Oberrot Aus dem Leben einer Forscherin

Maria Fassbender freut sich über den guten Besuch in ihrem geschichtsträchtigen Haus in Oberrot.
Maria Fassbender freut sich über den guten Besuch in ihrem geschichtsträchtigen Haus in Oberrot. © Foto: Brigitte Hofmann
Oberrot / Brigitte Hofmann 15.05.2018
Das Äskulap-Infozentrum in Oberrot startet mit einer neuen Sonderausstellung rund um ein heikles Thema in die Saison 2018.

Was Maria Fassbender auszeichnet, ist der unermüdliche Einsatz für ihr kleines, aber feines Museum in der Ortsmitte von Oberrot. Zwei lange Tischreihen im Obergeschoss des Äskulap-Infozentrums sind derzeit reich bestückt mit Material zur neuen Sonderausstellung „Politik – Wissenschaft und Forschung – Pharmaindustrie = Gesundheitsindustrie“. In dieser Gesundheitsindustrie gehe es nur ums Geldverdienen, prangerte die Museumsbesitzerin in ihrem einführenden Vortrag am Sonntag an. Der Mensch sei zur Ware geworden. Deshalb sei es ihr ein Anliegen, dieses harte Thema aufzugreifen und aufzuzeigen, wie Forschung und Pharmaindustrie Hand in Hand gingen.

Festgemacht hatte sie ihre Ausführungen am Schicksal ihrer Schwester, der Ärztin und Wissenschaftlerin Dr. Edeltraud Böltz. Deren Wirken gab auch den Ausschlag dafür, dass Maria Fassbender, die in Schwäbisch Gmünd lebt, in ihrem Geburtshaus in Oberrot 2000 Jahre Medizingeschichte mit viel Liebe und Leidenschaft thematisiert und dokumentiert.

Dr. med. Edeltraud Böltz wurde am 13. Oktober 1950 in Oberrot geboren. Sie arbeitete zunächst als Pharmazeutische Assistentin, setzte dann ein Studium drauf und ging in die Forschung. Als sie 1993 an einem renommierten Institut für molekulare Medizin in Ostberlin eine Anstellung bekam, glaubte sie, das große Los gezogen zu haben. Doch das sollte sich als Trugschluss herausstellen. Am 1. Januar 1994 übernahm sie eine Arztpraxis in Montabaur. Sie erkrankte an Krebs, die Patienten blieben weg und einen Weg zurück in die Forschung sah sie nicht.  Am 8. Oktober 1997 nahm sie sich das Leben.

Gründe dafür sieht Maria Fassbender darin, dass sich andere die Forschungserfolge ihrer Schwester zu eigen machten, sie Fälschungsdelikten auf der Spur und Rufmord-Kampagnen ausgesetzt war. Sie sieht ihren Verdacht dadurch erhärtet, dass im Nachlass ihrer Schwester drei Ordner mit Formeln aufgetaucht waren. Dass ihr die gebührende Anerkennung zu Lebzeiten versagt blieb und sie in Oberrot gar als Geldverschwenderin angesehen worden sei, schmerzt Maria Fassbender bis heute.

Platz zum Austausch

Die Eröffnung der Sonderausstellung fiel mit dem Internationalen Museumstag zusammen, der in diesem Jahr unter dem Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ stand. Museen seien ideale Orte, um sich kennenzulernen, böten Gesprächsstoff und Platz zum Austausch, heißt es in der Ausschreibung. Maria Fassbender konnte dafür nicht nur ihr geschichtsträchtiges Haus, sondern auch ihren reich bepflanzten Kräutergarten anbieten. Dass sich neben ihrem treuen Freundeskreis und Gästen von weiters her auch der Oberroter Bürgermeister Daniel Bullinger und sein Fichtenberger Amtskollege Roland Miola mit ihren Partnerinnen eingefunden hatten, freute die Gastgeberin ganz besonders.

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