Gaildorf / KARENA HÄFNER  Uhr
Die Sonne an diesem Juliabend scheint noch mit voller Kraft und Wärme. Die Luft ist trocken im Kohlwald. Sie riecht nach reifem Getreide, Staub, Holz. Die Grillen zirpen. Wer an diesem Freitagabend hier mitmacht, hat eine Arbeitswoche hinter sich. Aber das zeigt niemand.

Wer an diesem Freitagabend hier mitmacht, hat eine Arbeitswoche hinter sich. Aber das zeigt niemand. Wasser, Bier und Apfelschorle stehen in einem Regenfass unter dem Apfelbaum auf der gegenüberliegenden Seite des Feldwegs. Es ist nun gegen 20 Uhr. Säge, Beil und Spalter ruhen. "Plopp" - "plopp" - "plopp". Nach viel Wasser für den Durst zwischendurch gönnen sich einzelne Helfer einen Schluck Gaildorfer Häberlen-Bier. Und Zeit zum Verschnaufen. Die Blicke streifen immer wieder zum kleinen Holzhaufen in der Mitte, das bisherige Ergebnis ihrer gemeinsamen Arbeit.

Vom Wunsch nach Feierabend spricht niemand. Warum auch! Es ist Sommer. Es ist hell. Zehn Minuten später springt die Säge wieder an. Jeder macht weiter. Weil er es will. Sie alle haben Spaß. Ein gemeinsames Ziel. Und machen weiter, bis der Himmel sich vom hellen Blau ins Dunkle verfärbt und im Westen nur noch ein gelber Streifen zu sehen ist.

Rote Würste brutzeln schon auf dem Schwenkgrill. Wer arbeitet, soll auch essen. Diana Müller hat mitgeholfen, an der Grillstelle auf dem Spielplatz am Ortsrand von Kohlwald-Hof ein Feuer zu entfachen. Die Meilerbauer der Landjugend scharen sich um die Grillstelle. Der Feuerschein bringt Licht und Gemütlichkeit. Dietmar Stiefel dreht den Schwenkarm des Grills, damit die Würste über den Flammen nicht schwarz werden. Ketchup, Senf, Brötchen, Getränke stehen im offenen Kofferraum. Alle werden satt. "Morgen früh treffen wir uns um halb acht", verkündet Martin Stadelmaier. Zustimmendes Murmeln.

Eine Woche Dienst am Meiler – Tag und Nacht

Am Samstagmorgen treffen sich die Helfer erneut. Der Meiler wächst. Zwischenräume auffüllen, ist heute wichtig. Kleinste Hölzer werden in die Zwischenräume geworfen, bis kein Stück mehr hineinpasst. "Du kannst hören, wie die Spächtele ganz runter fallen", sagt Sonja Altvater, die immer wieder solche hineinwirft. Später steigt sie hinauf und stopft die Zwischenräume von oben. Von allen Seiten bekommt sie kleine Spächtele gereicht. Teamarbeit. Ohne solche geht es nicht.

Holz zu zerkleinern überlassen die Frauen heute nicht den Männern. Mit kleinen Beilen übernehmen auch Diana Müller und Katja Waldenmaier diese Aufgabe. Andere legen große Stücke von außen an. Der vorletzte Ring ist erreicht: Dreieinhalb Meter Durchmesser hat der Meiler nun. "Vier Meter müssen es werden", kündigt Klaus Sanwald an und geht ein paar Schritte vom Meiler weg. Das Kinn in die Hand gestützt, nimmt er Augenmaß: "Damit er später stabil ist und gleichmäßig brennt, muss er gleichmäßig geschichtet sein!"

Damit der Meiler Stabilität bekommt, "spaxt" Marius Beißwenger mit dem Akkuschrauber kleine Querhölzer auf den Rost.

21. Juli: Klaus Sanwald und fünf angehende Forstwirte schließen den Meiler. Mit nassem Heu stopfen sie von außen die letzten Ritzen zwischen den Stämmen, Büschel für Büschel. Gegen 20 Uhr ist aus dem hölzernen Meiler optisch ein Heuhaufen geworden.

In einem Mörtelkübel mischen die fleißigen Helfer Lösche und Wasser: Schaufel in den Bottich und die Masse mit Schwung auf den Meiler werfen. Masse verstreichen. Schaufel in den Kübel, Schwung, anwerfen. Damit sie von zwei Seiten angeworfen werden kann, wird eine weitere Lösche in einer Schubkarre angerührt. Einen Meiler zu bauen, das verlangt Geduld. Nach zwei Stunden ist alles abgedeckt.

Lösche ist ein schwarzes Gemisch aus Asche und Sand, sieht aus wie schwarze Blumenerde. "Die Lösche habe ich auf einer alten Köhlerplatte im Wald bei Gschwend gefunden", berichtet Sanwald. Er greift in den schwarzen Haufen Erde, fischt ein Stück Holzkohle heraus, bricht es entzwei. "Holzkohle aus Buche hat einen hellen Klang, wenn man sie bricht. Diese Stück ist vielleicht 150 Jahre alt", sagt er.

Die Lösche ist sozusagen der Mörtel auf dem Meiler. Sanwald träufelt ein wenig Wasser auf seine Hand voll Lösche und verreibt das Ganze. Es entsteht eine schwarze Matsche. Sie dichtet den Meiler luftdicht ab, bildet später die äußerste Schicht. Damit sie hält und nicht abrutscht, wird er sie regelmäßig mit Wasser besprengen . . . Eine Woche ruht der Meiler nun unter einer Folie - als Schutz vor Sommergewittern und Regengüssen.

1. August - am Abend wird es spannend: Klaus Sanwald entfacht das Feuer, nachdem er oben ein Loch im Meiler geöffnet hatte. Eine Woche lang ist er jetzt Hüter des Meilers. Als Köhler hat er in dieser Zeit Dienst - Tag und Nacht.

Anders als die alten Köhler Mitte des 19. Jahrhunderts weiß Klaus Sanwald noch nicht genau, wie erfolgreich die Holzkohleherstellung sein wird. Am großen Kohlwaldfest der Landjugend, das morgen Abend beginnt, soll nun der Meiler eröffnet werden. Dann lässt sich auch ermitteln, wie viele Arbeitsstunden, ob tagsüber oder nachts geleistet, ein Kilo schwarzes Gold im Jahr 2014 kostet.