Bott hatte das Geschäftsjahr 2019 aus zwei Gründen zurückhaltend geplant: Hinter dem Austritt der Briten aus der EU stand ein großes Fragezeichen. Ein Drittel seines Umsatzes macht Bott auf der Insel. Zweitens sorgten neue Emissionsrichtlinien für Nutzfahrzeuge für Unsicherheiten. So schoben viele Unternehmen und Leasinganbieter ihre Fahrzeugbestellungen auf. „Doch es ist
besser gelaufen als erwartet“, sagt Jan Willem Jongert. Mit 144 Millionen Euro hat das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz erwirtschaftet. Das entspricht einer Steigerung von etwa 5 Prozent auf die gesamte Unternehmensgruppe gerechnet. In Deutschland beträgt das Plus 14 Prozent.

Hohe Investition

Wie hoch war der Gewinn? Dieser Frage weicht der Geschäftsführer aus. Auch in der Vergangenheit machte Bott dazu keine Angaben. Ziel sei es, eine Marge von 8 Prozent zu erzielen. Dies würde auf ein Ergebnis von etwa 11,5 Millionen Euro hinauslaufen. „Das ist das, was wir anstreben. Mal läuft es ein bisschen besser, mal ein bisschen schlechter“, gibt der 54-jährige Niederländer zu verstehen.

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2019 seien die Investitionen verhältnismäßig hoch gewesen. Das geht auf den Gewinn. Die Gaildorfer steckten einige Millionen Euro in die Vermarktung der dritten Generation ihres Fahrzeug-Einrichtungssystems Vario 3. Diese Investition scheint sich gelohnt zu haben. „Vario 3 geht weg wie warme Semmeln“, erklärt Jan Willem Jongert zu dem System, das zu 95 Prozent aus Aluminium gefertigt ist.

Geringerer Verbrauch

Aluminium ist etwa halb so schwer wie Stahl. So lässt sich das Gewicht der ausgerüsteten Servicefahrzeuge erheblich verringern. Das sorge dafür, dass die Motoren weniger Benzin und Diesel verbrauchen und dass bei E-Fahrzeugen weniger Batteriekapazität benötigt wird.

Nicht nur das Geschäft mit Fahrzeugeinrichtungen scheint gut zu laufen. Auch die Ausrüstung fester Montage-Arbeitsplätze erhalte eine neue Perspektive. In der Fertigung würden Unternehmen mehr und mehr dazu übergehen, unterschiedliche Arbeitsschritte zu koppeln. Manuelles und automatisiertes Arbeiten ergänze sich. EDV-Systeme und Robotik würden integriert. Bott liefere dazu Tische, Ablagen, Regal-, Schrank- und Zugriffssysteme. „Unsere Produkte werden zur Lösung für den Kunden“, verspricht der Geschäftsführer. In diesem Projektgeschäft würden Bott und die Kunden sehr eng zusammenarbeiten, um die Prozesse klug umzusetzen. „Das hat eine enorme Zukunft“, vermutet Jongert.

Bott plant am Standort in Gaildorf erhebliche Erweiterungen. Im Ortsteil Unterrot soll das Werk 2 bis zum Jahr 2021 um etwa 3000 Quadratmeter erweitert werden. Dort entsteht eine neue Halle, in der Fahrzeugeinrichtungen eingebaut werden sollen.

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Neubau in Münster

Ein ganz neues Werk soll im Ortsteil Münster gebaut werden. Bott steht mit der Stadt Gaildorf in Verhandlungen um ein 40.000 Quadratmeter großes Grundstück. Den Platz braucht das Unternehmen, um angelieferte Kundenfahrzeuge zu parken. In einer neuen Halle sollen Einrichtungen montiert werden. In einem weiteren Schritt könnte die Hauptverwaltung vom Ortsteil Kleinaltdorf, Werk 1, nach Münster ziehen. Die Parkplätze könnten dort noch in diesem Jahr entstehen. Die neue Halle sollte bis in drei Jahren gebaut sein. Bis die neue Hauptverwaltung entsteht, könnten zwischen fünf und zehn Jahre ins Land gehen. Wie viel lässt sich das Unternehmen diese Expansion kosten? „Das werden sicherlich mehr als zehn Millionen Euro sein.“

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Mitarbeiter beschäftigt Bott in Gaildorf, darunter sind 25 Auszubildende. In Deutschland arbeiten rund 500 Menschen für das Unternehmen. Alle Auslandsgesellschaften eingerechnet, hat Bott mehr als 1000 Beschäftigte.

Ordnung und Sicherheit an Arbeitsplätzen


Gesellschafter von Bott sind die Töchter des Gründers Wilhelm Bott, Inge Klingler, Sonja Bott und Hanna Stoll, sowie Reinhard Wollermann-Windgasse, der die Geschäfte des Unternehmens von 2005 bis Ende 2017 führte.

Aus drei Bausteinen bestehen die Bott-Produkte. Die Einrichtungen von Servicefahrzeugen (Produktbezeichnung Vario 3) bestehen aus Regalen, Schränken und Arbeitsflächen mit herausnehmbaren Elementen wie Kästen, Koffern und Boxen. Die Systeme der Betriebseinrichtung (Cubio) sollen für Ordnung in Werkstätten sorgen, sodass Werkzeuge und Betriebsstoffe schnell zur Hand sind. Die Arbeitsplatzsysteme Avero sollen die Effizienz an Arbeitsplätzen fördern.

Drei Standorte hat das Unternehmen. Vom ungarischen Tarnazsadány aus werden die Werke in Gaildorf sowie im englischen Bude mit Rohmaterial und Halbfabrikaten beliefert.

Der größte Markt für Bott ist Deutschland. Hierzulande betreibt Bott fünf Niederlassungen. Dort werden die Einrichtungen für Fahrzeuge und Werkstätten verkauft und eingebaut. Vertriebsgesellschaften hat das Unternehmen in Frankreich, Österreich, Dänemark und Italien.

Jan Willem Jongert ist seit Januar 2018 Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung. Co-Geschäftsführer ist Clive R. Woodward.

In 40 Ländern ist Bott derzeit aktiv. Expansionen stehen in Mexiko, Kanada, Südkorea und Japan an, teilt das Unternehmen mit.

Einsparpotenzial sieht die Unternehmensleitung im Abbau von doppelten und dreifachen Strukturen an den Standorten Gaildorf, Bude (England) und Tarnazsadány (Ungarn). „Wir halten dreimal den gesamten Blumenstrauß bereit“, sagt Jan Willem Jongert. just