Naturstromspeicher Naturstromspeicher: Auf dem Weg ins Netz

Vermessen wird eigentlich ständig auf den Baustellen des Gaildorfer Naturstromspeichers. Gestern hat Klaus Otterbach vom gleichnamigen Vermessungsbüro in Gschlachtenbretzingen den Standort des Umspannwerks vermessen, mit dessen Bau heute begonnen werden soll.
Vermessen wird eigentlich ständig auf den Baustellen des Gaildorfer Naturstromspeichers. Gestern hat Klaus Otterbach vom gleichnamigen Vermessungsbüro in Gschlachtenbretzingen den Standort des Umspannwerks vermessen, mit dessen Bau heute begonnen werden soll. © Foto: Richard Färber
Kocheraue / Von Richard Färber 20.06.2017
In der Kocheraue zwischen Gaildorf und Unterrot steht der Bau eines Umspannwerkes an. Wenn sich im Oktober das erste Windrad dreht, kann eingespeist werden.

An der B 298 zwischen Gaildorf und Unterrot wird voraussichtlich am Dienstag die nächste Baustelle eröffnet. Gleich neben der Abfahrt zum Umspannwerk der Netze BW wurde in der vergangenen Woche eine Fläche freigeräumt und mit Genehmigung des Regierungspräsidiums eine neue Zufahrt geschaffen, die allerdings später wieder verschwinden wird. Hier, unmittelbar neben dem Masten der 110-kV-Leitung, wird die Firma WT Energiesysteme aus Riesa ein Umspannwerk errichten. Die Baugenehmigung lag am Montag noch nicht vor, sie sei aber für Dienstag angekündigt, erklärt Johannes Kaltner, Bauleiter des Naturstromspeichers.

Für die Einspeisung des Stroms, der im Naturstromspeicher gewonnen wird, reichen die Kapazitäten des bestehenden Umspannwerks nicht aus, erläutert Kaltner. Aus diesem Grund habe man sich entschieden, eine eigene Anlage zu bauen und den Strom direkt in die 110-kV-Leitung einzuspeisen. Die provisorische Zufahrt sei nötig, um den voluminösen und sehr schweren Transformator aufs Gelände zu schaffen; später, wenn die Anlage in Betrieb ist, kann das Gelände über die Zufahrt der Netze BW angefahren werden.

Bis Ende September soll das neue Umspannwerk fertig sein. Als Nebeneffekt wird auch die 20-kV-Freileitung verlegt, die von der Umspannstation der Netze BW nach Gaildorf führt. Man habe sich mit der Netze BW darauf geeinigt, sie unterirdisch neben der Bundesstraße zu verlegen, sagt Kaltner. Der Grund: Die Freileitung verläuft über das Gelände, das später, wenn das Unterbecken des Naturstromspeichers ausgehoben wird, mit dem Aushub modelliert werden soll – die Masten wären dafür schlicht im Weg.

Als Schnittstelle zum Netz wird das Umspannwerk voraussichtlich bereits im Oktober benötigt. Dann wird das erste Maschinenhaus für die vier Windkraftanlagen geliefert, unmittelbar danach, so Kaltner, werde dann auch der erste Rotor montiert. Mitte Oktober, schätzt er, werde man erstmals Windkraft aus dem Naturstromspeicher einspeisen können.

Dann werden in der Kocheraue wohl auch schon die Bagger am Werk sein. Vor Einbruch des Winters wolle man zumindest den „Auelehm“ aus dem künftigen Unterbecken herausbaggern, sagt Kaltner. Danach, also im Jahr 2018, wird dann bis in den Lettenkeuper hinabgegraben. Der größte Teil des Aushubs wird wie berichtet zur Modellierung des Geländes um das Unterbecken verwendet. Auch damit soll 2018 begonnen werden.

Das Unterbecken ist das Wasserreservoir der Anlage, aus dem die Aktiv- und Passivbecken zu Füßen der vier Windkraftanlagen gespeist werden und mit denen später ein Pumpspeicherkraftwerk betrieben wird. Mit der Kombination aus Wind- und Wasserkraft in einem geschlossenen System soll die Voraussetzung für den sekundenschnellen Wechsel von der Stromeinspeisung zur Stromabnahme geschaffen werden. Die Idee: Bei Bedarf wird Strom geliefert, bei Überkapazitäten wird er abgenommen, um die Wasserspeicher in den Türmen zu füllen.

Dichtwand aus Flüssigboden

Mit den Vorbereitungen für den Voraushub des Unterbeckens soll laut Kaltner in der Woche 29, also Mitte Juli begonnen werden. Das künftige Bassin wird dann zunächst mit einer „Dichtwand“ umrundet. Sie wird, wie bereits die Spundwände des Pumpspeicherkaftwerks, „überschnitten“ produziert. Das bedeutet, dass jeweils zwischen zwei Bohrsäulen eine dritte eingeschnitten wird. Beton kommt dabei nicht zum Einsatz: Verfüllt werden die Bohlsäulen mit sogenanntem Flüssigboden, einem Material, das in etwa die Konsistenz von Torf haben dürfte. „Spatenfest“, sagt Kaltner, „und wasserdicht.“