John Németh heißt der in Boise, Idaho, geborene Sänger und Mundharmonikaspieler, der 2014 und 2015 bei den Blues Music Awards für seinen Gesang und eines seiner Alben ausgezeichnet wurde, lebt mittlerweile in Memphis. Von Tennessee sang er zu Beginn seines Auftritts im Kernersaal, begleitet von drei weiteren Musikern, die allesamt den Groove hatten.

Gitarrist Anthony Stelmszack suchte auf seinem Instrument allerdings stärker als alle anderen den leicht verzerrten Sound und ging bisweilen leicht Richtung Bluesrock. Das klang metallisch, ließ aber etwas das Ausloten der Blues-Intonation vermissen. Das war bei Titeln wie „Come On“ oder „Ain’t Too Old“ ganz passend. Doch zu „Sit And Cry The Blues“ hätte man sich tröstendere und stärker seufzende Töne gewünscht. Stimmung wusste Stelmszack im vor Bluesfans brodelnden Kernersaal aber zweifelsohne zu machen. Da wusste ihm – angesichts seiner zahlreichen Gitarrenchorusse – nur Németh selbst Konkurrenz zu machen. Németh – im Blaumann mit Arbeiter-Baseballkappe und Sonnenbrille und mit groovenden „Elbows On The Wheel“ nach Gaildorf gefunden – zeigte Sinn für Show. Da wurde schon mal das Gaildorfer Bier nach der Pause preisend in die Höhe gehoben. Oder es wurde mit dem Publikum gespielt. Zu „Ain‘t Too Old“ animierte er das ihm da schon zu Füßen liegende Publikum zum Wechselgesang mit ihm.

83. Pferdemarkt in Gaildorf Eine ganze Stadt in Festlaune

Gaildorf

Als Sänger erwies sich Németh als einer, der recht geradeheraus singt, der nicht so sehr den Soul und das Verschleifen der Töne sucht, sondern mehr die klaren Tonfolgen. Das kam vor allem den eher popartigen und dem R’n’B nahestehenden Stücken zugute. „Under The Gun“ und „Sooner or Later“ gehörten etwa dazu.

Da konnte das Publikum dann auch erstmals Tommy Schneller von den „Boomer Horns“ mit einem schön aufgerauten Chorus auf seinem Tenorsaxofon erleben. Im zweiten Set klang es funky aus seinem Instrument. Und auch Posaunist Dieter Kuhlmann und Trompeter Gary Winters, Letzterer die ganz hohen Töne aus seinem Instrument pressend, waren solistisch zu erleben.

Zwischen den R’n’B-Stücken mischte John Németh seine Zuhörer dann wieder mit in die Beine gehendem Blues auf. Zu „Bad Luck Is My Name“ setzte er einen wunderbaren Triller auf seiner Harp an den Schluss. Mit „She‘s Looking Good“ durchfurchte er mit seiner Stimme die Melodie und ließ sie auch mal rau und krächzend klingen. Stelmszack nutzte da für seinen Chorus die Bottleneck-Technik und elektrisierte das Publikum.

Das hatte Németh bereits zu „Elbow On The Wheel“ mit seinem Harp-Chorus geschafft: zuerst ganz schlicht und dann zunehmend mit Blues-Intonation, sodass er seine Zuhörer im übervollen Kernersaal zum Jubeln, ergänzt mit viel Beifall und verzückten Pfiffen brachte.

Für das in die Beine gehende Gerüst sorgten Bassist Antoine Escalier und Drummer Fabrice Bessouat. Die brachten das Publikum zum Teil zum Tanzen, aber doch zumindest zum rhythmischen Mitgehen.

Wer am Ende dieses Frühschoppens also immer noch – oder schon wieder – müde war, hatte sich entweder von der Musik mitreißen lassen oder einfach keinen Sinn für den Blues.

Das könnte dich auch interessieren:

Gaildorf-Eutendorf