchten im vollen Gaildorfer Kernersaal den Milchbauern der Region Antworten zu liefern. Dabei haben die beiden Referenten die Situation aus unterschiedlicher Sicht beleuchtet: Felßner aus Sicht der Erzeuger, sprich Milchbauern, Boschert aus Sicht der Vertreiber.

Es wurde auch klar, dass die zukünftige Aufgabenstellung schwierig ist, wie der bayrische Bauernverbandsfunktionär zu erklären versuchte. Zum einen erwarte der Konsument und Verbraucher ausreichende und günstige Lebensmittel, lehne dabei aber die Massentierhaltung ab, auf der anderen Seite erwarte man vom Milcherzeuger Kontinuität, Einsatzbereitschaft und Produktion - und das eben zu schlechten finanziellen Rahmenbedingungen. Felßner setzt sich deshalb nicht für einzelne Höfe ein, sondern für den gesamten Bauernstand. Schließlich müssen ja alle von etwas leben, so der Milchpräsident. Deshalb müsse Wertschöpfung erzeugt werden. Und wenn die Fläche begrenzt sei, dann müsse eben die Wertschöpfung erhöht werden. Und was man vor allem brauche, seien Mitarbeiter mit Visionen.

Dabei seien die Prognosen gut. Die Landwirte sollten sich auf eine steigende Nachfrage wegen der steigenden Zahl der Weltbevölkerung einstellen. Und dabei falle in jedem Jahr eine Fläche so groß wie die Bundesrepublik weg oder werde für regenerative Energie verwendet.

Die Zukunft der Milchwirtschaft erkennt Felßner in der Bündelung. Dabei wiederholte er den Appell an die Anwesenden: Milchbauern müssen an einem Strang ziehen. Ein großer Vorteil der Bündelung sieht er in der Tatsache, dass mit dem gemeinsamen Verkauf durch die größere Angebotsmenge ein höherer Preis erzielt werden kann. Außerdem komme es zu einer Verbesserung der Abnahmesituation und zur Auslagerung der Vertragsverhandlungen, die nun gemeinsam geführt werden können.

Eine weitere Zukunftsoption sieht Felßner im Export. Dazu müssten aber innovative Produkte hergestellt werden. Er zieht dabei einen Vergleich zur Autoindustrie: Was bei den bayerischen Marken Audi und BMW geht, müsste doch auch bei bayerischem Käse gehen.

Auf der anderen Seite ist er überzeugt, dass sich die Milchbauern, falls die Flächenverwertung über die Milchpreise nicht sichergestellt ist, nach Alternativen umsehen. Er nennt hier zum Beispiel Biogas oder Fleisch. So war sein Fazit auch nicht überraschend: Erschließung neuer Märkte und Stärkung der bisherigen Kernmärkte.

Das Thema Export wurde von Martin Boschert sofort aufgegriffen, wobei der Chef der Hohenloher Molkerei doch einige Überraschungen parat hatte. So sei das Hauptexportland für Magermilchpulver keinesfalls Asien, sondern die Niederlande, gefolgt von Italien und Ägypten. Ähnliches gelte für Käse, wo Italien vor Holland die Spitzenposition einnimmt. Dann folgen Russland, Spanien und Österreich. Nur bei der Molke könne China mitmischen. Hier liegen die Asiaten, allerdings mit deutlichem Abstand hinter Holland, auf Platz zwei, stellte Boschert fest.

Der Hohenloher Molkereichef hat durchaus Visionen: So gilt es vor allem die Vermarktungsstruktur zu verbessern und auszubauen. Was allerdings 2020 kommen wird, das vermag auch Martin Boschert nicht zu sagen.

Derzeit gibt es auf alle Fälle eine große Produktnachfrage aus Italien und der Käseexport sei auf einem seiner Höchststände. Kein Wunder also, dass die Hohenloher Molkerei, was die an die Milchbauern gezahlten Preise anbelangt, im Durchschnitt im Süden top ist.

Trotz der großen Informationsfülle gab es seitens der Milchbauern im Anschluss an die Vorträge noch großen Diskussionsbedarf, der dann auch rege wahrgenommen wurde, schließlich geht es ja nicht nur um die Zukunft eines ganzen Berufsstandes.