"Sleepy Hollow" ist kein normaler Friedhof. Nicht wegen des kopflosen Reiters, den der Schriftsteller Washington Irving in "The Legend of Sleepy Hollow" dort sein Unwesen treiben lässt, sondern wegen seiner Toten. In "Sleepy Hollow", einige Kilometer nördlich von New York City, ruhen die Reichen und Berühmten. Hier finden sich die Gräber von Walter Chrysler, John D. Rockefeller, Andrew Carnegie und, gleich daneben, Herman Frasch (1851-1914): Chemiker, Unternehmer, Multimillionär, Mann von Welt - seinen ersten Atemzug machte er in Oberrot, seinen letzten in Paris,

Bis vor einem Jahr war das Grab in der Sektion "Hebron Hill" so gut wie vergessen. Niemand wusste, wessen letzte Ruhestätte sich hinter den Schlingpflanzen verbarg, die das Grab überwuchert hatten. Auch der Friedhofsverwaltung war der Name nicht mehr geläufig, als Mike und Carolyn Keene aus dem Städtchen Sulphur in Louisiana dort vor etwa einem Jahr erschienen, um das Grab zu suchen. Mike Keene ist der Bruder von Leo Russell Keene II. Co-Autor des Werkes "Herman Frasch. The Sulphur King" von William R. Sutton, das im Mai in den USA erschienen ist.

Die "Sulphur Daily News" hat vor etwa einem Jahr, am 20. August 2012, über die Suche nach dem Grab berichtet. Diese Suche muss mühsam gewesen sein: Die offizielle Friedhofskarte half nicht weiter und die Recherche eines Friedhofshistorikers ergab, dass das Grab auch nicht ins digitalisierte Verzeichnis aufgenommen worden war. Fündig wurde man schließlich in einem staubigen alten Buch. Die Friedhofsmitarbeiter seien sehr erstaunt gewesen, dass jemand wie Frasch ihrer Aufmerksamkeit entgehen konnte, berichtet die Sulphur Daily News.

Die einstige Ein-Personen-Schwefelweltmacht ist heute offenbar nur noch einigen wenigen Experten bekannt. Darüber hinaus spielt Frasch vor allem in der Lokalhistorie von Gaildorf, wo Frasch seine Jugend verbrachte, und Sulphur eine Rolle. Dort, im Südwesten von Louisiana, gründet er sein Schwefel-Monopol. Frasch habe die Wirtschaft der Region praktisch im Alleingang angestoßen, urteilte die Sulphur Daily News.

Der Kontakt der RUNDSCHAU mit den beiden Autoren der neuen Frasch-Biografie hat viele neue Erkenntnisse, aber auch Fragen mit sich gebracht. Unklar ist beispielsweise nach wie vor, wer seinerzeit entschieden hat, die sterblichen Überreste Fraschs, die zunächst im Mausoleum in Gaildorf ruhten, nach "Sleepy Hollow" zu bringen. Während in der Sulphur Daily News die Ansicht geäußert wird, Fraschs Witwe habe die Umbettung veranlasst, neigt man in Gaildorf eher zu der Überzeugung, dass diese Entscheidung nach dem Tod der Witwe von Frieda Frasch, Fraschs Tochter aus erster Ehe, getroffen wurde.

Die Keenes fanden das Grab eher zufällig. Mike Keene entdeckte hinter dem Schlingpflanzengewucher auf einem Stein den Namen Frieda Frasch. Im Tod sind sie also vereinigt: Hermann, Elizabeth und Frieda. Auch Frieda Fraschs zweiter Mann, Carl von Seidlitz, hat dort seine letzte Ruhe gefunden.