Obwohl der kalte Wind durchs Kochertal pfeift, strahlen sie mit der Sonne um die Wette: Bröckinger Bürger sind an diesem frühlingshaften Donnerstag zum alten, inzwischen wegen Baufälligkeit gesperrten Fußgängerbrückle nahe der Auchtwiesen gekommen, um etwas zu feiern: Dieser kleine Steg, der eigentlich ersatzlos abgerissen werden sollte, kann durch einen Neubau ersetzt werden. Denn die Stadt Gaildorf darf mit Geld aus dem Leader-Förderprogramm rechnen.

Reihe von Hiobsbotschaften

Dieser Erfolg hat viele Mütter und Väter: zunächst die Bürgerinnen und Bürger, die sich für den keineswegs selbstverständlichen Erhalt der Fußwegverbindung über den Kocher stark machen. Sie haben gleich reagiert, als eine schlechte Nachricht im Dorf für Aufregung sorgte: Im Rahmen der regelmäßigen Brückenkontrollen, zu denen die Stadt verpflichtet ist, haben im Jahr 2016 Fachleute festgestellt, dass der Steg nicht mehr sicher ist. Die sogenannten Holzauflager an den Seiten sind marode, weshalb die Brücke abgekippt ist.

Gaildorf

Das war damals die erste Hiobsbotschaft, der gleich die zweite folgte, wie Andrea Ingrisch, Leiterin des städtischen Liegenschaftsamts, zu berichten weiß: Die verfaulte Holzkonstruktion müsste komplett ab- und danach wieder neu aufgebaut werden. Aus Sicherheitsgründen wurde der Überweg gesperrt. Der ersatzlose Abriss stand bevor.

Womit die Bröckinger, die seit Generationen das Brückle nutzen, gar nicht einverstanden waren. Sie organisierten eine Unterschriftenaktion, an der sich fast 400 Menschen beteiligten. Und weil sie erfahren hatten, dass ein Neubau am Geld scheitern würde, flossen Spenden. Vereine, Feuerwehr und Privatpersonen engagierten sich, wie Gerhard Horlacher berichtet.

Mit einer derartigen Aktion hatte die Stadtverwaltung nicht gerechnet. Auch war man sich im Rathaus offenbar der Tatsache nicht bewusst, dass die eher unscheinbare Brücke eine wichtige Verbindung zwischen dem Dorf und dem Naherholungsgebiet auf der anderen Kocherseite ist – und das seit Menschengedenken.

Alter Traditionsweg

Mehr noch: In der ältesten bekannten Flurkarte, die aus dem Jahr 1831 stammt und von einem Geometer namens Müllerschön gefertigt wurde, ist bereits eine Brücke über den Fluss eingezeichnet – zwischen den „Stegäckern“ und der „Stegwiese“. Diese alten Flurnamen deuten darauf hin, dass es dort schon immer einen Steg gegeben hat.

Für Andrea Ingrisch ein Indiz dafür, dass es sich hier um einen „alten Traditionsweg“ handle, der abseits der stark befahrenen Bundesstraße nach wie vor von Familien mit Kindern, aber auch älteren Bröckingern genutzt wird, von Menschen, die auf kurzem Weg in die naheliegende Natur gelangen wollen. Auf einen Steg zu verzichten, ist nun auf dem Rathaus kein Thema mehr.

Was zunächst blieb, war die Erkenntnis, dass die rund 80 000 Euro, die für Abriss und Neubau nötig wären, schlicht nicht vorhanden sind. Fieberhafte Überlegungen führten schließlich dazu, dass die Stadt einen Antrag über die Leader-Aktionsgruppe für die Regionalentwicklung im Schwäbischen Wald stellte.

Dann ging alles Schlag auf Schlag: Nach Fristende am 7. März trat die Leader-Aktionsgruppe bereits am 28. März zusammen, um über die Auswahl der beantragten Projekte zu befinden. Gleich danach durfte sich Andrea Ingrisch über eine Nachricht freuen: Das Steg-Projekt wurde in die Liste für eine Leader-Antrag­stellung aufgenommen. Einem konkreten Antrag ans Regierungspräsidium Stuttgart auf Fördermittel aus dem Leader-Programm – mit Aussicht auf Erfolg! – steht nichts mehr im Weg.

Schnäpsle zur Feier des Tages

Ein sichtlich zufriedener Bürgermeister Frank Zimmermann, der sich zum Ortstermin mit der kleinen und gut gelaunten Bürgerdelegation am gesperrten alten Brückle versammelt, hat das Antragsschreiben mitgebracht. Er freue sich sehr über den sich jetzt abzeichnenden Erfolg. Vor allem aber dankt er den Bröckingern für deren Initiative zum Erhalt des wichtigen Kocherüberwegs. Zur Feier des Tages genehmigt sich die versammelte Runde noch ein Schnäpsle, um auf ein gutes Gelingen anzustoßen.

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Der erste Hinweis stammt aus dem Jahr 1831


Das Alter des kleinen Kocherstegs unweit des Ortsrands von Bröckingen lässt sich nicht genau ermitteln. Die Fundamente ähneln in ihrer Bauart denen der Kirchwegbrücke bei Münster. Und diese sollen im Zuge der Kocherbegradigung in den 1930er-Jahren gebaut worden sein. Der älteste Hinweis auf die Bröckinger Kocherquerung ist auf einer 1831 angefertigten Flurkarte eingezeichnet. Der hölzerne Steg ist in den vergangenen Jahren immer wieder ausgebessert worden, was nun aber nicht mehr möglich zu sein scheint. kmo

Info Wie Gerhard Horlacher berichtet, gibt es am 14. Juli ein Festle, dessen Erlös zur Finanzierung der Brücke beitragen soll.