Tradition Anlass, harte Arbeit der Landwirte wertzuschätzen

Matthias Gaugel und Walter Schober (links) vor der Erntekrone. Sie ist jetzt im Rathaus Gschwend zu bewundern.
Matthias Gaugel und Walter Schober (links) vor der Erntekrone. Sie ist jetzt im Rathaus Gschwend zu bewundern. © Foto: Cornelia Kaufhold
Do / Von Cornelia Kaufhold 02.10.2017

Ich möcht’ Euch herzlich willkommen heißen.“ Für Matthias Gaugel ist die Erntedankfeier der Gmünder Landjugend in der Gemeindehalle Frickenhofen ein Heimspiel.  Er kommt vom Linsenhof, einer der 85 Wohnplätze der Gemeinde Gschwend.  Der Nebenerwerbslandwirt und hauptberufliche Dorfhelfer ist der Vorsitzende des 110 Mitglieder starken Vereins, der 1962 gegründet wurde. Im Juli begannen sie mit der Vorbereitung des Erntedankfestes, ein Brauch, den die Landjugend seit über einem halben Jahrhundert auch auf der Ostalb feiert. Sie hat den Weizen für die Erntekrone grün geerntet, damit die Ähren aufrecht stehen bleiben und die Körner nicht herausfallen, wie Gaugel erklärt. An sechs Abenden hat die Landjugend die Ähren zur Erntekrone gebunden. Später am Abend wird Matthias Gaugel sie dem stellvertretenden Bürgermeister Walter Schober überreichen.  „Die kommt ins Rathaus,“ sagt Schober, der selbst einen Hof in Seelach betreibt.

Das Miteinander gepflegt

Noch steht sie seitlich neben dem Erntealtar. Auf Heuballen liegen Kürbisse, Trauben, Kartoffeln, Getreideähren, Mais, Sonnenblumen – die ganze herbstliche Früchtevielfalt. Die Bedienungen laufen mit voll beladenen Tabletts durch die Stuhlreihen und bringen den hungrigen Gästen  Wurstsalat, Schnitzel mit Kartoffelsalat, echt schwäbische Hausmannskost zur musikalischen Unterhaltung des Duos „One Night Stand“. Für 160 Gäste ist aufgestuhlt und nur vereinzelt ist ein Stuhl leer. Auch die Landfrauen haben in der Küche alle Hände voll zu tun.

Die Gastredner halten sich kurz. Hubert Kucher vom Bauernverband lobt seine Berufskollegen für ihre harte Arbeit und geht auf eine aktuelle Herausforderung für die Landwirte ein, die Düngeverordnung. Doris Kurz vom Landfrauenverband dankt der Landjugend, dass sie die Tradition des Erntedanks pflegt. Es sei wichtig, sich in einer hektischen Zeit die Zeit zu nehmen, um zur Ruhe zu kommen. „Eine digitalisierte Gesellschaft kann nur überleben, wenn das soziale Miteinander gepflegt wird,“ sagt sie und bekommt viel Applaus. Auch Helmut Hessenauer vom Landwirtschaftsamt Ellwangen ruft zur Besinnung. „Freude ohne Dankbarkeit ist keine wirkliche Freude, und deshalb ist es wichtig, dass wir die Tradition des Erntedanks lebendig halten“, sagt er.  In einer satten Gesellschaft, der es an nichts fehlt, sei es nicht einfach, dankbar zu sein. Er sagt den Bauern und Bäuerinnen Danke für ihre harte Arbeit, die nicht immer wertgeschätzt würde. Nach wenigen Minuten ist der offizielle Teil beendet, und das Fest kann beginnen. Die Landjugend hat sich was einfallen lassen: Sie hat fünf Sketche einstudiert, eine Showeinlage vorbereitet, ein Quiz und ein Publikumsspiel. Und dann ist’s schon Mitternacht.

Nur ein Drittel sind tatsächlich Landwirt

Das Einzugsgebiet der Landjugend Schwäbisch Gmünd reicht von Plüderhausen bis Aalen und von Gschwend bis Heidenheim.  Ihre Mitglieder sind zwischen 17 und 35 Jahren alt. Knapp ein Drittel von ihnen sind Landwirte, der Rest Angestellte, Beamte, Arbeiter oder noch Auszubildende. Die Landjugend trifft sich einmal wöchentlich zu verschiedenen Themen. Zudem hat sie fixe Termine im Plan wie den Ostertanz, das Erntedankfest und alle zwei Jahre den Tag des offenen Hofes. Mit letzterer Aktion war sie beispielgebend: Sie hat 1969 den ersten Tag des Hofes veranstaltet. Heute gibt’s ihn bundesweit. ka