Pferdemarkt Auch Weinkönigin und Minister bereichern die lange Gästeliste

Pferde-Fähnchen in den Stadtfarben Rot und Weiß schmücken die Gaildorfer Innenstadt, im Hintergrund das Alte Schloss. Untrügliches Zeichen dafür: Bald ist wieder Pferdemarkt, das größte Fest im Limpurger Land.
Pferde-Fähnchen in den Stadtfarben Rot und Weiß schmücken die Gaildorfer Innenstadt, im Hintergrund das Alte Schloss. Untrügliches Zeichen dafür: Bald ist wieder Pferdemarkt, das größte Fest im Limpurger Land. © Foto: Klaus Michael Oßwald
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 08.02.2018

Neunzig Jahre alt wird der Gaildorfer Pferdemarkt. Das ist zwar kein „echtes“ Jubiläum – dennoch ein ganz besonderes, wie Bürgermeister Frank Zimmermann befindet. Und dabei nicht ohne Stolz auf ein viertägiges Festprogramm verweist, das es in sich hat.

Minister und Weinkönigin

Dazu erwartet der Rathauschef in diesem Jahr wieder landesweite Prominenz: Peter Hauk etwa, Minister für Ländlichen Raum, Verbraucherschutz und Landwirtschaft in Baden-Württemberg, will sich den Festumzug am Montag nicht entgehen lassen. Er freut sich schon auf ein Wiedersehen mit seinen Parteifreunden der CDU Limpurger Land. Oder Weinkönigin Carolin Klöckner aus Vaihingen an der Enz. Sie wird auf jeden Fall dabei sein, wenn am Samstag um 14 Uhr in der Körhalle das Weindorf offiziell eröffnet wird.

Trinkfester Oberamtstierarzt

So bunt und vielfältig wie heute ging es auf dem längst zum größten Volksfest des Limpurger Landes gereiften Markt an jenem 13. Februar 1928, als Premiere im Zentrum des Limpurger Landes gefeiert wurde, freilich nicht zu. Damals drehte sich an einem Tag ausnahmslos alles um das Pferd. Dass ein solches Fest überhaupt zustande kam und der Grundstock für spätere Pferdemärkte gelegt werden konnte, ist dem umtriebigen Oberamtsarzt Dr. Friedrich Bickele (1884-1941) zu verdanken.

Der leutselige Veterinär, dessen Trinkfestigkeit legendär gewesen sein soll, hat in seiner Eigenschaft als Sprecher der Limpurger Pferdezüchter die Initiative ergriffen. Er wollte, dass sich die Pferdezucht im Schwäbischen Wald nachhaltig weiterentwickelt und das Pferd seinen einstmals hohen Stellenwert in der bäuerlichen Landwirtschaft behält.

Der Strukturwandel hat diese Zielsetzung zwar konterkariert. Dem Gaildorfer Pferdemarkt jedoch konnte der technische Fortschritt auf dem Acker nichts anhaben. Im Gegenteil. Pferde waren in den Jahrzehnten nach dem Krieg zunächst nur noch „schmückendes Beiwerk“. Das hat sich jedoch im Lauf der Zeit, nicht zuletzt durch das Engagement des Tierarztes Dr. Hagen Nowottny, geändert. „Mister Pferdemarkt“ ist es durch seine vielfältigen Kontakte gelungen, die edlen Vierbeiner wieder in den Mittelpunkt des Marktgeschehens zu rücken.

Vielfalt im Programm

Auch nach seinem Rückzug aus dem Kreis der Macher trägt das Programm seine Handschrift. Parallel dazu entwickelten sich der festliche Rahmen und der lästerliche Umzug unter der Regie von Martin Zecha, Vorsitzender des Pferdemarktausschusses, zu starken Publikumsmagneten. Und so wünscht Rathauschef Zimmermann sich und den Besuchern – je nach Wetterlage werden am Montag mehr als 20 000 Menschen erwartet – „einen spannenden und unterhaltsamen 82. Gaildorfer Pferdemarkt.

Der beginnt am morgigen Freitagabend mit einem Fachvortrag. Der Samstag steht im Zeichen der Präsentationen zum Thema „Ross und Forst“ und der Gespannprämierung. Pferdeschau und viele Aktionen rund ums Pferd gibt es am Sonntag – entgegen anderslautender Meldungen – bereits ab 11 Uhr in der Reithalle. Handwerkermarkt, verkaufsoffener Sonntag, Kunstausstellung und Familienprogramm locken am Sonntag. Die Stutenprämierung auf der Kocherwiese und der nachmittägliche Umzug durch die Stadt sind weitere Höhepunkte – an die die Macher des Pferdemarkts vor 90 Jahren nicht zu denken wagten.

Wie alles begann: In der Pferdemarkt-Chronik geblättert

Anfänge Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es die Gaildorfer Bauerntage – bis zu jenem denkwürdigen 13. Februar 1928. An diesem Tag wurde der Grundstock für eine Veranstaltung gelegt, die sich zum größten Fest im Limpurger Land entwickelte. Mit insgesamt 140 Pferden feierte der Gaildorfer Pferdemarkt Premiere.

Strukturwandel Damit gelang dem „Pferdezuchtverein für Kaltblut“ (dem Vorläufer des Pferdezuchtvereins Schwäbischer Wald) und seinem Vorsitzenden, dem Oberamtstierarzt Dr. Friedrich Bickele, die „Hebung der Pferdezucht“ – allerdings nicht „nachhaltig“, wie es sich die Väter des Pferdemarkts mit Blick auf die Landwirtschaft versprochen hatten. Denn bereits wenige Jahre später sollte das Pferd den Wettlauf mit den motorisierten Acker-Giganten verlieren.

Tradition Was blieb, ist der Volksfest-Charakter, der nach wie vor mehr als 20 000 Menschen in die Stadt lockt. Das Fest ist früher nur montags gefeiert worden. Die Prämierung der Zuchtstuten erfolgte auf der Bleichwiese, dem heutigen Sportgelände. Landwirtschaftliche Geräte waren beim Stadtbahnhof ausgestellt. Am Abend brannten vor den Fenstern der Häuser in der Innenstadt Kerzen und Lämpchen. Damals wie heute: Bis spät in die Nacht wird in den Wirtschaften Ausklang gefeiert.

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