Mobilität Bahn muss Verlegung des Zugverkehrs auf Gleis 1 prüfen

Der junge Mann sitzt am Bahnsteig 2 im Bahnhof Gaildorf-West. Die Züge halten am Gleis 2. Es ist ausschließlich über zwei Treppen und eine Unterführung erreichbar. Damit ist der Bahnhof nicht barrierefrei und für Menschen mit Gehbeeinträchtigung mühsam erreichbar.
Der junge Mann sitzt am Bahnsteig 2 im Bahnhof Gaildorf-West. Die Züge halten am Gleis 2. Es ist ausschließlich über zwei Treppen und eine Unterführung erreichbar. Damit ist der Bahnhof nicht barrierefrei und für Menschen mit Gehbeeinträchtigung mühsam erreichbar. © Foto: Cornelia Kaufhold
Gaildorf / Cornelia Kaufhold 15.09.2018
Ist das Konzept der Zukunftswerkstatt Gaildorf für einen barrierefreien Bahnhof umsetzbar? Die Abgeordnete Niemann hakt in Stuttgart nach.

An Gleis 1, dem Hausbahnsteig, halten planmäßig keine Züge mehr. Es dient durchfahrenden Zügen in Richtung Hessental. Die Fahrgäste poltern mit Rollator oder Kinderwagen über eine Treppe, auf der davor lediglich Glasscherben lagen, durch eine neu getünchte Unterführung und eine zweite, aktuell spärlich begrünte Treppe zum Gleis 2. Die Schmierereien an den Wänden der Unterführung sind zwischenzeitlich überpinselt.

Gleis 1 soll das Hauptgleis werden, sagt Hans Rzesnitzek von der Zukunftswerkstatt. Dieser Arbeitskreis Gaildorfer Bürgerinnen und Bürger hat sein Konzept der Bahn AG vorgelegt. Anhand von Luftaufnahmen hat er das Areal vermessen und kam zum Schluss: Die Barrierefreiheit über Gleis 1 wäre die vernünftigste Lösung. „Vergessen wir nicht, dass der Bahnhof behindertengerecht und auch für ältere Menschen problemlos erreichbar sein sollte“, sagt Gabi Schagemann, Sprecherin der Zukunftswerkstatt.

Gleis 1 verlängern

Die Grünen-Abgeordnete Jutta Niemann fragte im Verkehrsministerium Stuttgart nach der Umsetzbarkeit dieser Vorschläge. Gleis 1 müsste verlängert werden, räumt das Ministerium ein. Gleis 1 könne durchaus länger angelegt werden als das derzeit überwiegend genutzte Gleis 2, räumt Hans Rzesnitzek ein. Der Ausbau auf eine künftig nutzbare Länge von 180 Metern sei möglich. „Die tatsächliche Zeitverzögerung nach entsprechenden Umbauten läge dann nur noch im Sekundenbereich“, sagt Rzesnitzek.

Güter- und Fernreisezüge könnten dann weiterhin Gleis 2 durchfahren, auf Gleis 1 und 3 „könnten in diesem Fall alle Züge ausweichend warten“, meint Rzesnitzek. Und dann habe der Bahnhof „drei gleichwertige Gleise.“ Wobei Gleis 1 „immer, wenn möglich, als Hauptgleis genutzt werden sollte“, meint die Zukunftswerkstatt. Das Verkehrsministerium räumt ein, dass der Bahnsteig „aufgehöht und ein Blindenleitsysten installiert“ werden müsste. Das Ministerium bringt auch einen Aufzug für Gleis 2 und 3 ins Gespräch, ein bereits in der Vergangenheit diskutierter Vorschlag, den Gabi Schagemann für „überflüssig“ hält. „Es ist doch viel einfacher, aufs Gleis 1 umzusteigen.“

„Bahn in Verantwortung“

Angesichts der Reisegästezahlen sei ein Aufzug für die DB Station & Service AG „nicht standardmäßig vorgesehen“ und allenfalls dann realisierbar, wenn sich die Stadt Gaildorf finanziell an den Kosten beteiligt. Bürgermeister Frank Zimmermann winkt ab: „Als Eigentümer des Bahnhofs ist die Bahn in der Verantwortung, ihre Bahnhöfe so zu gestalten, dass auch Menschen mit Einschränkungen Bahn fahren können.“

Es sei ihm „ein besonderes Anliegen“, dass der Bahnhof Gaildorf funktionsfähig ist und die Anbindung Gaildorfs an die Region Stuttgart für die Bahnreisenden von und nach Gaildorf gewährleistet wird. „Deshalb hat sich die Stadt auch 2016 um einen Sanierungszuschuss im Programm Sanierung kleiner Bahnhöfe beworben, wurde aber damals nicht berücksichtigt“, bedauert Zimmermann. Der Rathauschef steht voll hinter der Forderung der Zukunftswerkstatt nach einem barrierefreien Bahnhof.

Das Verkehrsministerium hat die Bahn AG aufgefordert, die Verlegung der Züge und eventuelle Zeitverzögerungen aufgrund geringerer Einfahrtgeschwindigkeiten auf Gleis 1 zu prüfen. Um fundierte und gesicherte Kostenschätzungen und Aussagen zu möglichen auftretenden Probleme machen zu können, seien entsprechende Planungen erforderlich, so Minister Winfried Hermann in seiner Antwort an Jutta Niemann.

Land zahlt die Hälfte

Er verliert auch ein Wort zu den Kosten: „Grundsätzlich kommt bei Vorliegen der haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für die Investitionskosten eine Förderung durch das Land nach dem LGVFG in Betracht.“ Sebastian Karg vom Büro Niemann übersetzte: „Nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz kommen 50 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten vom Ministerium, den Rest müsste die Kommune zahlen.“ Und die Bahn AG? „Die beteiligt sich normaler­weise gar nicht an den Kosten.“

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