Gaildorf-Unterrot Angst vor einer "Schnapsidee"

Gaildorf-Unterrot / KLAUS MICHAEL OSSWALD 05.04.2014
Viele Unterroter sind in großer Sorge: Sie befürchten gravierende Probleme durch eine geplante Werkspiste für Ultraleichtflieger. Das Thema wurde in der Bürgerversammlung heftig diskutiert.

Am breiten Spektrum der Aufgaben, die in Gaildorf in jüngster Zeit erledigt wurden und noch erledigt werden (wir haben berichtet), gibt es offenbar wenig auszusetzen. In der Bürgerversammlung in Unterrot kamen in erster Linie Themen zur Sprache, die die Menschen in diesem Teil der Stadt bewegen. Hatte Bürgermeister Ulrich Bartenbach für seinen umfangreichen und reich bebilderten Rechenschaftsbericht Beifall erhalten, schlug die Stimmung beim gegenwärtigen "Thema Nummer eins" eher in Empörung um.

Viele Unterroter sind nämlich in großer Sorge: Die im Ort ansässige Firma UL-Airoaviation GmbH, die sich mit ultraleichten Luftsportgeräten einen Namen gemacht hat, will mit Hilfe einer kleinen Werkspiste künftig Transporte per Lastwagen und Flüge nach Hall einsparen - und deshalb eben in Unterrot eine entsprechende 200 Meter lange Start- und Landebahn anlegen. Die Wiese, auf der dies geschehen soll, gehört aber der Stadt (wir haben berichtet).

Der Bürgermeister versicherte, dass das Unternehmen bislang nur angefragt habe, ob die Stadt das Gelände hinter seinem Werksareal verpachten würde. Man habe noch nicht zugestimmt, aber ein "Ja" signalisiert. Über Details des Vorhabens wisse er noch nichts. Nur so viel: Airoaviation wolle beim Regierungspräsidium etwa 300 Start- und Landebewegungen im Jahr beantragen, was einem jährlichen Flugbetrieb von etwa zehn Stunden entspreche. Aber: "Es sind noch keine Pläne da".

Unterdessen hat eine Interessengemeinschaft besorgter Bürger das Gelände begutachtet und vermessen lassen, wie Barbara Menier berichtete. Aus ihrer Sicht erschreckendes Ergebnis: Der Flugbetrieb spiele sich nur 32 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt ab. Weitere Bürger warnten vor möglichen Gefahren - etwa dann, wenn ein Start oder eine Landung missglückt. "Es geht hier um Leib und Leben", lautete ein Zwischenruf. Ein anderer Unterroter riet der Stadtverwaltung unter Beifall, sie solle dem Betreiber sagen: "Das ist eine Schnapsidee!"

Ulrich Ostertag, selber Unternehmer, gab zu bedenken: Es gehe hier nicht um Einzelinteressen, sondern ums Gemeinwohl. Er erwarte von den Mandatsträgern, "sich zu informieren, bevor sie Zusagen machen". Bürgermeister Bartenbach konterte, dass über das genannte Signal hinaus noch nichts geschehen sei. Überdies "sind wir nicht die Genehmigungsbehörde". Die Stadt werde im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens lediglich angehört wie die übrigen Träger öffentlicher Belange.

Aber: Wenn der Flugbetrieb so "hochgefährlich ist", wie von einigen Unterrotern geschildert, könne er sich nicht vorstellen, dass das Regierungspräsidium das Ganze dann genehmige. Dies wiederum stellte einige der Versammlungsteilnehmer nicht zufrieden - weil es "verwegen" sei, in dieser Situation dem Antragsteller die Pacht bereits in Aussicht zu stellen.

Kritik an der Stadt - aus Sicht Bartenbachs völlig ungerechtfertigt - hagelte es auch an der Erschließung des Gewerbegebiets Münster, vor allem deswegen, weil 2013 kurz vor der Ernte die Felder "platt gemacht" worden seien. Hier, konterte der Bürgermeister, hätten die Pächter entgegen einer Absprache einfach eingesät. Im übrigen würden die Flächen dringend benötigt, um die Nachfrage bauwilliger Unternehmen befriedigen zu können.

CDU-Stadtrat Rainer Baumann appellierte an diejenigen Bürger, die pauschal gegen "die Stadt" oder den Gemeinderat wetterten, sie mögen sich doch vorher auch über die Zuständigkeiten informieren. Als Ratsmitglied lasse er sich für alles kritisieren, "wofür ich zuständig bin. Jedoch haben wir eben nicht auf alles Einfluss".

Fortgeschrieben werden konnte an diesem Abend auch der "Wunschzettel": etwa um einen Unterstand auf dem Friedhof, damit bei Beerdigungen die Trauergäste nicht im Regen stehen müssten, einen Jugendraum oder ein Domizil für die Landfrauen. Letztere Anregungen könnten im Zusammenhang mit einem Nutzungskonzept für die teilweise leerstehende Bühläckerschule erörtert werden.

Nicht zu vergessen: Zwar überwiegt die Freude in Unterrot über die Einrichtung eines Bezirksbeirats, enttäuscht ist man hier und dort jedoch nach wie vor, weil Bürgermeister Bartenbach aus seinem "Nein" kein Hehl macht.

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