Bei der jüngsten Sitzung der Gemeinderats Michelbach am Mittwoch hatte Bürgermeister Werner Dörr für einen weiteren Informationsaustausch Harald Schneider und Hermann Vogel von der Firma Leonhard Weiss eingeladen. Auch der juristische Beistand der Gemeinde Rechtsanwalt Reinhard Heer war anwesend. Umfassend wurde nochmals über das geplante Prozedere informiert: Derzeit stehe noch nicht fest, ob die Firma Leonhard Weiss überhaupt den Zuschlag für ihr Angebot bekomme. "Das läuft noch", stellte Hermann Vogel fest. Natürlich hoffe die Firma, dass sie die 1,8 Millionen Tonnen sogenanntes Umschlagmaterial in den Steinbruch bringt. Außerdem betonte Vogel: " Wir wollen das Projekt mit der Gemeinde und den Bürgern bestmöglichst abwickeln."

Die Aktion soll vier Jahre dauern

Die aktuelle Planung der Bahn sehe vor, dass der Aushub vom Großprojekt im Stuttgarter Hauptbahnhof bis nach Kornwestheim transportiert wird. Dort soll er auf bahneigene Container verladen und per Zug unter anderem an den Standort nach Wilhelmsglück gefahren werden. Am dortigen Bahnhof sollen die Container auf Lkw umgeladen und im Steinbruch geleert werden. Die Experten gehen von zwei Zügen pro Tag aus. Jeder Zug ist 420 Meter lang, jeder Zug hat 40 Container geladen. Die Aktion ist von 7 Uhr bis 19 Uhr beschränkt und findet an allen Werktagen statt. In Wilhelmsglück sollen vier Lkw im Einsatz sein. Die Aktion soll 2014 beginnen und vier Jahre - also bis 2018 - dauern.

Rechtsanwalt Heer stellte eine Stellungnahme der Gemeinde vor, die dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde vorgelegt werden soll. Er fragt beispielsweise, ob die geplante Nutzung mit der bestehenden Genehmigung rechtlich vereinbar sei. Eine geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung sei laut Landratsamt nicht erforderlich, da keine Beeinträchtigungen zu erwarten seien. In diesem Zusammenhang rief Heer die betroffenen Grundstückseigentümer und Anlieger auf, sich mit ihren Belangen direkt ans Landratsamt zu wenden; die Gemeinde könne nicht die Rechte aller Betroffenen vertreten. Auch warnte der Anwalt für Verwaltungsrecht davor, dass nach der Firma Leonhard Weiss andere Auffüller für den Steinbruch in Erscheinung treten könnten. Deshalb sei Vorsicht bei der Genehmigung angebracht. Er empfiehlt eine zeitlich limitierte Genehmigung.

Auch auf diesen Zug sprangen die Gemeinderäte auf, Ängste vor Lärm und Staub wurden wiederholt angesprochen. Wolfgang Schickner, nach eigenen Angaben an einem Bahnhof aufgewachsen, kennt die Situation: "Rangieren bei Nacht ist granatenmäßig laut." Er hält die Lösung mit Containern für die emissionsträchtigste und schlug ein zweites Gleis vor, für den Fall, dass Probleme aufträten. Das sei nicht finanzierbar, kam als Antwort. Bernhard Gerber schlug den Bau einer Schallschutzwand vor, so die vorgegebenen Richtlinien nicht eingehalten würden. Harald Schneider beruhigte ihn: "Wir gehen davon aus, dass das nicht eintritt. Entweder es geht oder es geht nicht. Das Landratsamt entscheidet. Der Entladebereich ist befestigt, die Container sind abgedeckt. Wir sorgen für gekehrte Straßen."

Auch die Frage nach einer zeitlich befristeten Sondernutzungsgebühr für die Straße wurde gestellt. Rechtsanwalt Heer beschied, das sei rechtlich möglich.

Einstimmig wurde beschlossen, die Stellungnahme der Gemeinde mit den erarbeiteten Ergänzungen an die Genehmigungsbehörde im Landratsamt weiterzuleiten.