Gaildorf Pferdemarkt: Auf das Riesenfest folgt die schöpferische Leere

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 13.02.2019
Nach drei ereignisreichen Tagen kommt Gaildorf wieder zur Ruhe. Schnell sind die letzten Spuren des 83. Pferdemarkts beseitigt. Die Bilanz fällt durchweg positiv aus.

Fast gespenstische Ruhe liegt an diesem Dienstagvormittag über Gaildorf. Am „Tag danach“ scheint sich im Städtle nicht viel zu bewegen. Der Verkehr in der Schloss-Straße fließt weniger zäh als an Werktagen üblich. Dass das öffentliche Leben gleich nach dem Pferdemarkt nicht zum Stillstand gekommen ist, offenbart ein Blick in Richtung Schlosspark: In den Schulgebäuden wie im Rathaus brennt Licht.

Bauhof im Großeinsatz

„Die Luft ist raus“, schmunzelt ein Passant nach nur wenigen Stunden Schlaf, wie er einräumt. Nach „so viel Pferdemarkt“ müsse die Stadt ja in eine Art Ruhemodus fallen. Davon können die Mitarbeiter von Steffen Munz, Leiter des städtischen Baubetriebshofs, nur träumen. Sein Team ist schon früh damit beschäftigt, den an allen Ecken und Plätzen der Stadt angefallenen Unrat einzusammeln – und damit die unvermeidlichen Spuren des Volksfests zu beseitigen.

Durchatmen können die kreativen Köpfe des Pferdemarktausschusses, denen auch in diesem Jahr wieder ein Volltreffer gelungen ist – etwa der durch seine satirischen Themenwagen spannende Umzug „mit Biss“: Die Umsetzung vieler Ideen in eine auch für auswärtiges Publikum verständliche Art und Weise scheint gut gelungen zu sein, wovon nicht zuletzt die begeisterten Reaktionen aus den dichten Reihen der Besucher zeugen.

Die Manöverkritik folgt

Ausschussvorsitzender Martin Zecha ist denn auch zufrieden mit dem, was während der Pferdemarkttage in der Stadt zu bestaunen war. Die größte Veranstaltung im Limpurger Land betrachtet er als „gelungen“. Zur abschließenden Manöverkritik trifft sich der Ausschuss in den nächsten Tagen. Dann geht es bereits darum, die Weichen für die 84. Auflage des Volksfests zu stellen.

Zufrieden sein dürfen auch die mit organisatorischen Belangen betrauten Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Rathaussprecher Dr. Daniel Kuhn etwa hat einmal mehr seine „Multifunktionalität“ unter Beweis gestellt und seine persönliche Premiere mit Bravour gemeistert, wie ihm sein Chef, Bürgermeister Frank Zimmermann, bescheinigte. Auch das Engagement von Hauptamtsleiterin Tanja Ritter bedachte der Rathauschef, der mit dem gesamten Festverlauf „rundum zufrieden“ ist, mit einem Kompliment.

Mit „Bordmitteln“

Bemerkenswert aus Sicht der Ehrengäste: Vieles erledigte die Stadt mit „Bordmitteln“ – mit eigenen Kräften. Bei der Bewirtung der Gäste etwa. Wo sonst bekommt ein Viertelesschlotzer von einer Bauamtsleiterin im wahrsten Wortsinn reinen Wein eingeschenkt! Lea Hoffmann, in baurechtlichen Angelegenheiten gut bewandert, hat zusammen mit einer Reihe von Mitstreiterinnen für ein reibungsloses Catering gesorgt.

Apropos reibungslos: Mit diesem Begriff lässt sich auch aus Sicht der Polizei das Geschehen während des Pferdemarkts beschreiben – und das bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung mit einer fünfstelligen Besucherzahl. An eine solch positive Bilanz – nicht enthalten sind mögliche Vorkommnisse, die nicht angezeigt wurden – kann sich Gaildorfs Polizeichef, Polizeihauptkommissar Thomas Just, nicht erinnern.

Wieder „besenrein“

Während nun an diesem Morgen die letzten Marktgänger – sichtlich von der langen Nacht in der Körhalle gezeichnet – fast peinlich berührt heimschleichen, fährt schon die Kehrmaschine durch die Straßen. Mit geduldiger Routine zieht der Fahrer seine Bahnen. Abschnitt für Abschnitt wird gekehrt, bis Gaildorf wieder „besenrein“ ist. Am späten Nachmittag künden nur noch ein paar der rot-weißen Fähnchen mit dem schwarzen Pferdemotiv, die in der Kanzleistraße im Wind flattern, vom Pferdemarkt. Und an der Marktplatzkreuzung das noch nicht abmontierte Schild „Festbetrieb“ mit dem Appell, Autofahrer mögen doch an dieser Stelle mit höchstens Tempo 30 unterwegs sein.

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