Gaildorf Leben in Tansania: Appell auf dem Pausenhof

Die Reisenden aus Gaildorf zusammen mit den Gastgebern.
Die Reisenden aus Gaildorf zusammen mit den Gastgebern. © Foto: Privat
Gaildorf / swp 25.07.2018
Vier Gaildorfer Gymnasiasten und zwei Lehrer besuchen die King’Ori Secondary School in Tansania – und berichten den Daheimgebliebenen von ihren Erlebnissen.

Auch in diesem Jahr reisen Lehrer und Schüler des Schenk-von-Limpurg-Gymnasiums in Gaildorf für zwei Wochen nach Tansania und besuchen dort die Partnerschule. Dieses Mal sind Katharina Bölz, Nina Wied, Philipp Müller und David Zimmermann sowie die beiden Lehrer Erika Theil und Dirk Walz dabei. Ermöglicht wird der Austausch von der Gaildorfer Bürgerstiftung. In mehreren Texten für unsere Zeitung schildern die vier Schüler ihre Erlebnisse vor Ort – beginnend mit dem heutigen Bericht:

Endlich da! Nach einstündigem Fußmarsch kommen wir an der King’Ori Secondary School, unserer tansanischen Austauschschule, an. Eine Stunde? Nein, ganz gewiss nicht. 25 Stunden nach unserer Verabschiedung an der Körhalle betreten wir am Kilimanjaro International Airport tansanischen Boden. Diese Stunde Fußmarsch ist im Vergleich dazu natürlich gar nichts – denken wir anfangs noch. Ebenso erwarten wir einen chilligen Schultag. Gemütlich schlendern wir auf den Schulhof. Schon kurz vor dem Schulgelände werden wir überschwenglich von vielen Schülern begrüßt. Nicht nur begrüßt, unsere schweren Rucksäcke werden uns sofort abgenommen. Wir finden sie erst nach einer Stunde, doch dafür gut platziert und bewacht in einem für uns extra vorbereiteten Raum wieder, wo uns zudem einheimische Spezialitäten – Bioeier, Bananen, Orangen (1A mit Sternchen), Erdnüsse und leckere Avocados – erwarten. Nicht nur die Freude über das zweite Frühstück, sondern auch die Freude darüber, bekannte Gesichter wieder zu sehen, ist sehr groß. Eine Stunde vergeht wie im Flug: Fünf Wochen nicht gesehen!

Da gibt es viel zu erzählen. Mitten in unsere Erzählungen herein bittet uns Headmaster Mr. Mutungi, ihm in das Rektorat zu folgen. Rektorat? Haben wir etwas falsch gemacht? Unangenehme Assoziationen steigen in uns auf. Die Erleichterung ist groß, als wir merken, dass wir die Ehre haben, uns in das Gästebuch einzutragen. Das ist für uns natürlich auch die Gelegenheit, unsere Gastgeschenke vom Schenk-von-Limpurg-Gymnasium (SvLG) und der Stadt Gaildorf der Schule zu überreichen. Zum Beispiel die beiden vom SvLG gesponserten neuen LTE-Router, die gleich von David zusammen mit einem tansanischen Lehrer eingerichtet werden. Die anderen Lehrer lernen wir anschließend im Staff­room kennen. Sie freuen sich sehr über ein Wappen aus Gaildorf in Form einer Anstecknadel. Kaum haben wir die Eindrücke des Lehrerzimmers aufgenommen – Herr Walz ist noch dabei, die Biohefte der Schüler zu bestaunen –, da scheppert es wie wild von draußen.

Der Appell der 580 Schüler, die sich zu unserer Begrüßung auf dem Pausenhof versammelten. Das kann noch dauern, denken wir. Aber nein! Kaum sind wir draußen, stehen sie in Reih’ und Glied. Beeindruckend und unbekannt sind für uns die vielen, disziplinierten Schüler, die nach Farben und Altersstufe geordnet stramm stehen. Dies sind wir von Gaildorf nicht gewohnt. Disziplin oder militärischer Drill? Auf Kommando eines der ältesten Schüler stampfen 580 Füße gleichzeitig auf dem Boden. Ein weiteres Kommando, und es folgt eine 180-Grad-Wende. Wir sind noch mitten im Staunen, als das Grußwort des Headmasters auch schon zu Ende ist. Anschließend tritt eine zierliche Schülerin aufs Podest und hält ebenfalls eine kleine Ansprache. Es ändert sich nichts an der uneingeschränkten Aufmerksamkeit der Schüler.

Nun sind wir am Zug. Jeder Schüler stellt sich der Schulgemeinschaft vor, ebenso unsere beiden Lehrer. Nach der kurzen und amüsanten Ansprache löst sich die Schülerversammlung auf. Im Gegensatz zu unseren Erfahrungen aus Deutschland läuft dieser Prozess ebenfalls ruhig und geordnet ab. Selbst in den Klassenzimmern ist nicht mehr als ein leises Flüstern zu vernehmen. Wie es wohl weitergeht? Fortsetzung folgt…

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