Gaildorf / Reinhold Haring Matthias Rebel verriet den Gaildorfer Senioren, wie einst die Grafen von Pückler ins Zentrum des Limpurger Landes kamen.

Die Plätze im Kernersaal waren fast alle besetzt, als Peter Demand sein Begrüßungslied anstimmte. Besonders freute ihn, dass die Teilnehmerzahlen im vergangenen Jahr stetig gewachsen sind. Ein Zeichen dafür, dass sich Gaildorfs Senioren bei dieser Veranstaltung wohlfühlen und dazu noch vieles erfahren können.

So zum Beispiel, wie die Grafen Pückler nach Gaildorf gekommen sind. Als Referent konnte Matthias Rebel gewonnen werden, der seit 16 Jahren Geschäftsführer der „Graf von Pückler und Limpurg’schen Wohltätigkeitsstiftung“ ist. Der lange Name hat natürlich Geschichte und besteht aus zwei Teilen: Pückler und Limpurg. Und da es in Gaildorf doch einige Experten in Sachen Limpurger Geschichte gibt, hat sich Matthias Rebel auf die Pücklersche Geschichte konzentriert, zumal er als leitender Mitarbeiter auch Zugang zum Familienarchiv hat.

Zwar kennen viele noch Graf Gottfried, der sich als Gaildorfer gefühlt hat und als einziger der Verwalter der Pückler-Dynastie nicht in der Familiengruft auf dem Stammsitz Burgfarrnbach bei Fürth, sondern in Gaildorf seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Aber woher stammen seine Vorfahren? Und haben die etwas mit dem bekannten Pückler-Eis zu tun?

Matthias Rebel wusste die Antwort: Es gab einen gemeinsamen Vorfahren, einen „Urpückler“, der 1334 gelebt hat, aber schon im Spätmittelalter hat sich die Pücklerfamilie in zwei Linien gespalten: in die Linie, die in der Lausitz ihren Stammsitz gefunden hat, und in die fränkische Pücklerlinie, die letztendlich mit Graf Gottfried ihr Ende fand.

Stiftung statt Schloss-Neubau

Den ersten Kontakt zum Limpurger Land gab es 1737 durch die Heirat von Christian Wilhelm Karl mit Caroline Christiane von Löwenstein-Wertheim, Enkelin des letzten Schenkenpaares Vollrath und Eleonore von Limpurg. Rebel geht davon aus, dass dies keine Liebesheirat war, sondern dass es der Graf mit seinem ausschweifenden Lebensstil nur auf das Geld der Gräfin abgesehen hatte. Allerdings hatte Christian Wilhelm Karl noch wenig mit Gaildorf am Hut.

Den Weg nach Gaildorf fanden die Adeligen dann mit Friedrich Philipp Karl, Urgroßvater von Graf Gottfried. Was dann folgte, war eine wechselhafte Geschichte mit einigen Rückschlägen. So brannte das neu erbaute Schloss gleich zweimal ab, nach der zweiten Zerstörung am 20. April 1945 verschwand es ganz von der Bildfläche. Zwar plante Graf Gottfried noch einen Neubau an der Stelle, an der heute das Graf-Pückler-Heim steht, aber nachdem Gottfried und Adele keine eigenen Kinder hatten und die beiden Söhne seines Bruders im Zweiten Weltkrieg gefallen waren und damit die geplante Erbfolge unterbrochen wurde, entschloss er sich, sein Vermögen in eine Stiftung umzuwandeln, was er dann 1951 auch verwirklichte. Zwar gibt es heute in Gaildorf keine Grafen mehr, aber durch die Stiftung hat Graf Gottfried dem Namen Pückler zumindest im Limpurger Land ein Denkmal geschaffen.

Für den fundierten Vortrag bedankten sich die Senioren mit lang anhaltendem Beifall.  Gespräche über die Vergangenheit und manche Begegnung mit der gräflichen Familie bildeten den Abschluss des Nachmittags.