Bürgerinitiative "Krankenhaus Gaildorf" Appell an die Politik

Es ging um ein völlig anderes Thema, als dieses Foto von Sozialministerin Katrin Altpeter entstand. Aber vielleicht macht die Politikerin bald wieder so eine Handbewegung - nach dem Motto: So dick war der Stapel mit Unterschriftenlisten aus Gaildorf! Foto: dpa
Es ging um ein völlig anderes Thema, als dieses Foto von Sozialministerin Katrin Altpeter entstand. Aber vielleicht macht die Politikerin bald wieder so eine Handbewegung - nach dem Motto: So dick war der Stapel mit Unterschriftenlisten aus Gaildorf! Foto: dpa
SWP 27.04.2012
Unter dem Betreff "Krankenhaus(un)wesen des Landkreises Schwäbisch Hall" schreibt die Bürgerinitiative "Krankenhaus Gaildorf" an die Stuttgarter Sozialministerin Katrin Altpeter. Der Offene Brief im Wortlaut.

Sehr geehrte Frau Ministerin, in der Gaildorfer Rundschau vom 16. April (siehe Anlage) wurde mitgeteilt, dass beide Krankenhäuser im Landkreis (Diakoniekrankenhaus Schwäbisch Hall und Kreiskrankenhaus Crailsheim) in das Finanzförderungsprogramm des Landes zum Krankenhausneubau aufgenommen worden sind. Dies wurde als ein ganz besonders hervorzuhebendes Ereignis dargestellt. Kurz zuvor war im selben Organ mitgeteilt worden, dass das dritte Krankenhaus im Landkreis - hier in Gaildorf - wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen wird, ein in den letzten Jahren mit nahezu 20 Millionen Euro Steuermitteln des Landkreises und des Landes Baden-Württemberg generalsaniertes Haus, das in weitem Umkreis das modernste und schönste Krankenhaus darstellt. Eine unglaubliche, völlig unverständliche Maßnahme, die eigentlich dem Rechnungshof zur Prüfung vorgelegt werden muss.

Seit Jahren stiehlt sich der Landkreis aus seiner Verantwortung für die stationäre Versorgung seiner Bevölkerung. Aus der Unfähigkeit heraus, seine Krankenhäuser Gaildorf und Crailsheim selbstständig zu führen, wurden diese in eine Betriebsgemeinschaft mit dem Diak Schwäbisch Hall abgegeben, das Gaildorfer Haus für den üblichen einen Euro an die Holding verschenkt.

Der Kreistag jubilierte, da er endlich die Verantwortung los zu haben glaubte. Das Haus wurde halbherzig, ohne wirkliches Konzept, über die vereinbarte Zeit weitergeführt, mit dem ganz offensichtlichen Ziel, es dann zu schließen, wahrscheinlich nach Auslaufen der Förderungsbindungen.

Ein erheblicher Anteil der Bevölkerung hat aus diesen Gründen das Vertrauen in die hiesigen Krankenhäusern, zu den Ärzten und zu den baulichen Gegebenheiten verloren und lässt sich deshalb andernorts behandeln. Dies ist an den Belegungszahlen abzulesen, trotz der geringen Bettenzahl.

Die Unwirtschaftlichkeit des Gaildorfer Krankenhauses zu behaupten, wenn gesamtwirtschaftliche Ergebnisse der Holding, wie ja bei der Diakonie üblich, nicht veröffentlicht werden, ist einfach. Die einzige in die Presse lancierte Finanznachricht dieser Einrichtung, dass Spekulationsgeschäfte zu einem Verlust von 1,65 Millionen Euro geführt haben, vertieft das Misstrauen der Bevölkerung und schürt den Verdacht, dies seien Vorboten weiterer "Leichen im Keller".

Der Landkreis Schwäbisch Hall hält derzeitig 657 Betten für insgesamt etwa 189 000 Einwohner vor - entsprechend einem Bettenschlüssel von 3,7 auf Tausend. Das ist zu wenig, bei einem Landesdurchschnitt von 6 Betten auf Tausend, die auch bei uns förderungsfähig wären. Die Klagen über die Zustände in den hiesigen Krankenhäusern werden lauter.

Die Bürgerinitiative Gaildorf fordert den Landkreis auf, das überaus attraktive und praktisch neue Gaildorfer Krankenhaus als Träger weiterzuführen. Ihr Ministerium fordern wir auf, Fördermittel zur Renovierung und Erweiterung der anderen Häuser erst freizugeben, wenn das Gaildorfer Haus sinnvoll in den Gesamtbettenplan eingebunden ist.

Eine Nutzung für eine im Landkreis fehlende Palliativ- und Hospizeinrichtung, eine geriatrische Reha zusammen mit einer geriatrischen Akutabteilung halten wir für sinnvoll. Der Erhalt des Notarztstandortes und eines ärztlichen Bereitschaftsdienstes für die Nacht sowie an Wochenenden und an Feiertagen mit der Möglichkeit der Nutzung der modernen medizinischen Gerätschaften ist aus unserer Sicht anzustreben. Eine zusätzliche fachärztliche Behandlungsmöglichkeit in dem zunehmend von Fachärzten gemiedenen ländlichen Raum mit Außenambulanzen, die heute genehmigungsfähig sind, wäre zudem eine wesentliche Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung der hiesigen Bevölkerung. Entsprechende Anfragen liegen auch vor.

Wir ersuchen Sie, Frau Ministerin, deshalb dringend, sich der Angelegenheit in unserem Sinne anzunehmen. Denn eine funktionierende Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum ist Ihnen sicher, genauso wie uns, ein sehr großes Anliegen!

Mit freundlichen Grüßen

Die Sprecher der Bürgerinitiative "Krankenhaus Gaildorf":

Cornelia Dähmlow

Dr. Faranak Burr

Dr. Ulrich Bauer

Karl Eichele

Karl-Dieter Diemer