Naturstromspeicher Bauantrag wirft Fragen auf und wird vertagt

Gaildorf / Von Richard Färber 18.03.2017
Die Geländemodellierung westlich des Naturstromspeicher-Unterbeckens hat am Mittwoch den Technischen Ausschuss beschäftigt. Nun werden weitere Informationen gefodert.

Eine weitere Baustraße steht im Mai auf der Zu-erledigen-Liste der Naturspeicher GmbH. Sie soll parallel zur B 298 entlang des künftigen Unterbeckens in der Kocheraue gebaut werden und letztlich um den gesamten künftigen See herumführen. Entlang dieser Straße, die nach und nach wieder verschwinden wird, wird das künftige Ufer gesichert. Damit werden dann auch die Konturen des Unterbeckens sichtbar, das als Wasserreservoir des Naturstromspeichers dienen wird. Mit dem Aushub selbst soll erst im August begonnen werden.

Wozu dient die neue Zufahrt?

Die Baugenehmigung steht allerdings noch aus. Der Bauantrag lag am Mittwoch dem Technischen Ausschuss vor, wurde aber wegen einiger offener Fragen vertagt. Knackpunkt war die neue Zufahrt zum Ein- und Auslassbauwerk, das zwischen Unterbecken und Pumpspeicherkraftwerk geschaltet wird. Sie führt über die Goe­thestraße und die Straße „Im Flürle“ hinab zur Kocheraue. Und aus dem Bauantrag geht nicht hervor, in welchem Umfang der Weg durchs Wohngebiet genutzt werden soll.

Die Bedenken der Gemeinderäte betreffen nicht die sporadische Nutzung der Zufahrt als Betriebsweg für Technik- und Wartungspersonal, sondern die mögliche Nutzung beim Bau des Unterbeckens, das 300 mal 150 Meter groß und viereinhalb Meter tief werden soll. Von den 220.000 Kubikmetern, die beim Aushub  anfallen sollen, wird zwar ein Großteil für die Geländemodellierung genutzt, etwa 60.000 Kubikmeter aber verbleiben für den Abtransport.

Die Geländemodellierung ist in zwei Bauabschnitten geplant. Begonnen wird mit dem größeren Abschnitt in Richtung Unterrot. Der zweite Abschnitt schließt nördlich an und wird schließlich auch die bereits bestehende Zufahrt zur Nordseite überdecken. Die Fragen der Ausschussmitglieder, die den Plan ausführlich studierten, galten vor allem der Zeit danach: Auf welchem Weg wird eventuell noch anfallender Aushub abtransportiert, wenn die jetzige Zufahrt zur Kocheraue verschwunden ist?

Dem Plan sei lediglich zu entnehmen, dass die Goethestraße als Zufahrt bleibe, sagte Heinrich Reh. Bevor er zustimmen könne, müsse daher geklärt werden, wozu diese Zufahrt konkret benötigt werde: Sollen Baufahrzeuge durchs Wohngebiet fahren? Frank Stettner argumentierte ähnlich: Gegen eine Nutzung ausschließlich durch Wartungsfahrzeuge sei nichts einzuwenden, sagte er, allerdings sollte dies auch aus dem Bauantrag ersichtlich sein.

Modellierung spart Kilometer

Die Idee, das Gelände westlich des künftigen Unterbeckens mit Aushub zu modellieren, ist erst im vergangenen Jahr entstanden. Sie war daher auch nicht Bestandteil der ursprünglichen Planung und der Baugenehmigung, die am 25. April 2014 erteilt wurde. Aus diesem Grund ist ein weiterer Bauantrag nötig. Weil ursprünglich der komplette Aushub abgefahren werden sollte, werde sich die Zahl der zu fahrenden LKW-Kilometer nun drastisch von 577.000 auf 21.000 reduzieren, erklärte Projektentwickler Alexander Schechner im November im Gemeinderat.

Schwimmende Heizung

Fernwärme Aus den Überlegungen zur Gestaltung des Unterbeckens hat sich auch die Idee des Naturwärmespeichers entwickelt. Es handelt sich um einen schwimmenden Wärmetauscher, der die Differenzen in der Umgebungstemperatur nutzt. Sollten sich Abnehmer für Fernwärme finden, können solche Module später auch im Gaildorfer Unterbecken schwimmen. Die Naturspeicher GmbH hat das Patent mittlerweile bei etlichen Fachmessen vorgestellt.

Kunden Die Technologie werde mittlerweile auch schon von zwei privaten Bauherren genutzt, berichtet Naturstrom-Pressesprecherin Marie-Luise Stepping. Sie seien durch die klassische Mund-zu-Mund­- Propaganda beziehungsweise durch einen Wärmepumpenhersteller auf diese neue Form der Wärmegewinnung aufmerksam geworden. Nun warte man auf deren Erfahrungsberichte.

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