Gaildorf Auf der Suche nach Nischen für Pflanzen und Insekten

Bei der Exkursion lernen die Gemeinderäte Martin Zecha und Axel Spix ihnen bislang unbekannte Pflanzen kennen.
Bei der Exkursion lernen die Gemeinderäte Martin Zecha und Axel Spix ihnen bislang unbekannte Pflanzen kennen. © Foto: weso
Gaildorf / Werner Schmidt 11.07.2018
Mit knapp zehn Interessierten unternimmt Karl-Heinz Johe vom Nabu Gaildorf eine Exkursion zu unterschiedlichen Wiesen.

Die mageren Wiesen bieten mit zahlreichen Blumen und Insekten einen Augenschmaus, die fetten Wiesen dagegen füllen zwar den Magen des Viehs, bieten dafür aber nur eine magere Ausbeute an Blütenvielfalt und Buntheit. Bei der Exkursion zu unterschiedlichen Wiesentypen am Samstag kamen vor allem die Probleme zur Sprache, die es bei der Entsorgung des Rasenschnitts derzeit gibt: Biomüll oder gar Sondermüll? Jedenfalls ein großes Problem, denn am Häckselplatz darf das geschnittene Gras in großen Mengen nicht abgegeben werden. Ein Problem, das angesprochen und auch politisch auf Landesebene geklärt werden müsse, wenn die Kommunen ökologisch sinnvoll handeln sollen, sagte Johe. Es handele sich in diesem Fall um eine landesweite Regelung und in jedem Kreis, in jeder Gemeinde stünde der Gartenbesitzer vor demselben Problem. Das sich aber auch gleich erweitert: Oft ginge es beim Schnitt der Gemeindewiesen um „schnell und billig“ –  die „Pflege“ dürfe nicht viel kosten. Weder an Zeit noch an Geld. Daher sei man zum Mulchen übergegangen, wobei der Grasschnitt gehäckselt werde und liegen bleibt. Für die bunte Wiese das Todesurteil. Zum einen werde sie durch den verrottenden Grasschnitt im Lauf der Zeit überdüngt. Zum anderen nehme der Schnitt vielen Pflanzen das Licht zum Wachsen, sodass nur bestimmte, kräftige Pflanzen sich durchkämpfen könnten. Die Exkursion begann an der Hohbühlhalle in Eutendorf, wo die Gemeinde dem Nabu eine Rasenfläche zur Verfügung stellte. Diese hat sich inzwischen zu einer Magerwiese mit zahlreichen Schmetterlingen und Blumen entwickelt, die man sonst kaum noch zu sehen bekommt: Das Widderchen schwirrt umher, kollidiert fast mit dem Bläuling, dazwischen sucht sich der Schachbrettfalter seinen Weg und die Kohlweißlinge sind auch nicht zu übersehen.

Fast nur noch Kulturlandschaft

„Jeder Schmetterling hat seine Nahrungspflanze“, erklärte Johe. Verschwindet diese Pflanze, verschwindet über kurz oder lang auch der zugehörige Schmetterling. Neben diesen Schmetterlingen hat sich zum Beispiel auch die Kartäusernelke angesiedelt, daneben Natternkopf, Dornige Hauhechel, Skabiosen-Flockenblume, Feld-Thymian, Echtes Labkraut und viele andere. Vor allem die geschützte Kartäusernelke gilt als Heilpflanze, die seifige Bestandteile enthält. Mönche und Nonnen verwendeten sie früher auch gegen Muskelschmerzen und Rheuma.

Heute ist die Pflanze weitgehend von den Wiesen verschwunden, da sie eine Mahd vor August nur schlecht verträgt und schließlich verschwindet: „Wir haben heute fast zu 100 Prozent Kulturlandschaft, deren Pflege in der Vergangenheit die Artenvielfalt ermöglicht hat und kaum noch Naturlandschaft“, sagte Johe. Daher wurde bei der Exkursion auch gleich nach Stellen gesucht, die für eine Umwandlung in eine Naturwiese infrage kämen. Manche Raine und Straßenböschungen wären geeignet, um daraus Magerwiesen zu machen. Vorausgesetzt, das Vorhaben kollidiert nicht mit Fragen der Verkehrssicherheit.

Die Führung endete in der Wacholderheide auf der Wacht, die den Exkursionsteilnehmern als Vorbild für die Anlage und Pflege von Magerrasen angesehen werden kann.

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