Musik Amaryllis-Quartett gelingt Uraufführung

Das Amaryllis-Quartett spielt bei der Uraufführung in der Murrhardter Stadtkirche das Werk „Herbstbilder“. Von links: Gustav Frielinghaus (Violine), Yves Sandoz (Violoncello), Tomoko Akasaka (Viola) und Nikolaus Friedrich (Klarinette).
Das Amaryllis-Quartett spielt bei der Uraufführung in der Murrhardter Stadtkirche das Werk „Herbstbilder“. Von links: Gustav Frielinghaus (Violine), Yves Sandoz (Violoncello), Tomoko Akasaka (Viola) und Nikolaus Friedrich (Klarinette). © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Elisabeth Klaper 16.11.2018
Die Uraufführung der „Herbstbilder“ ist der Höhepunkt des Chor- und Kammermusik-Konzerts mit Werken aus vier Jahrhunderten in der Murrhardter Stadtkirche.

Ein stilistisch vielseitiges Konzertprogramm aus besonders eindringlichen und ausdrucksstarken Werken gestalten hochkarätige Musiker und der Kammerchor Murrhardt. Die Stücke aus der Renaissance bis zur Gegenwart passen ideal zur Jahreszeit und der Novemberstimmung.

Höhepunkt ist die Uraufführung des aus vier Stücken bestehenden Instrumentalwerks „Herbstbilder“ in der voll besetzten Stadtkirche. Der aus Schwetzingen stammende 29-jährige Hamburger Komponist Benjamin Helmer schafft dabei eine musikalisch und atmosphärisch faszinierende, zeitgenössisch-impressionistische Klangmalerei. Mit einer Fülle oberton-, farb- und ­nuancenreicher Klangstrukturen stellt er Assoziationen von Natur- und Wetterphänomenen des Herbstes dar. Meditativ und minuziös, mit Verve und Fingerspitzengefühl interpretieren die Musiker die Komposition. Die Mitglieder des seit 2000 bestehenden Amaryllis-Quartetts: Gustav Frie­linghaus (Violine), Tomoko Akasaka (Viola) und Yves Sandoz (Violoncello) und der Klarinettist Nikolaus Friedrich.

Klarinette erzeugt Vogelruf

Anschaulich erläutert der Komponist im Programmheft die Merkmale der vier Charakterstücke. Sehr hohe, schwebende, teils schleifende Töne illustrieren die wabernden „Nebelschwaden“. In „Regenkrähe“ gestaltet die Klarinette den Vogelruf mit einem tiefen, rollenden „Flatterzungen“-­Ton, der an ein Didgeridoo erinnert. Das „raschelnde Laub“ stellt Helmer dar durch Kaskaden aus rasanten Tonwiederholungen verschiedener Art und raffinierte interaktive Effekte zwischen den Instrumenten. Im abschließenden „Schnee“ bilden dissonante und harmonische Melodielinien jedes Instruments ein spannungsvolles, kontrapunktisches Geflecht. Das Stück fängt die schwermütige Stimmung beim ersten Schneefall am Übergang zwischen Herbst und Winter ein.

Die „Herbstbilder“ hat Benjamin Helmer auf Anregung der Musiker für die Besetzung mit Streichertrio und Klarinette komponiert, und dank der Uraufführung ist laut Kantor Gottfried Mayer eine gute Programmbalance zwischen Instrumental- und Vokalmusik gelungen.

Ein außergewöhnliches Hör­erlebnis ist auch das viersätzige Quartett für Klarinette und Streichertrio, ein Spätwerk des 1933 geborenen polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki, zu dem ihn Franz Schuberts Streichquintett C-Dur inspirierte. Vor Virtuosität sprühend, bringen die Musiker ebenso filigran wie expressiv eine große Bandbreite verschiedenartiger Motive und Klangfiguren, aber auch starke Kontraste der Klangfarben und Stimmungen zur Entfaltung.

Die Sänger des Kammerchors laufen unter der motivierenden Leitung von Kantor Gottfried Mayer zur Bestform auf und präsentieren stimmungsvoll Chormusik a cappella aus vier Jahrhunderten. Bis an die Grenzen ihrer Intonationsfähigkeiten führen sie die drei Sätze Kyrie, Sanctus und Agnus Dei aus Pendereckis Missa brevis. Vollendet interpretieren die Kammerchorsänger zwei vielschichtige Renaissance-­Motetten aus dem Israelsbrünnlein von Johann Hermann Schein (1586 bis 1630) im anmutigen, ausdrucksstarken und emotionalen Stil italienischer Madrigale. Der Chor meistert auch die romantischen Motetten über tiefgründige Glaubensfragen von Johannes Brahms. Mit starkem Beifall danken die Zuhörer den Musikern und Sängern für das imposante Konzert.

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