Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben Bürgermeister Armin Kiemel und die stellvertretende Ortsvorsteherin Annette Hafner Dr. Wolfgang Klein aus seiner Praxis in Untergröningen verabschiedet. Es sei bedauerlich, nun keinen Hausarzt mehr im größten Teilort der Gemeinde Abtsgmünd zu haben, so Kiemel. Klein tritt nun mit 71 Jahren seinen Ruhestand an. Vor elf Jahren übernahm er die Praxis von Dr. Schneikert. Ende Juni wurde seine Praxis nun geschlossen.

Jetzt wird wohl eine Periode der Unsicherheit auf die Einwohner von Untergröningen zukommen. Dabei wurden von Klein und der Gemeinde Abtsgmünd viele Schritte unternommen, um die Schließung zu verhindern: Bereits 2017 wechselte auf Initiative und Betreiben von Kiemel die Gemeinde Abtsgmünd vom kassenärztlichen Mittelbereich Aalen in den Mittelbereich Schwäbischer Wald. Da der Bereich Aalen aus statistischer Sicht mit Allgemeinmedizinern überversorgt ist, könnte die Gemeinde mit diesem Wechsel sofort einen neuen Hausarzt aufnehmen.
Darüber hinaus haben sowohl Klein als auch die Gemeinde Abtsgmünd über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren mehrmals Anzeigen geschaltet, zahlreiche Gespräche geführt und Initiativen gestartet, um einen Nachfolger zu finden. Auch die Optionen, den Untergröninger Standort als Zweigstelle von anderen Ärzten zu eröffnen oder ihn in eine Gemeinschaftspraxis umzuwandeln, wurden versucht. Doch keine dieser Unternehmungen war von Erfolg gekrönt, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde.
Der Mangel an medizinischer Versorgung auf dem Land besteht bundesweit. Allein in Baden-Württemberg geht die Kassenärztliche Vereinigung von 600 unbesetzten Stellen aus. Geschuldet ist dies mehreren Ursachen: Zum einen ist das Ansehen des Allgemeinarztes gesunken. Das Arbeitsmodell entspricht nicht dem Lebensstandard junger Ärzte und macht somit den ländlichen Raum weniger attraktiv als die Stadt.
Zum anderen gibt es zwar erfreulicherweise immer mehr Ärztinnen, allerdings möchten nur wenige den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, da dies die Vereinbarung von Familie und Beruf erschwert. Das hat zur Folge, dass es immer mehr Ärzte gibt, die in Teilzeit arbeiten, statt ihre eigene Praxis zu eröffnen.

Landarztquote soll helfen

Nun hat die Landesregierung vor Kurzem die Landarztquote beschlossen und damit einen wichtigen Schritt in Richtung medizinische Versorgungssicherung getan. Die Quote soll Bewerbern eine Chance auf ein Medizinstudium geben, wenn sie sich im Gegenzug dazu verpflichten, nach ihrem Abschluss zehn Jahre auf dem Land zu praktizieren. Jedoch werden 12 bis 15 Jahre vergehen, bis sich diese Maßnahme auf ländliche Orte wie Untergröningen auswirken kann. „Es wurde zu spät gehandelt“, findet Klein.

Doch es gibt auch positive Nachrichten in dieser Hinsicht: In Abtsgmünd ist nach einem Gutachten für die Gesundheitsversorgung des Ostalbkreises ein Standort für ein medizinisches Versorgungszentrum vorgesehen, das den Beruf des Hausarztes in Abtsgmünd durchaus attraktiver machen wird.
Zudem bauen die Sozialstation Abtsgmünd, die Firma „best age care“ aus Aalen und die Stiftung Haus Lindenhof im südlichen Ortskern von Abtsgmünd. Dort entstehen ein Verwaltungsgebäude für die 70 Mitarbeiter der Sozialstation, 26 neue betreute Wohnungen sowie ein neues Pflegeheim. Das Rettungszentrum Abtsgmünd mit Feuerwehr, Polizei und dem DRK mit einer dauerhaft besetzten Rettungswache ist bereits im Bau.